20. Klimakonferenz in Lima Der letzte Anlauf

Bis 2020 werden weltweit wohl zehn Gigatonnen Kohlendioxid mehr ausgestoßen, als es der Kampf gegen die Erderwärmung erlaubt.

(Foto: dpa)
  • In Perus Hauptstadt Lima findet kommende Woche die 20. Klimakonferenz der Vereinten Nationen statt - dazu werden Delegationen aus 195 Staaten erwartet.
  • Erste Verhandlungstexte gibt es schon, die Chancen auf eine Einigung stehen gut.
  • Neben nationale Ziele soll eine regelmäßige Überprüfung treten: Strengen sich die Staaten nicht genug an oder sind ihre Ziele zu lasch, müssen sie nachlegen.
Von Michael Bauchmüller

Der Schlitten im Schuppen, die Rentiere grasen. Keine Geschenke. "Der Weihnachtsmann", sagt Anders Levermann, "wird nicht mehr am Nordpol wohnen können. Das ist für dieses Jahrhundert ganz klar." Nicht nur Levermann, der am Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung arbeitet, erwartet ein rapides Schmelzen des arktischen Eises in den nächsten Jahrzehnten. Umstritten ist allenfalls, wann genau der Weihnachtsmann auswandern sollte - und wohin. In der Westantarktis und auf Grönland sieht es auch nicht gut aus. "Wir müssen uns auf Überraschungen einstellen", sagt er.

So liegen die Dinge zu Beginn der mittlerweile 20. Klimakonferenz der Vereinten Nationen: Die Befunde sind klar. Vor vier Wochen erst hat der Weltklimarat seinen fünften großen Bericht vorgelegt, er bekräftigt alte Gewissheiten. Unbestreitbar nehme die Erderwärmung zu, schließen die Forscher, und damit auch das Risiko extremer Wetterereignisse. Und mit allergrößter Wahrscheinlichkeit hat das die Menschheit selbst erwirtschaftet.

In Perus Hauptstadt Lima tritt die Menschheit nächste Woche zusammen, zumindest die Regierungsvertreter tun es. Delegationen aus 195 Staaten werden erwartet. Ein weiteres Kapitel in einem zähen Prozess, der Jahr für Jahr von denselben Befunden, den gleichen Appellen begleitet wird - ohne dass sich viel ändert. Die Treibhausgas-Emissionen steigen und steigen.

Doch dieses Mal ist vieles anders.

Geld für den internationalen Klimafonds sprudelt

Ein Jahr bevor in Paris ein neues Klimaabkommen geschlossen werden soll, gibt es plötzlich Bewegung. Die Europäer haben sich, ungeachtet aller Widerstände aus Osteuropa, doch noch auf ein Klimaziel für die Zeit nach 2020 geeinigt. Die USA und China, die größten Bremser im Klimaschutz, wollen plötzlich gemeinsam die Erderwärmung bekämpfen; Indien räumt starre Positionen von gestern. Selbst das Geld für den internationalen Klimafonds sprudelt: Knapp zehn Milliarden Dollar brachte kürzlich eine Geberkonferenz in Berlin. Erstmals hat der Fonds damit Geld, um Klimaschutz zu fördern. "Wir haben eine grundlegend andere Situation, als wir sie vor Kopenhagen hatten", sagt Karsten Sach, Deutschlands Chef-Unterhändler bei den Verhandlungen. "Klimaschutz ist in allen Staaten als politische Priorität angekommen."

Kopenhagen. Die gescheiterte Klimakonferenz 2009 wirkt heute noch nach. Auch damals sollte der große Durchbruch gelingen, ein neues globales Abkommen sollte das "Kyoto-Protokoll" ersetzen. Misstrauisch taktierten die Mächtigen dort bis zum Schluss - und reisten schließlich mit leeren Händen ab. Doch die Fehler lagen nicht in Kopenhagen allein, sondern schon in der Vorbereitung. Die Staaten hatten sich alle strittigen Fragen bis zum Schluss aufgehoben. Am Ende waren es so viele, dass keiner sie mehr in einer Nachtsitzung beantworten konnte. Das soll diesmal anders laufen. Es ist der letzte Anlauf.

Die Voraussetzungen sind gut. Erste Verhandlungstexte gibt es schon, sie werfen viele wichtige Fragen auf - zu klären binnen zwei Wochen in Lima. Die Milliardenspritze für den Klimafonds dürfte das Zutrauen der Entwicklungsländer stärken, schließlich griffen alle wichtigen Industriestaaten dafür in die Tasche. Und offenbar sind auch alle wichtigen Staaten bereit, bis zum März eigene Ziele und Pläne für den Klimaschutz vorzulegen. Diese Pläne sollen die Basis des Pariser Abkommens bilden.