8. November 2012 11:42 Alternative Energien Bakterien stellen Diesel aus Zucker her

Von Christopher Schrader

US-Forscher haben ein altes Verfahren der chemischen Industrie wiederentdeckt und mit neuen Tricks so verbessert, dass es nun Qualitäts-Biosprit liefert. Eingesetzt werden dazu Bakterien.

Um Flugzeugbenzin aus Biomasse zu erzeugen, lassen sich offenbar Bakterien nutzen, die eigentlich ihren Zenit überschritten hatten. Forscher aus Kalifornien haben ein altes Verfahren der chemischen Industrie mit neuen Tricks verbessert.

Vor fast 100 Jahren stieß der Chemiker Chaim Weizmann, der später der erste Staatspräsident Israels wurde, auf Clostridium acetobutylicum. Die Mikroben verdauen Zucker und Stärke und stoßen Ethanol, Butanol und Azeton aus. Vor den Weltkriegen diente das Verfahren dazu, künstlichen Kautschuk und Ersatz für Schießpulver zu erzeugen. Dann geriet es in Vergessenheit.

Forscher der University of California in Berkeley und vom Lawrence Berkeley Nationallabor haben jetzt zwei Schritte entdeckt, die Produkte der Bakterien zu veredeln (Nature, Bd. 491, S. 235, 2012). Zunächst mischen sie eine Chemikalie in die von den Mikroben erzeugte Brühe, die die höherwertigen Verbindungen Butanol und Azeton herauslöst und das Ethanol zurücklässt.

Dann wird die angereicherte Mischung mit Platin-Katalysatoren vermengt. Dadurch lagern sich weitere Kohlenstoffatome an das Azeton an. Die entstehenden langkettigen Verbindungen lassen sich wie Diesel oder Kerosin verbrennen. Sie haben einen höheren Energiegehalt als Benzin oder dessen Ersatzstoff Ethanol.

Der mithilfe der Clostridien erzeugte Kraftstoff eröffnet damit einen weit größeren Vorrat an Rohstoffen für die Produktion hochwertiger Biotreibstoffe. Bisher galt, dass Zucker und Stärke etwa aus Feldfrüchten wie Mais sowie deren Blättern und Stängeln nur Ethanol liefern könne. Für Biodiesel waren Öle oder Algen nötig. Diese Regel haben die kalifornischen Forscher durchbrochen.