Zypern-Helfer Dijsselbloem in der Kritik Wähle deine Worte weise

Zypern als Blaupause für andere EU-Krisenländer? Erst ja, dann nein: Euro-Gruppen-Chef Jeroen Dijsselbloem.

(Foto: Bloomberg)

"Lehrstück politischer Inkompetenz": Der neue Euro-Gruppen-Chef Dijsselbloem macht in einem Interview zu Zypern Anlegern in halb Europa Angst und löst einen Börseneinbruch aus. Jetzt will er alles nicht so gemeint haben - das englische Wort, um das es geht, kenne er gar nicht. Der Fall zeigt, welche Erschütterungen Worte in der Krise haben können - und wie schlecht Zyperns Geldgeber kommunizieren.

Von Vanessa Steinmetz

Das ist wirklich mal ein schlechter Start in den Job. Erst seit Januar ist der Niederländer Jeroen Dijsselbloem Chef der Euro-Gruppe. Er war ein Kadidat aus Mangel an Alternativen, auf seiner Agenda standen bis dahin weder Europa noch Finanzpolitik. Das scheint sich jetzt zu rächen. Mit unbedachten Worten über das beschlossene Rettungspaket für Zypern und dessen Rolle für andere Krisenstaaten der EU hat Dijsselbloem sich selbst in Erklärungsnot gebracht, einen Einbruch an den Börsen ausgelöst und Sparern in halb Europa Angst gemacht. Der Fall Dijsselbloem wirft die Frage auf, ob die Krisen-Kommunikation der Zypern-Geldgeber dem Ernst der Lage angemessen ist.

Dijsselbloem hatte der Nachrichtenagentur Reuters und der Financial Times ein Interview gegeben. Darin bezeichnete er das Rettungspaket für Zypern als "Vorlage" für den Umgang mit drohenden Bankenpleiten der Zukunft. Dem Paket zufolge sollen die beiden größten Banken des Mittelmeerstaates zusammengelegt und der Banksektor eingedampft werden. Die Kreditgeber der Banken zahlen zu lassen und nicht die Steuerzahler anderer Staaten, sei eine sinnvolle Strategie, sagte der Euro-Gruppen-Chef, der auch Finanzminister der Niederlande ist. "Das ist ein Ansatz, den wir, glaube ich, konsequent weiterverfolgen sollten, jetzt, wo wir aus der Hitze der Krise raus sind."

Befragt nach möglichen Folgen für Luxemburg oder Malta, deren Bankensektoren ebenfalls extrem groß sind, betonte er: "Seid Euch im Klaren darüber, wenn Banken in Probleme geraten, kommen wir nicht automatisch, um sie zu lösen."

Dijsselbloem war sich offenbar nicht im Klaren darüber, welche Auswirkungen derartige Ansagen haben würden, bedeutete sein Statement doch: Nicht nur in Zypern, auch in anderen Staaten sind die Einlagen der Sparer nicht mehr sicher. Kontoinhaber und Eigner von Banken müssen damit rechnen, ihr Geld zu verlieren, wenn ihre Banken implodieren.

Die Sorge der Investoren, dass sie künftig mit ihrem Geld bei Krisen aushelfen müssen, sei damit von einem Top-Offiziellen bestätigt worden, fasst Neil Irwin für die Washington Post zusammen. Das bedeute nicht weniger, als dass Großanleger bei dem ersten Anzeichen einer Krise künftig ihre Bankkonten leerräumen. So schätzt es auch FT Alphaville-Autor Paul Murphy ein: "Es ist ein direkter Appell an die Anleger in der Eurozone, ihr Geld abzuheben und über eine größtmögliche Zahl von Banken zu verteilen."

Der Dax schloss am Montag 0,5 Prozent tiefer bei 7870,90 Punkten - bis in den Nachmittag hinein hatte der Leitindex noch von der Erleichterung über die vorläufige Rettung Zyperns profitiert. Auch die Börsen in Asien verloren nach den Äußerungen Dijsselbloems. Der Nikkei-Index gab 0,6 Prozent nach, der Shanghai-Composite 0,9 Prozent.

Angesichts der unmittelbaren Reaktion machte Dijsselbloem noch am Montagabend kehrt - und versuchte, das Desaster wenigstens einzudämmen. Er veröffentlichte ein kurzes Statement, in dem er alles zurücknahm. Zypern, das sei ein ganz spezieller Fall, von dem man gar nicht auf künftige Krisen schließen könne:

Cyprus is a specific case with exceptional challenges which required the bail-in measures we have agreed upon yesterday. Macro-economic adjustment programmes are tailor-made to the situation of the country concerned and no models or templates are used.