Ein fortschrittliches Zahlensystem war bereits aus Indien über arabische Gelehrte nach Europa gekommen. Allerdings hatte es sich bislang nicht durchsetzen können. Die Kirche stand den neuen Ziffern skeptisch gegenüber, da sie aus dem Islam kamen. Zuweilen wurden sie gar als Teufelswerk bezeichnet. Aber auch die Finanzwelt sträubte sich. Für die römischen Zahlen hatte sie Methoden erfunden, um Fälschungen in den Abrechnungen zu verhindern. Bei den indisch-arabischen Zahlen brauchte ein Betrüger dagegen nur ein paar Nullen anzuhängen. Überhaupt schieden sich an der Null die Geister. Vielen war sie als Symbol für das Nichts suspekt.
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Rechenmeister Ries bereiteten die arabischen Zahlen keine Probleme. Er verstand den Vorteil des Stellenwertsystems, bei dem der Wert einer Ziffer von ihrer Stelle abhängt. Dadurch lassen sich Rechnungen mit größeren Zahlen auf solche mit einer Handvoll Ziffern zurückführen. 47 mit 33 zu multiplizieren schafft so jeder Drittklässler.
In seiner "Rechenung auff der linihen und federn...", die ebenfalls auf Deutsch erschien, erklärte Ries beide Rechenarten, jene mit dem Linienbrett und die moderne Version mit Stift und Papier. Gedacht war dieses erste Mathebuch für Lehrlinge der kaufmännischen und handwerklichen Berufe. Aus deren Alltag stammen die vielen Übungsaufgaben in der Rechenfibel.
Wie weit Ries seiner Zeit voraus war, belegt ein Zitat des Meisters, in dem er hofft, dass "ein jeder die Rechenkunst mit Lust und Fröhlichkeit begreifen möge". Von dieser Einstellung könnte noch heute so mancher Mathematik-Lehrer profitieren.
Wer seinerzeit das didaktisch hervorragende Werk durchgearbeitet hatte, erwarb das Zeug zum großen Rechenkünstler. Aus heutiger Sicht mag man darüber lächeln. Doch zu Beginn der Neuzeit beherrschte kaum jemand die Grundrechenarten. Nur eine einzige Universität in Deutschland pflegte die Kunst des Dividierens. Und Ries begnügte sich nicht mit Rechenverfahren, er bemühte sich stets darum, das Ergebnis auf Fehler zu prüfen, zum Beispiel mit der so genannten Neunerprobe.
Bei jeder Multiplikation werden die beiden Reste, die bleiben, wenn man die Faktoren durch 9 teilt, miteinander malgenommen. Der Neunerrest dieses Produkts muss dann mit dem Neunerrest des Resultates der Multiplikation übereinstimmen. Das Geniale dabei: Der Neunerrest lässt sich auf einfache Weise aus der Quersumme einer Zahl bestimmen. 986 hat beispielsweise die Quersumme 9+8+6=23, was wiederum die Quersumme 2+3=5 hat. Folglich ist der Neunerrest von 986 gleich 5.
Das zweite Buch des Adam Ries erwies sich als überaus erfolgreich. Bis zu seinem Tod wurde es mehr als hundertmal aufgelegt. Zu Reichtum gelangte sein Autor dadurch allerdings nicht. Denn mit dem Urheberschutz nahm es im 16. Jahrhundert niemand so genau.
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Schuldenkrise in Griechenland
"Aus heutiger Sicht mag man darüber lächeln. Doch zu Beginn der Neuzeit beherrschte kaum jemand die Grundrechenarten." Reines Wunschdenken.
Dazu ein paßt folgender Gesprächsfetzen aus der Straßenbahn: Ca. 15 jähriger: "Und dann sollte ich ausrechnen: 1 * 2 * 3 * 4 * 5 * 6. Ohne Taschenrechner! Wie soll das denn gehen?"
Interessanter Beitrag.
Aber die allgemeine Befürchtung des Kirchenbashings ist einfach nur albern.
soso.
Lieber Herr Blum,
hätte es damals ein vergleichbares System zu heute gegeben, wir würden immer noch mit römischen Ziffern rechnen.
DW
Etwas verwunderlich ist die in der Druckausgabe der SZ eingefügte Texthervorhebung Die Kirche sah in arabischen Ziffern ein Teufelswerk. Aus der Originaltextstelle Zuweilen wurden sie (= die arabischen Ziffern) gar als Teufelswerk bezeichnet wird jetzt wieder eine der üblichen Breitseiten gegen eine Institution Kirche.
Nun war es der Franziskanerpater Luca Pacioli, der 1494 das erste Mal eine geschlossene Darstellung der doppelten Buchführung auf Basis arabischer Ziffern veröffentlichte und damit dieser Methode zum Durchbruch verhalf. Diese Methode alla Veneziana war offensichtlich regional längst im Gebrauch. Nürnberger Patrizierfamilien wandten sie lt. Nürnberger Stadtgeschichte bereits Ende des 14.Jh. an, Jacob Fugger lernte sie 1465 in Venedig kennen.