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Was wäre, wenn es keinen Gott gäbe? (Foto: dpa)

... es Gott doch nicht gäbe?
von Dr. Manfred Lütz

Szenario 1: Für jemanden, welcher der Überzeugung ist, dass Gott existiert, ist die Frage ein bisschen verrückt. Es ist, als würde man in der Süddeutschen Zeitung die Hypothese vertreten, es gäbe diese Zeitung überhaupt nicht. Die Frage ist also ziemlich abstrakt und insofern wahrscheinlich ungemein deutsch.

Wenn es Gott nicht gäbe, gäbe es zwar auch weiterhin Menschen, die sich bemühen würden, moralisch zu handeln. Doch Moralität wäre dann mit dem Stigma der Unvernünftigkeit belastet. Es ist vernünftigerweise nicht einzusehen, warum man edelmütig und moralisch handeln soll, wenn doch letztlich der Gute erfahrungsgemäß immer der Dumme ist. Vor allem aber: Wenn es Gott, den Schöpfer, nicht gäbe, wäre gar nichts da, auch das Papier nicht, auf dem Sie jetzt diese Schriftzeichen lesen.

Wenn es Gott nicht gäbe, könnten Sie darüber hinaus nicht sicher sein, ob es Sie gerade im Moment wirklich gibt. Zwar wird es Sie nächste Woche gegeben haben. Gewiss wird es Sie jetzt im Moment auch nächstes Jahr gegeben haben. Doch irgendwann wird es keinen Menschen und keine Erde mehr geben. Wenn es keinen ewigen Gott gibt, wird es Sie, verehrter Leser, dann jetzt im Moment nicht gegeben haben. Wenn es Sie aber nicht gegeben hat, dann gibt es Sie jetzt auch nicht. Schade eigentlich.

Dr. Manfred Lütz ist Facharzt für Nervenheilkunde und Psychiatrie, Theologe und Schriftsteller. Zuletzt erschien sein Buch "Gott, eine kleine Geschichte des Größten" (Pattloch), für den er den Corine- Sachbuchpreis 2008 erhielt.

Szenario 2: Die menschliche Existenz würde sich einem in höchstem Maß unwahrscheinlichen Zufall verdanken. Es gäbe keine Gerechtigkeit nach dem Tod für die ungezählten Geschundenen der Geschichte. Der Mörder triumphierte endgültig über sein Opfer. Die Liebe wäre nicht ewig, sondern vergänglich, der verweste Leichnam wäre, nach dem Verlöschen der Erinnerung, alles, was vom Menschen bliebe.

Glaube, Hoffnung und Liebe hätten kein Ziel. Die Welt, der Mensch, wären ohne Gnade, zurückgeworfen auf das, was ist, ohne Glaube, ohne letzte Hoffnung, ohne Gottes tragende Liebe. Aber: Die Welt ist nicht so! Sie ist nicht finster – Finsternis ist in der Literatur eine Metapher für Gottesferne –, sondern erleuchtet von Gottes Gegenwart. Die kirchliche Liturgie lässt uns dies an Weihnachten wieder erleben.

Robert Zollitsch ist Erzbischof von Freiburg und seit Februar 2008 Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz.

(sueddeutsche.de/reb/pfau)

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Leserkommentare (6)



06.08.2009 15:49:57

Patricio111: @FreierGeist

Umso besser ist dafür Herr Schmidt-Salomons Kommentar.

Sein Abschlusssatz "...gibt es entweder keinen Gott oder dieser Gott ist ein Sadist, ein Dummkopf oder ein intergalaktischer Witzbold."... grandios!


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