Eine Analyse von Wolfgang Jaschensky

Die Bundesregierung spielt gerne Umweltschutzweltmeister und gibt sich auch beim UN-Artenschutzgipfel als Vordenker. Dabei sieht es in Deutschland gar nicht gut aus.

"Denke global! Handle lokal!" Dieser Slogan ist zum Mantra von Managern der globalisierten Welt geworden. Geprägt hat den Satz ein Mann namens David Brower vor fast 40 Jahren. Brower war jedoch kein Manager, sondern hat sich dem Umweltschutz verschrieben. Und gerade im Umweltschutz macht der Satz Sinn, denn Natur- und Artenschutz kann in vielen Fällen nur dann effektiv funktionieren, wenn über nationale Grenzen hinweg Einigkeit über Maßnahmen und Ziele besteht, um lokale Schutzmaßnahmen zu koordinieren.

Feldlerche Grossbild

Die Feldlerche (Alauda arvensis) ist wie viele Feldvogelarten bedroht. (Foto: dpa)

Wenn sich in Bonn nun von Montag an etwa 5000 Delegierte aus fast allen Ländern der Erde zur Artenschutzkonferenz der Vereinten Nationen treffen, steht auch dahinter die Idee: Denke global - zum Wohle der Artenvielfalt auf der Erde.

Bundesumweltminister Siegmar Gabriel ist einer der Delegierten - und präsentiert sich als Vorreiter in Sachen Artenschutz. "Wir müssen die Konferenz nutzen, um wirksame Maßnahmen zu beschließen und die Trendwende beim anhaltenden Artensterben einzuleiten“, sagt Gabriel zum Beispiel. Oder: "Es geht im Kern auch um das Überleben von Menschen auf unserem Planeten."

Auf dem internationalen Parkett legt sich Deutschland deshalb auch mächtig ins Zeug - das sehen selbst kritische Umweltschützer positiv. Friedrich Wulf vom Bund Naturschutz (BUND) betreut bei dem Umweltverband die Artenschutzkonferenz und ist voll des Lobes: "Gabriel hat viele Initiativen angeleiert und ich habe noch keine Position Deutschlands wahrgenommen, die ich nicht teile."

So setzte sich Gabriel glaubwürdig und in Vorgesprächen auch vielversprechend für ein Abkommen gegen Biopiraterie ein. Dabei geht es darum, Entwicklungsländer zu entschädigen, wenn sich Industrienationen im Regenwald an genetischen Ressourcen bedienen, um etwa Medikamente herzustellen. Auch die Initiative zur Verbesserung der Finanzierung des globalen Artenschutzes findet den Beifall vieler Experten.

vorherige Seite  vorherige Seite     1 | 2     nächste Seite   nächste Seite

ANZEIGE

mehr ...


Themen

Weitere Artikel in Thema Artenvielfalt

Leserkommentare (2)



19.05.2008 17:50:59

WolfeTone: Sehr guter Kommentar, Rothund,

es sollte aber noch ergänzt werden, das um die geforderte Fläche der FFH- Gebiete zu erreichen, in Bayern kurzerhand einfach die meisten Gewässer zu FFH- Gebieten deklariert wurden. Da Wasserfächen normalerweise nicht bebaut werden können, hat man so einen eleganten Weg gefunden, kein wertvolles Bauland zu verlieren,wo heute u.U. noch Wälder stehen.


1 Besucher hat diesen Kommentar bewertet





Wir wollen die Qualität der Nutzerdiskussionen stärker moderieren. Bitte haben Sie deshalb Verständnis, dass wir die Kommentare ab 19 Uhr bis 8 Uhr des Folgetages einfrieren. In dieser Zeit können keine Kommentare geschrieben werden. Dieser "Freeze" gilt auch für Wochenenden (Freitag 19 Uhr bis Montag 8 Uhr) und für Feiertage.


Vor 200 Jahren kam Darwin zur Welt. Vor 150 Jahren begründete er die Evolutionstheorie. Eine Serie über sein Erbe.
Spezial
Warum und wie verbreitet sich das Virus - und wie sollten wir reagieren? Die Antworten in einem Spezial.
Beliebte Beiträge
Kaum ein Thema bewegt unsere Leser so wie die Impfung gegen die Schweinegrippe. Seit Wochen schreiben sie uns ihre Erfahrungen und Ansichten. Hier können Sie sie lesen.
Biohacker basteln am Code des Lebens und erschaffen zum Beispiel Darmbakterien mit Pfefferminzduft. Öffnet dies eine Tür zu fatalen Experimenten?
30 Grad und mildes Waschmittel lassen Bakterien in der Waschmaschine gut gedeihen. Wissenschaftler warnen vor Infekten.
Kann man Schläger wie die von Solln für ihre brutale Tat überhaupt verantwortlich machen? Hirnforscher Gerhard Roth zweifelt daran - und fordert ein neues Strafrecht.
Wie Verschwendung zum Untergang des Weströmischen Reiches beigetragen hat und wie Experimente helfen, die Vergangenheit zu verstehen.
Serien für Neugierige
Was, wer, wann und warum überhaupt?
die sie noch nicht wissen über ...
Yeti
Neben Nessie und Bigfoot gehört der Yeti zu den berühmtesten Ungeheurn der Welt. Doch es existieren angeblich noch viel mehr unheimliche Wesen.
Im Kuriositätenkabinett der Kreaturen
Wo der Planet an seine Grenzen geht
Natur und Wissenschaft
Der Sternenhimmel des laufenden Monats
Eine interaktive Grafik
Test-Ecke
Amsel, Drossel, Fink oder Star? Prüfen Sie Ihr Wissen.
Es ist nicht ganz leicht zu erkennen, was diese Satellitenaufnahmen zeigen. Aber versuchen Sie es trotzdem.
Schauen Sie diesen Tieren tief in die Augen. Erkennen Sie, um welches Vieh es sich handelt?
Wissen Sie Bescheid über unsere Nachbarplaneten?
Regenwolken kennt jeder. Aber was verraten uns feine Schleier oder Schäfchenwolken darüber, wie das Wetter wird?
Nein, nicht die Schweizer. Aber von wem stammt nun eigentlich die erste Dampfmaschine?
Von der steinzeitlichen Trepanation bis zur Herztransplantation - wissen Sie Bescheid über die Geschichte der Heilkunst?
Hat Magellan wirklich als erster die Welt umsegelt? Und wer hat eigentlich Australien entdeckt?
Wann flog die erste Rakete ins All? Wie lang hielt die erste Raumstation?
Pottwal, Blauwal, Finnwal - erkennen Sie die Meeressäuger?
SZ Photo
Alzheimer - Das fortschreitende Vergessen
Das vor über 100 Jahren von dem Neurologen Alois Alzheimer beschriebene Leiden tritt in 90 Prozent der Fälle erst ab dem 60. Lebensjahr auf. In der westlichen Welt ist die Krankheit inzwischen zur vierthäufigsten Todesursache geworden, da die Menschen immer älter werden. mehr...