Ölmarkt Ölpreise lassen sich nicht vorhersagen

Eine Ölplattform in der Nordsee vor der norwegischen Küste, fotografiert im Jahr 2008. Damals kostete ein Barrel Öl 141 Dollar - fast fünf Mal so viel wie aktuell.

(Foto: ag.dpa)
  • Die komplexe Struktur der Rohstoffmärkte erlaubt nur ungefähre Prognosen, wie sich der Ölpreis entwickeln wird.
  • Aktuell ist Öl unverhältnismäßig günstig - das kann nicht ewig so weitergehen, also wird es auch wieder teurer.
Von Jan Willmroth

Wenn etwas nicht ewig weitergehen kann, wird es aufhören. Klingt banal, ist aber ein nach dem Ökonomen Herbert Stein benanntes Gesetz für ökonomische Trends. Stein war einst wirtschaftlicher Chefberater der US-Präsidenten Richard Nixon und Gerald Ford, in deren Zeit die erste Ölkrise fiel. Er meinte damit, dass sich die meisten Trends von allein umkehren, ohne Eingriff von Regierungen. Es ist eine der einfachsten ökonomischen Regeln überhaupt, und eine, die leicht vergessen wird. Aber eine wichtige.

Steins Gesetz erklärt, warum die Ölpreise im Juni 2014 einbrachen, nachdem sie jahrelang über 100 Dollar gelegen hatten. Hohe Preise waren ein starker Anreiz für Ölförderer, mehr zu produzieren. Milliarden flossen in den Fracking-Boom in den USA, in Ölsand-Abbau in Kanada und in Förderprojekte auf hoher See. Zugleich sank der Verbrauch vor allem in entwickelten Ländern. Der Markt geriet aus der Balance, die Folgen - Pleiten, Entlassungen, Förderkürzungen - sind offensichtlich. Und wieder gilt Steins Gesetz: Jetzt sind die Ölpreise unverhältnismäßig niedrig, so wie sie zuvor zu hoch waren, auch dieser Trend wird sich umkehren. Öl wird wieder teurer.

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Nur, wann? Derzeit passen die großen Banken und Marktforscher beinahe täglich ihre Prognosen an. Wie teuer Öl im Jahresdurchschnitt 2016 sein wird, wann die Marktkorrektur einsetzt und die Preise wieder steigen, wo sich die Preise mittelfristig in einem neuen Marktgleichgewicht einpendeln werden: Das kann niemand mit Sicherheit vorhersagen. Mehr als ungefähre Prognosen erlaubt die komplexe Struktur der Rohstoffmärkte nicht.

Schon im dritten Jahr mehr Angebot als Nachfrage

Im Lauf des vergangenen Jahres gab es noch viele, die eine baldige Trendumkehr vorhersahen oder meinten, 2016 würden sich Nachfrage und Angebot wieder ausgleichen. Jetzt ist wieder alles anders. "Dies ist das dritte Jahr, in dem wir mehr Angebot als Nachfrage haben", sagte Fatih Birol, der leitende Ökonom der Internationalen Energieagentur, beim Weltwirtschaftsforum in Davos. "Die Preise sind noch immer unter Druck. Ich sehe keinen Grund für einen überraschenden Preisanstieg in 2016." Viele andere Stimmen, auf die der Ölmarkt ebenso aufmerksam hört, äußern sich ähnlich.

Es gibt keine empirischen Belege, dass jemand den Ölpreis akkurat für Zeiträume vorhersagen kann, die mehr als ein paar Monate, gar Jahre oder Jahrzehnte in der Zukunft liegen. Vor dem Preissturz Mitte 2014 gingen einige einflussreiche Experten davon aus, Öl habe bei etwa 100 Dollar eine langfristige Untergrenze gefunden. Noch 2010 unterschätzten viele, wie stark die Produktion in den USA durch die Fracking-Technologie ansteigen und den Ölmarkt verändern würde. Genau wie zuletzt, als unterschätzt wurde, wie lange die Fracking-Firmen trotz niedriger Preise durchhalten. Die Geschichte ist voll von solchen Beispielen - und lehrt eine weitere Lektion: Extreme Preisschwankungen in kurzen Zeiträumen sind eher die Regel als die Ausnahme. Eine Prognose ist dabei nie widerlegt worden: Die Ölpreisentwicklung wird noch oft den Erwartungen von Experten widersprechen.

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