20. November 2012, 13:13 Einkommen und Lebenseinstellung Macht Glück geldlich?

Es ist eine der großen Fragen der Sozialwissenschaften: Macht Geld glücklich? Zwei Wissenschaftler gewinnen dem Rätsel nun eine neue Wendung ab. Womöglich muss die Frage einfach anders herum gestellt werden.

Von Sebastian Herrmann

Es ist eine der großen und fast unendlich oft gestellten Fragen der Sozialwissenschaften: Macht Geld glücklich? Die knappe und arg vereinfachte Antwort darauf lautet: Ja, schon, aber nicht so sehr, wie gemeinhin angenommen wird.

Jan-Emmanuel De Neve vom University College London und Andrew Oswald von der Universität Warwick gewinnen dem Rätsel vom Geld und dem Glück nun eine neue Wendung ab. Womöglich müsse die Frage einfach anders herum gestellt werden, argumentieren die beiden Sozialwissenschaftler im Fachblatt PNAS (online): Werden glückliche Menschen eher reich?

Und in der Tat haben die Forscher Daten gefunden, mit denen sich diese These untermauern lässt. Wer als Teenager mit seinem Leben zufrieden war und sich als glücklichen Menschen bezeichnete, der verdiente gute zehn Jahre später deutlich mehr als ehemals unzufriedene Teenager.

De Neve und Oswald werteten Datensätze einer Langzeitstudie aus den USA aus, für die seit vielen Jahren mehr als 10.000 Teilnehmer begleitet und befragt werden. Wer dabei als 16-Jähriger angab, mit seinem Leben besonders unzufrieden und unglücklich zu sein, der verdiente im Alter von 29 Jahren etwa 30 Prozent weniger als der Durchschnitt. Wer sich hingegen mit 16 Jahren so fühlte, als befände er sich ohne Zweifel auf der Sonnenseite des Lebens, bekam mit 29 Jahren zehn Prozent mehr Geld als der Durchschnitt.

Die erhobenen Daten erlaubten es den Forschern, andere Faktoren weitgehend auszuschließen: Auch wenn sie Effekte, die sich durch Alter, Geschlecht, ethnische Zugehörigkeit, den Intelligenzquotienten, die physische Gesundheit, die Körpergröße und das Selbstvertrauen der Befragten aus der Analyse herausrechneten, blieb der beobachtete Effekt signifikant. Auch im Vergleich unter Familienmitgliedern fand sich der Zusammenhang.

Aber warum macht Glück reich? Wer zufrieden ist, erreiche eher einen Universitätsabschluss, bemühe sich eher um einen Job, sei generell aufgeschlossener und optimistischer und weniger neurotisch, schreiben die beiden Sozialwissenschaftler - und wenden ihre Frage auf ganze Gesellschaften an: Womöglich erarbeiten sich Länder mit hohem Glücksniveau auch großen Wohlstand und nicht umgekehrt.