Zypern So sieht das Rettungspaket aus

Ein zehn Milliarden Euro schweres Hilfsprogramm soll Zypern aus der Krise helfen. Dafür wird das Land seine zweitgrößte Bank sofort abwickeln. Großanleger müssen sich auf Verluste einstellen, Sparkonten mit geringeren Guthaben werden hingegen nicht angetastet. Die wichtigsten Punkte des Rettungspakets.

Die zyprische Regierung einigt sich auf den letzten Drücker mit EU, Europäischer Zentralbank (EZB) und Internationalem Währungsfonds (IWF) über einen Milliardenkredit für das schwer angeschlagene Land. Durch Kredite soll die Regierung in Nikosia in die Lage versetzt werden, bis 2020 eine Schuldenquote von 100 Prozent des Bruttoinlandsprodukts zu erreichen. Der deutsche Bundestag muss dem Rettungspaket noch zustimmen. Hier die wichtigsten Punkte des Hilfsprogramms auf der Grundlage einer Erklärung der Euro-Finanzminister:

  • Die Finanzhilfen der Geldgeber umfassen bis zu zehn Milliarden Euro. Der Internationale Währungsfonds will sich beteiligen, eine Summe steht noch nicht fest. Im Gespräch ist etwa eine Milliarde Euro.
  • Zypern muss selbst zusätzlich 5,8 Milliarden Euro beisteuern. Das Geld soll vor allem aus der Restrukturierung des Finanzsektors kommen.
  • Der wichtigste Schritt, um das aufgeblähte Bankensystem zu sanieren und deutlich zu verkleinern, ist deshalb die sofortige Abwicklung der zweitgrößten Bank Laiki. Einlagen über 100.000 Euro und Mittel aus Aktien und Anleihen werden dabei eingezogen.
  • Laiki wird in eine Bad Bank und eine Good Bank aufgeteilt: Die Bad Bank wird langfristig abgewickelt. Die Good Bank wird Teil der größten Bank des Landes, der Bank of Cyprus (BoC).
  • Im Gegensatz zur ursprünglichen Fassung der Abmachung von Mitte März werden Konten mit Guthaben von weniger als 100.000 Euro nicht angerührt. Die geplante generelle Zwangsabgabe auf Konten entfällt.
  • Die EZB wird der BoC Liquidität bereitstellen.
  • Die Rekapitalisierung der BoC erfolgt durch eine Umwandlung der Einlagen über 100.000 Euro in Aktien. Konkret: Großanleger, Gläubiger und Anteilseigner müssen sich auf erhebliche Verluste einstellen, ihre Anlagen werden zunächst eingefroren.
  • Zyperns Regierung erhofft sich durch die Einbeziehung der vermögenden Investoren Einnahmen von etwa 4,2 Milliarden Euro - diese sollen auf die oben erwähnten 5,8 Milliarden angerechnet werden. Der Rest der Summe soll mit Steuererhöhungen und Privatisierungen aufgebracht werden.
  • Die Umwandlung erfolgt in der Form, dass bis zum Ende des Programms eine Eigenkapitalquote von neun Prozent erreicht wird.
  • Alle versicherten Einlagen in allen Banken genießen den vollen Schutz der entsprechenden EU-Richtlinien.
  • Die Hilfsgelder von bis zu zehn Milliarden werden nicht für Finanzspritzen zugunsten der Bank of Cyprus oder Laiki eingesetzt.
  • Die endgültige Abmachung über das Rettungspaket soll im April stehen. Zuvor müssen nationale Parlamente wie in Deutschland noch zustimmen. Die ersten Auszahlungen aus dem europäischen Rettungsschirm ESM soll es dann im Mai geben.