Die FDP leistet Widerstand, doch die Kanzlerin bleibt hart: Ungeachtet der Meinungsverschiedenheiten mit ihrem Koalitionspartner treibt Merkel die Einführung einer Umsatzsteuer auf Finanzgeschäfte voran. Das geht aus einem gemeinsamen Papier der deutschen und der französischen Regierung zur Vorbereitung des EU-Gipfels hervor, das der "Süddeutschen Zeitung" vorliegt. Die FDP lehnt eine solche Abgabe ab.
Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) treibt die Einführung einer Umsatzsteuer auf Finanzgeschäfte ungeachtet aller Meinungsverschiedenheiten mit der FDP voran. Das geht aus dem gemeinsamen Papier der deutschen und der französischen Regierung zur Vorbereitung des EU-Gipfels Ende Januar hervor. Es liegt der Süddeutschen Zeitung vor. Darin versichern beide Regierungen ausdrücklich, dass sie den Vorschlag der EU-Kommission unterstützen, eine sogenannte Finanztransaktionssteuer in Europa einzuführen.
Bild vergrößern
Bundeskanzlerin Angela Merkel und der französische Präsident Nicolas Sarkozy schlagen in einem sechs Punkte umfassenden Papier weitreichende Maßnahmen vor, um europaweit Wachstum, Beschäftigung und Wettbewerbsfähigkeit zu stärken. (© Getty Images)
Anzeige
Das Brüsseler Konzept ist so angelegt, dass es bei anhaltendem Widerstand etwa aus Großbritannien auch nur in den Ländern der Währungsunion realisiert werden könnte. Merkel hält das im Notfall für denkbar. Dagegen lehnt die FDP eine isolierte Einführung in der Euro-Zone ab. Fraktionschef Rainer Brüderle ging am Dienstag sogar grundsätzlich auf Konfrontationskurs zur Kanzlerin. Zwar sei es richtig, die Banken an den Kosten der von ihnen ausgelösten Finanzkrise zu beteiligen. Die Transaktionssteuer sei aber eine "Pseudo-Lösung".
Brüderle griff stattdessen einen früheren Vorschlag des Internationalen Währungsfonds auf, die Gewinne der Banken sowie die Gehälter und Bonuszahlungen an leitende Angestellte mit einer "Finanzaktivitätssteuer" zu belegen. Dies sei die bessere Lösung, so der Freidemokrat. Er räumte allerdings ein, dass sein Modell nicht dabei helfen würde, den schnellen, automatisierten Computerhandel einzudämmen. Dies war auch einer von zahlreichen Gründen, warum die Finanzaktivitätssteuer vor zwei Jahren rasch wieder in der Versenkung verschwand. Dass sie in Europa oder gar weltweit eingeführt wird, ist praktisch ausgeschlossen.
Sechs Vorschläge für Europa
Über die Finanztransaktionssteuer hinaus schlagen Deutschland und Frankreich in ihrem Papier weitere weitreichende Maßnahmen vor, um europaweit Wachstum, Beschäftigung und Wettbewerbsfähigkeit zu stärken. Der insgesamt sechs Punkte umfassende Vorschlag soll nun EU-Ratspräsident Herman Van Rompuy übermittelt werden. Dieser bereitet derzeit den nächsten EU-Gipfel vor, der am 30. Januar in Brüssel stattfinden soll.
Um die extrem hohe Arbeitslosigkeit in vielen europäischen Ländern zu bekämpfen, sollen Arbeitsämter verpflichtet werden, jedem Job-Suchenden innerhalb einer bestimmten Frist ein Angebot für eine Stelle, eine Lehre oder Weiterbildung vorzulegen. In Grenzgebieten sollen versuchsweise gemeinsame Arbeitsagenturen eingerichtet werden, um jenseits nationaler Grenzen Jobs zu vermitteln.
Die Kosten für Arbeitsplätze sollen sinken; klein- und mittelständische Unternehmen sollen einfacher Kredite bekommen und ihre Buchhaltung vereinfachen können. Einige Vorschriften für Banken zur Besicherung von Finanzgeschäften sollen gelockert werden, damit die Institute wieder mehr Kredite an Unternehmen vergeben. Paris und Berlin dringen zudem auf Reformen in den öffentlichen Verwaltungen.
Besondere Unterstützung soll es für solche Länder geben, die bereits strenge Spar- und Reformprogramme aufgelegt haben. Um zu verhindern, dass das strikte Sparen die heimischen Unternehmen ruiniert, soll ein spezieller "Fonds für Wachstum und Wettbewerbsfähigkeit" eingerichtet und mit nicht abgerufenem Geld aus anderen Fonds gefüllt werden. Das Geld soll 2012 für zusätzliche Projekte genutzt werden.
- Thema
- Finanztransaktionsteuer RSS
- Diskussion um Transaktionssteuer Warum Rösler falsch liegt 10.01.2012
- Gipfeltreffen mit Frankreichs Präsident Sarkozy Merkel will Finanzmarktsteuer für Euro-Zone durchsetzen 09.01.2012
- FDP lehnt Finanztransaktionssteuer ab Merkel fordert die gelbe Dagegen-Partei heraus 19.01.2012
- Spekulanten im Visier Europas Problem-Steuer 13.01.2012
- Steuer auf Finanztransaktionen Tobin spaltet Europa 12.01.2012
- Einsatz für Transaktionssteuer Sarkozys fadenscheiniges Manöver 10.01.2012
- Koalition streitet über Regulierung der Finanzmärkte FDP warnt Merkel vor Alleingang bei Transaktionssteuer 10.01.2012
(SZ vom 19.01.2012/fran/aho)
Drogeriekette wird abgewickelt
Ich glaube Sie schmeißen da gerade etwas durcheinander...
Erstens kann nicht jeder Bürger der Schweiz alle Sprachen der Schweiz. Nichtmal im Ansatz. Geht trotzdem.
Es gibt tatsächlich ein Forum in dem "Paris, Berlin, Prag und Warschau" mit einer Sprache sprechen. Es nennt sich EU, Europarat und andere Institutionen. Dort wird debattiert und am Ende kommt in den entsprechenden Verantwortungsbereichen eine Stimme raus. Deutschland hat ja auch nicht direkt "eine Stimme"...
Die katholische Kirche besteht doch nicht nur aus "Endverbrauchern" die die Bibel lesen, sondern einem gigantischem Verwaltungsapparat. Funktioniert seit Jahrhunderten.
"FC Barcelona": In der EU wird alles in die jeweiligen Sprachen, oder zumindest in Englisch, Französisch und Deutsch übersetzt. Abgesehen davon kann jeder der in der EU tätig ist Englisch sprechen. Ausser vielleicht Herr Öttinger. ;) Das "Business " ist dann Europäische Politik.
Sie sehen ein Problem in den unterschiedlichen Kulturen? Schonmal in Berlin, dann zu Karneval in Köln und danach auf dem Oktoberfest in München gewesen? Der Leitspruch der EU ist doch "In Vielfalt geeint". Ist doch schön! Und so wahnsinnig verschieden sind die Kulturen auch wieder nicht.
Und es gibt auch immer mehr Bereiche der Politik die zusammengelegt werden. z.B. die Sicherheitspolitk. Die Außenpolitik wird mit Sicherheit auch noch weiter homogenisiert.
Durch die ganze Kleinstaaterei werden die Staaten nur noch mehr zum Spielball der Finanzmärkte. Es ist nur möglich gemeinsam ein Zeichen gegen das immer mobiler werdende Kapital zu setzen und gemeinsam höchsteinkommen zu besteuern. Mir kann doch keiner erzählen, dass jemand (wie z.B. ein Banker) - selbst wenn er richtig gute Arbeit leistet - 3, 4 Millionen im Jahr verdient hat, während sein Büro für 6 Euro die Stunde geputzt wird. Das hat mit Anreizen zu Leistung nichts mehr zu tun. Das ist einfach nur menschenverachtend.
Ich hoffe mal die Punkte werden umgesetzt, aber bestimmt kommt etwas dazwischen..
Liebe SZ: "Merkel treibt vorran"... Äh, war da nicht die Rede von einem Papier der deutschen und französischen Regierung? Ich hoffe ja mal, dass unsere lieben Nachbarn das nicht in den falschen Hals kriegen... ;)
'"Sie macht das doch ganz gut.", sagen viele. Aber wenn ich dann nachfrage: "Ja, was macht sie denn?", haben die meisten darauf keine Antwort!" (Volker Pispers)
Daher gebe ich die Frage mal an Sie weiter: was hat Merkel denn so gut gemacht?
Die Eurokrise verwaltet sie ziemlich stümperhaft und seit sie an der Macht ist, reagiert sie ausschließlich - abhängig von der aktuellen Stimmung.
Durchaus clever, machtpolitisch gesehen. Durchaus nicht so gut im Sinne des Volkes!
Der FDP da den alleinigen schwarzen Peter zuzuschieben ist viel zu kurz gedacht.
Es geht doch bloß darum, mehr Steuern einzutreiben. Die Frage ist lediglich, wie man dies dem Volk am Leichtesten untermogeln kann. Und was besser, als eine "Bestrafung" der pösen Banken? Die Banken wälzen die Schulden dann sowieso auf ihre Kunden ab, also verlieren sie nichts.
wie ein Wissenschaftler. Und das ist gut so "
Pardon , sophero , ...konnte mir ein Schmunzeln nicht verkneifen . An welche Wissenschaft hatten Sie gedacht ? Doch nicht etwa an die herrschende VWL , oder ?
In der Schweiz gibt es 4 Nationalsprachen und jede wird in ihrem Umfeld näher gelehrt. Weiter gibt es in der Schweiz verschiedene Interessensgemeinschaften, etwa Stadt-Land, wo beispielsweise Genf und Zürich dieselben Interessen vertreten, dann betreffend Glauben (welsche Katholiken, Deutschschweizer Katholiken etc.), Bergkantone (Italienisch, französisch und Deutsch) vs. Stadtagglomerationen (Aargau, Zürich, Lausanne).
Gehört in Brandenburg die Polinische Sprache oder in Bayern etwa die Tschechisch Sprache zum obligatorischen Schulprogram? Gibt es ein Forum, wo Paris, Berlin, Prag und Warschau mit einer Sprache sprechen und ihre Anliegen kundtun? Nein. Etc.
Bei der katholischen Kirche gibt die Bibel den Leitfaden vor. Ob französisch, ob tschechisch, ob italienisch, der Inhalt ist derselbe.
FC Barcelona: Spanisch ist zunächst mal eine internationale Sprache (so im Gegensatz zu Deutsch). Und das Business ist Fussball. Wer dort spielt, kennt sein Geschäft.
EU: Föderalismus in Deutschland, Zentralismus in Frankreich (und welcher Deutsche spricht schon französisch?), getrennte Wirtschaftspolitik, jeder Staat betreibt seine Aussenpolitik selbst etc. etc. und wieviele Sprachen und Kulturen gibt es? Deutschland steigt aus der Atomkraft aus und Frankreich fördert sie.... etc. etc.
Paging