Zwangsversteigerung bei Schlecker Schwaben auf Einkaufstour

Es ist vorbei: Schlecker-Insolvenzversteigerung in Ehingen an der Donau. 

(Foto: dapd)

Gebratene Würstchen, dazu Bier, Akku-Aufbruchhammer und zwei Dixi-Klos. Nach der Insolvenz der Drogeriekette Schlecker wird das Stammlager in Ehingen für einen Tag zum Auktionshaus. Mit Drogerie hat das alles nicht mehr viel zu tun. Ein Ortsbesuch.

Von Max Hägler, Ehingen

Es ist das Material, aus dem der Schlecker-Konzern entstand und diese Neonröhren-Filialen gezimmert wurden: Zwischen Maurerspachteln, hunderten Metallregalen, Dutzenden Bohrmaschinen steht Elektromeister Jürgen. "Unbegreiflich, was wir alles aufgebaut hatten - und wie all das nun am Ende ist", sagt der Mann, der seinen Nachnamen nicht lesen möchte, auch wenn jetzt eigentlich alles egal ist. Zwölf Jahre hat Jürgen für Schlecker gearbeitet, hat 2008 noch in Spanien ein Warenlager mit aufgebaut und sonst Woche für Woche die Elektroinstallation in den tausenden Filialen beaufsichtigt. Alles vorbei. An diesem Mittwochvormittag wird nicht mehr aufgebaut, sondern abgewickelt. An diesem Mittwoch wird zwangsversteigert im Ehinger Stammlager von Schlecker, diesem vergangenen Drogeriekonzern. Wenn das vorbei ist, geht es für den Insolvenzverwalter nur noch darum, die Immobilien zu verkaufen.

Eine halbe Stunde zuvor gab es in der Halle schräg gegenüber den ersten Zuschlag. "Ein Akku-Aufbruchhammer von Würth, wer bietet 60? - 70, 90, 100, 110 - Zuschlag zu 110 Euro an die 174." Im Wortsinne Schlag auf Schlag wird angesagt, was im Rechtsjargon bewegliches Anlagevermögen heißt: Knieschützer, Nasssauger und Laubsauger, oder auch - unter Position 783, der "Restrauminhalt" eines Öllagers, bestehend aus Fässern und Absaugpumpen. Mit Drogerie hat das alles nicht mehr viel zu tun.

Noch im Frühling standen hier Paletten mit tausenden Drogerieartikeln, an den Toren warteten Lastwagen, in den Hallen wurde sortiert und verpackt. All die Shampoos und Klopapierpackungen sind bereits im Sommer beim Schlussverkauf unter die Leute gebracht worden. Jetzt verraten nur noch einige Teile in den hundert Meter langen Lagerhallen, dass es hier um Schlecker geht: Eine gelbe Badeente auf einem Regalbrett. Diese extrakleinen Einkaufswagen, mit denen man durch die engen Schlecker-Gänge navigieren konnte. Schilder mit dem Motto "For you. Vor Ort", die eingestaubt herumliegen. An der Wand die Aufkleber, die in den Läden klebten. Diebstahl lohnt nicht. Oder: "Verehrter Kunde! Bitte achten Sie darauf, dass Sie für Ihren Einkauf einen Kassenbon ausgehändigt bekommen."

In der Verkaufshalle ist die Stimmung trotzdem gut. Gebratene Würstl stehen bereit, zwei Dixi-Klos, und es wird auch Bier ausgeschenkt. Auf Bierbänken drängen sich vor dem Auktionator vielleicht 300 oder 400 Menschen, viele Handwerker aus der Gegend im Blaumann. Neugier treibt sie her, aber vielleicht findet sich auch Werkzeug für das eigene Geschäft, sagen sie. Chefverwerter Tom Thomsen, ein freundlicher Hamburger mit grauem Anzug, Krawatte und Bratwurstsemmel, ist zufrieden: "Sehr, sehr gut läuft das! Und sehr, sehr gute Preise erzielen wir!"

"Mit Galgenhumor kann man da überstehen"

Vielleicht, weil vor allem die Privatleute nicht wissen, dass noch die Mehrwertsteuer oben drauf kommt und 18 Prozent Aufgeld für Thomsen und seine Leute. Wobei es auf den ein oder andere Euro nicht ankommt, es zählt wohl das Schnäppchengefühl: Vor der Halle stehen viele schwere, neue Autos - mit Anhänger hinten dran. Schwaben auf Einkaufstour eben. Aus dem Lager 2, dort wo Jürgen und seine Kollegen auf das Inventar achtgeben, kommt eine gut gelaunte Frau. In beiden Händen eine Bohrmaschine. Für die Kinder, zu Weihnachten.

So rund läuft alles, dass sich Jürgen beinahe ärgert. Hätte ich doch selbst meinen Grillrost mitgenommen, dann hätte ich Thüringer im Brötchen verkaufen können, sagt er. An den Tischen sitzen zwei Kolleginnen, sie lachen. Die eine hat gerade alle Mitarbeiter aus dem Schlecker-Intranet gelöscht. "Pro forma", sagt sie, "es hätte ja eh keine Bauaufträge mehr gegeben." Was die Zukunft bringt? Naja, am 30. ist der letzte Arbeitstag, sagen sie. Mit Papphüten wollen sie dann herumlaufen. Und sie witzeln, dass man aus dem Hauptquartier ein paar Kilometer weiter, doch einen Puff machen könnte, das würde zu diesem verspiegelten Protzbau passen.

"Der Name Schlecker ist doch sowieso verrucht, auch das passt." Lecker, Schlecker, da gäbe es doch auch super Werbesprüche. So geht es hin und her. Bis es irgendwann still ist. "Mit Galgenhumor kann man es überstehen hier", sagt eine der beiden Frauen. Was bleibt auch anderes. Sie hat noch keinen neuen Job gefunden.