Von Wolfgang Roth

Heute beginnt in Bonn die zweiwöchige UN-Konferenz zu Schutz und Nutzung der internationalen Artenvielfalt. Wirklich nützen wird sie Tieren und Pflanzen kaum.

Bild vergrößern

Weissstirn-Kapuzineraffen in einem Käfig in Bogota. Die Tiere waren für den illegalen Tierhandel vorgesehen. Foto: AP

Erstmals seit 2001 ist Deutschland wieder Gastgeber einer Konferenz der Vereinten Nationen in der Nachfolge des Umweltgipfels von Rio im Jahr 1992. An diesem Montag beginnt in Bonn die zweiwöchige UN-Konferenz zum Schutz und zur Nutzung der internationalen Artenvielfalt, auf der etwa 5000 Teilnehmer aus 190 Staaten erwartet werden.

Basis der Beratungen ist die 1994 in Kraft getretene Konvention, die unter dem Kürzel CBD firmiert (United Nations Convention on Biological Diversity) und - wie das Kyoto-Protokoll zum Schutz des Weltklimas - bisher von den USA nicht ratifiziert wurde.

Schwerpunkte auch dieses neunten CBD-Treffens sind die Bemühungen um ein globales Netz von Schutzgebieten sowie um ein Regelwerk, das die Vorteile aus der Nutzung von Pflanzen und Tieren gerecht verteilt. Zehn Jahre nach Rio hat sich die Staatengemeinschaft in Südafrika zwar verpflichtet, den weltweiten Schwund der Artenvielfalt bis zum Jahr 2010 ,,signifikant‘‘ zu mindern, aber dieses Ziel wird signifikant verfehlt werden - eine Parallele zu den Verpflichtungen, die die Industriestaaten in Kyoto zum Abbau ihrer Treibhausgase eingegangen sind.

Mehr zum Thema

Es ist im bisherigen Verhandlungsprozess nicht gelungen, konkrete und mit Strafandrohung belegte Vorgaben zu setzen. Die weitaus größte Artenvielfalt weisen Entwicklungsländer und aufstrebende Staaten wie Brasilien und Indonesien auf, die nicht ohne finanziellen Ausgleich dazu bereit sind, auf die Ausbeutung ihrer Tropenwälder zu verzichten.

Um den Schwund natürlicher Ressourcen abzubremsen, müssten jährlich mindestens 15 Milliarden Euro aufgewendet und der Umweltfonds der UN entsprechend aufgestockt werden. Deutschland, das für zwei Jahre die Verhandlungen leitet, wird in Bonn versuchen, erste Projekte für ein Netz von Schutzgebieten zu initiieren und sowohl einzelne Staaten als auch Sponsoren aus der Wirtschaft zu deren Finanzierung zu bewegen.

Delikate Verhandlungen über die Verteilung der Profite

Das betrifft den Reichtum der Natur in den letzten Urwäldern der Erde genauso wie weite Teile der Ozeane, in denen die Fischbestände nur überleben, wenn sie für Fangflotten tabu sind.

Je konkreter die Ziele der Konvention formuliert werden, desto mühsamer wird es aber, die erforderliche Zustimmung aller Staaten zu erreichen, die das Abkommen ratifiziert haben.

Besonders delikat sind die Verhandlungen darüber, wie die unterentwickelten Nationen an dem Profit beteiligt werden können, den mächtige Konzerne in den Industriestaaten mit solchen Pflanzen und Tieren erzielen, die der Rohstoff für Medikamente und Nahrungsergänzungsmittel sind.

Sie dürfen nicht ohne Zustimmung der Ursprungsländer entnommen werden, was Fälle von "Biopiraterie" aber nicht verhindert hat. Es fehlt bisher jedoch an klaren Regeln, die einen angemessenen Ausgleich der Vorteile garantieren.

Artenvielfalt und Klimaschutz - sie bedingen einander, stehen aber auch in Konkurrenz. Werden die Tropenwälder weiter gerodet, schwindet nicht nur natürlicher Lebensraum, auch das Erdklima heizt sich weiter auf. Andererseits werden diese Lebensräume aber durch den zunehmenden Anbau von Energiepflanzen bedroht, die das teure Erdöl ersetzen sollen. Dieser Konflikt wird die Bonner Konferenz beschäftigen wie noch keine vorher.

(SZ vom 19.5.2008/mcs)