Von Christopher Schrader

Vertreter aller Parteien und Umweltgruppen haben das Ergebnis der Studie zu Kernkraft und Krebs im Einklang mit ihren jeweiligen Positionen ausgelegt. Doch womoglich wird nie eine genaue Ursache für Leukämie-Häufungen zu finden sein.

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Mehr Leukämiefälle bei Kindern in der Umgebung von Atomkraftwerken? Foto: ddp

"Das Verhältnis eines Politikers zu einem Wissenschaftler gleicht dem eines Betrunkenen zu einer Laterne: Beide suchen Halt und nicht Erleuchtung."

Was der berühmte Politologe Karl Wolfgang Deutsch einst über Sozialwissenschaftler gesagt hat, erfahren nun auch Krebsforscher und Epidemiologen aus Mainz. Sie waren zu dem Ergebnis gekommen, dass Kleinkinder in der Nähe von Kernkraftwerken häufiger Krebs bekommen als anderswo.

Vertreter aller Parteien und Umweltgruppen haben das Studienergebnis in Einklang mit ihren seit langem vertretenen Positionen ausgelegt. Eine "Erleuchtung" im Deutsch’schen Sinne, war bei keinem zu erkennen.

Doch mal angenommen, Politiker auf beiden Seiten der Kernkraftdebatte wären des Umdenkens fähig - was müssten Wissenschaftler ihnen vorlegen?

Die nüchterne Wahrheit ist: Wahrscheinlich kann keine Studie jemals belegen, was die Leukämien und anderen Krebserkrankungen der unter Fünfjährigen verursacht hat. Eine strenge Kausalität ließe sich ohnehin nur im Tierversuch zeigen. Bei Menschen verbietet es sich, sie in eine kontrollierte Umgebung zu sperren, ihre Lebensumstände anzugleichen und dann eine Hälfte der Probanden zu bestrahlen - womöglich sogar heimlich.

Nein, bei dieser Art der Untersuchung müssen Forscher bei den Verfahren der - rein beobachtenden, allenfalls nachfragenden - Epidemiologie bleiben. Sie könnte, wenn die Wissenschaftler sorgfältig sind, eine Assoziation der Krebsfälle mit der vermutlichen Ursache aufzeigen und gleichzeitig mit einer gewissen Sicherheit belegen, dass keine andere Ursache in Frage kommt. Das könnte als Indizienbeweis reichen.

Die Forscher bräuchten neue Daten

Dafür bräuchten die Forscher erstens mehr und möglichst neue, also nicht jetzt schon eingerechnete, Daten. Es ist aber kaum anzunehmen, dass dieses Land noch weitere 25 Jahre auf die Antwort warten möchte, ob kleinste Mengen Radioaktivität Krebs auslöst. Zumal die Kernkraftwerke dann, nach geltendem Recht, bereits alle abgeschaltet sein werden.

Und Daten aus mehreren großen Ländern zusammenzuführen, ist auch schwierig, dazu sind die Lebensgewohnheiten der Menschen in Deutschland, Großbritannien, Frankreich und Amerika einfach zu unterschiedlich.

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