Sie rechnen laut Adam Riese? Leider falsch; der vor 450 Jahren gestorbene Rechenkünstler hieß Ries. Gigantisch sind seine Verdienste trotzdem.
2009 minus 1559 - das macht nach Adam Riese 450. Vor so vielen Jahren, der genaue Tag ist unbekannt, starb jener berühmt gewordene Rechenmeister, der eigentlich Adam Ries hieß. Sein Ruf hat einen guten Grund: "Bis jetzt konnte Adam Ries so gut wie kein Fehler in seinen Schriften nachgewiesen werden", sagt Wolfgang Lorenz, der seit Jahren über den Zahlenzauberer forscht. Nur in die Überlieferung seines Namens schlich sich ein Lapsus ein.
Der Vater aller Mathematikleher: Adam Ries starb vor 450 Jahren (© Foto: oh)
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In sämtlichen Quellen stehe Ries, berichtet Lorenz. Ob "Riese" von der damals üblichen Deklination des Namens herrühre oder Respekt vor dem Rechenriesen ausdrücken soll, sei ungewiss.
Zu Beginn des 16. Jahrhunderts litten die Bauern in Deutschland unter der Fron, die sie dem Adel erbringen mussten. Die wenigsten Menschen konnten lesen und schreiben. Das Land war zersplittert in unzählige Fürstentümer und Grafschaften, die meist eigene Maße und Gewichte kannten. In den Städten Süddeutschlands entwickelte sich dennoch die Wirtschaft. Es entstand ein neuer Beruf: Rechenmeister waren im Handel, Behörden und bei Adeligen gefragt.
1518 ließ sich der im fränkischen Staffelstein geborene Adam Ries, der vermutlich nie eine Hochschule besuchte, in Erfurt als Rechenmeister nieder. Dort schrieb er sein erstes Buch über die "Rechnung auff der linihen", nicht wie damals für Gelehrte üblich auf Latein, sondern auf Deutsch. Der Titel bezog sich auf das Hantieren mit Rechenpfennigen, die ähnlich wie die Kugeln eines Abakuses auf einem linierten Brett hin- und hergeschoben wurden. Der unterste Strich stand dabei für die Einer, der nächst höhere für die Zehner. Dann kamen die Hunderter und Tausender. Pfennige dazwischen symbolisierten Fünfer, Fünfziger und Fünfhunderter.
Pfennige zu verschieben war damals eine zweckmäßige Rechenmethode. Einerseits war Papier ein teures Luxusgut. Andererseits benutzten die meisten Bürger - so weit sie nicht sowieso Analphabeten waren - römische Ziffern, die sich nicht eignen zum schriftlichen Addieren, Subtrahieren, Multiplizieren und Dividieren. Schon die einfache Aufgabe XLVII mal XXXIII (47 mal 33) ist in dieser Schreibweise nicht zu bewältigen. Das Ergebnis, MDLI (1551), lässt sich nicht aus den in den Faktoren enthaltenen Zeichen L, X, V und I ableiten.
Der Handel zwischen den Regionen nahm außerdem rapide zu, und überall galten andere Maße und Währungen. So maß eine Elle in Frankfurt rund 54 Zentimeter, in Leipzig 56 und in Nürnberg 66. Zudem waren viele verschiedene Münzen in Umlauf: Mark, Gold- und Silbergulden, Taler und Kreuzer.
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Harte Kritik des Bayern-Präsidenten
"Aus heutiger Sicht mag man darüber lächeln. Doch zu Beginn der Neuzeit beherrschte kaum jemand die Grundrechenarten." Reines Wunschdenken.
Dazu ein paßt folgender Gesprächsfetzen aus der Straßenbahn: Ca. 15 jähriger: "Und dann sollte ich ausrechnen: 1 * 2 * 3 * 4 * 5 * 6. Ohne Taschenrechner! Wie soll das denn gehen?"
Interessanter Beitrag.
Aber die allgemeine Befürchtung des Kirchenbashings ist einfach nur albern.
soso.
Lieber Herr Blum,
hätte es damals ein vergleichbares System zu heute gegeben, wir würden immer noch mit römischen Ziffern rechnen.
DW
Etwas verwunderlich ist die in der Druckausgabe der SZ eingefügte Texthervorhebung Die Kirche sah in arabischen Ziffern ein Teufelswerk. Aus der Originaltextstelle Zuweilen wurden sie (= die arabischen Ziffern) gar als Teufelswerk bezeichnet wird jetzt wieder eine der üblichen Breitseiten gegen eine Institution Kirche.
Nun war es der Franziskanerpater Luca Pacioli, der 1494 das erste Mal eine geschlossene Darstellung der doppelten Buchführung auf Basis arabischer Ziffern veröffentlichte und damit dieser Methode zum Durchbruch verhalf. Diese Methode alla Veneziana war offensichtlich regional längst im Gebrauch. Nürnberger Patrizierfamilien wandten sie lt. Nürnberger Stadtgeschichte bereits Ende des 14.Jh. an, Jacob Fugger lernte sie 1465 in Venedig kennen.