Zum Tod von Otto Beisheim Kulturelles und karitatives Engagement

Ins Scheinwerferlicht geriet er nur selten. 1990 beispielsweise, als er dem Medienunternehmer Leo Kirch 2500 Filme abkaufte und ihm damit aus finanziellen Nöten half. Untypisch für den verschwiegenen Handelspionier war sein Investment in Berlin: Am Potsdamer Platz ließ er zu seinem 80. Geburtstag für fast 500 Millionen Euro einen 70 Meter hohen "Beisheim-Tower" errichten, samt zweier Fünf-Sterne-Hotels und teuren Wohnungen. So viel hatte noch kein privater Bauherr in der Hauptstadt investiert.

Mit dem Bauvorhaben in Berlin wurde aber auch wieder über ein Kapitel aus Beisheims Leben zu Zeiten des Zweiten Weltkriegs diskutiert. Er gehörte als Gefreiter einer Division der Waffen-SS an, wie seine Stiftung 2006 bekannt gab. Näheres ist dazu nicht bekannt. Aber es tauchten immer wieder Fragen auf. Etwa als 2006 gegen eine ansehnliche Spende ein Gymnasium am Tegernsee nach ihm benannt werden sollte. Der Aufstand war groß, weshalb sich Beisheim aus diesem Projekt zurückzog. Den Ehrenring der Stadt Mülheim, wo er den ersten Metro-Markt eröffnet hatte, schlug Beisheim aus. Auch dort hatte es Diskussionen über seine Zugehörigkeit zur SS gegeben.

Über gemeinnützige Stiftungen engagierte sich Beisheim seit Jahren auch außerhalb der Wirtschaft. Die Wissenschaftliche Hochschule für Unternehmensführung in Vallendar beispielsweise verdankt ihm eine millionenschwere Zuwendung. Seitdem trägt sie seinen Namen.

Was wird nun aus dem Aktienpaket des Metro-Mitgründers? Zuletzt war der kinderlose Beisheim noch mit gut zehn Prozent an dem Düsseldorfer Handelskonzern beteiligt. Manche Börsianer fürchteten, nach dem Tod von Beisheim könne dessen Anteil verkauft werden und die Aktie möglicherweise noch weiter unter Druck geraten. Aber eine Sprecherin der Beisheim-Holding betonte am Montag, dass keine Verkäufe geplant seien.

"Die Vermögenslage von Otto Beisheim ist seit Langem klar geregelt und sieht vor, dass sein Erbe in die beiden gemeinnützigen Stiftungen Professor Otto Beisheim-Stiftung, Baar, und Professor Otto Beisheim Stiftung, München, übergeht und somit sein kulturelles, karitatives und unternehmerisches Engagement weiterlebt", heißt es in einer Erklärung der Unternehmensgruppe.