Zur Bewältigung der Airbus-Krise EADS billigt Sanierungsplan Power 8

Nach monatelangem Hin und Her fiel die Entscheidung des Verwaltungsrats einstimmig. Die EADS-Spitze will am Mittwoch den Plan mit dem europäischen Airbus-Betriebsrat beraten und danach Details verraten. Die Analysten zweifeln am Erfolg von Power 8 - und die Mitarbeiter bangen um Tausende Arbeitsplätze.

Von Jens Flottau

Der Verwaltungsrat des Luft- und Raumfahrtkonzerns EADS hat nun doch dem Restrukturierungskonzept Power 8 zugestimmt. Am Montagabend billigte das Gremium das Vorhaben von EADS- und Airbus-Chef Louis Gallois einstimmig.

Die EADS-Tochter Airbus war vor allem wegen der zweijährigen Verspätung des Großraumflugzeuges Airbus A380 in wirtschaftliche Schwierigkeiten geraten. Das A380-Desaster offenbarte auch gravierende strukturelle Mängel, die nun durch das Sanierungsprogramm Power 8 behoben werden sollen. Es sieht bis zum Jahr 2010 Einsparungen von insgesamt fünf Milliarden Euro vor und von da an jährlich weitere 2,1 Milliarden Euro.

Ursprünglich sollten die Inhalte des Konzeptes bereits am 20. Februar verkündet werden. Doch die Konzernspitze konnte sich nicht auf wesentliche Eckpunkte einigen. Einigen Verwaltungsräten, unter ihnen dem Vernehmen nach auch Co-Vorstandschef Thomas Enders, gingen die Vorschläge Gallois' auf der Kostenseite nicht weit genug. Außerdem seien die Chancen bei künftigen Flugzeugprojekten nicht ausgewogen verteilt gewesen. Das Gremium sicherte nun "dem Management von EADS und Airbus seine uneingeschränkte Unterstützung bei der Umsetzung der Pläne zu."

10.000 Arbeitsplätze in Gefahr

In den vergangenen Wochen hatte es intern heftige Auseinandersetzungen darüber gegeben, wie die Lasten von Power8 auf die deutschen und französischen Standorte verteilt werden. Gewerkschaften fürchten, dass durch die Sparmaßnahmen rund 10.000 Arbeitsplätze gefährdet sein könnten. Sie haben auch Streiks angedroht, sollten tatsächlich wie mehrfach spekuliert Airbus-Werke verkauft werden.

Entlassungen in der Produktion gelten wegen der hohen Auslastung der Werke und der hohen Nachfrage der Fluggesellschaften als unwahrscheinlich. Die Betriebsräte wollen sich dennoch am heutigen Dienstag in Brüssel treffen, um über die Sanierungspläne zu beraten.

Politiker wie Bundeswirtschaftsminister Michael Glos und Vizekanzler Franz Müntefering hatten wiederholt gefordert, Deutschland dürfe bei der Airbus-Sanierung nicht benachteiligt werden, und sprachen sich für eine "klare Industriepolitik für Deutschland" (Müntefering) aus. Doch geht es bei dem Programm nicht nur darum, die Kosten zu senken, sondern Airbus strukturell zu modernisieren.

Wer dabei welche Arbeitsanteile am neuen Langstreckenjet A350 bekommt, gilt deswegen als so wichtig, weil auch bei künftigen neuen Flugzeugen voraussichtlich die gleichen neuen Technologien verwendet werden und sich die Werke im internen Wettbewerb bereits jetzt möglichst gut positionieren wollen.

Das Programm Power 8 trägt diesen Namen weil es aus acht Schlüsselgebieten besteht, in denen Airbus sich deutlich verbessern soll. Die Entwicklungszeiten für neue Flugzeuge sollen von acht auf sechs Jahre verkürzt werden. Airbus will mit weniger, aber dafür größeren Lieferanten zusammenarbeiten und künftig die eigenen Barmittel schonen. Flugzeuge sollen 20 Prozent schneller gebaut werden und in der Verwaltung soll die Produktivität gar um 30 Prozent steigen. Durch diese operationellen Verbesserungen will Airbus jährliche rund 1,7 Milliarden Euro einsparen.

Zusätzliche rund 300 Millionen Euro erhofft sich der Konzern durch eine veränderte Struktur. Innerhalb des Airbus-Systems sollen die Arbeitsanteile betriebswirtschaftlich sinnvoller und nicht mehr so stark nach politischen Erwägungen verteilt werden. Die Endmontage eines Flugzeugtyps soll, wenn möglich, nur noch an einem Standort stattfinden. Beim A350 will Airbus nur noch etwa 50 Prozent der Teile selbst entwickeln und mehr Aufträge an Fremde vergeben. Auch Werke könnten verkauft werden.

Analysten skeptisch

In Unternehmenskreisen hieß es vorab, dass die Veränderungen bei bestehenden Programmen wie dem A380 oder den älteren Modellen A330/340 und A320 eher gering sein werden, weil sie viel zu komplex und teuer wären. Hingegen wird erwartet, dass Airbus sich von einigen Werken trennt. Beobachter halten es allerdings für unwahrscheinlich, dass EADS und Airbus bereits am Mittwoch Käufer für einzelne Standorte bekannt geben werden.

Zur Disposition stehen offenbar in Deutschland die Werke Varel und Nordenham, in Frankreich Saint Nazaire und Méaulte sowie das Werk im spanischen Illescas. Als mögliche Käufer deutscher Standorte gelten Diehl, Liebherr Aerospace und OHB Technology, aber auch Finanzinvestoren.

Analysten bewerten Power 8 bereits kritisch. Die Investmentbank Goldman Sachs schätzt, dass Airbus mit dem Programm jährlich nur 1,3 Milliarden Kosten einsparen kann, statt die vom Unternehmen geplanten 2,1 Milliarden. Merrill Lynch bemängelt die "fehlende Glaubwürdigkeit" des Planes und kritisiert, die Ziele könnten nur über den Verkauf von Beteiligungen erreicht werden.