Zum Tod von Otto Beisheim Verschwiegener Handelspionier

Legende ist ein großes Wort, hier aber trifft es zu: Otto Beisheim, der im Alter von 89 Jahren gestorben ist, hat den Metro-Handelskonzern gegründet und damit den Einzelhandel in Deutschland revolutioniert. Als er spät seinen Namen verewigen wollte, holte ihn seine Vergangenheit aus der Nazi-Zeit ein.

Von Stefan Weber

Die guten alten Zeiten beim Handelskonzern Metro waren für Otto Beisheim spätestens im Spätsommer 2007 vorbei. Ausgerechnet die Familien Schmidt-Ruthenbeck und Haniel, mit denen er in den Sechzigerjahren die Idee des "Cash & Carry"-Handels in Deutschland groß gemacht hatte, hatten ihn verraten. So jedenfalls empfand Beisheim das, was die beiden Mitgesellschafter des Metro-Konzerns hinter seinem Rücken ausgeheckt hatten.

Heimlich hatten sie so viele Aktien zusammengekauft, dass sie mehr als 50 Prozent der Stimmen besaßen. Beisheim war ausgebootet. Von heute auf morgen hatte er den Einfluss auf sein Lebenswerk verloren.

Verbittert und verärgert soll er gewesen sein, erzählten diejenigen, die ihm damals nahestanden. Aber selbst hat Beisheim sich nie öffentlich dazu geäußert, wie man ihn ausmanövriert hat. Die Öffentlichkeit meiden, nur das von sich preisgeben, was unbedingt sein muss - Beisheim hat es bis zuletzt so gehalten wie viele Pioniere im deutschen Einzelhandel, etwa die Aldi-Gründer Albrecht.

Am Montag wurde der Metro-Mitbegründer, der zu den reichsten und einflussreichsten Wirtschaftslenkern der Republik gehörte, mit 89 Jahren tot in seinem Haus in Rottach-Egern am Tegernsee gefunden. Er habe an einer nicht heilbaren Krankheit gelitten und sei aufgrund der Hoffnungslosigkeit seiner gesundheitlichen Lage aus dem Leben geschieden, teilte das Unternehmen mit.

Beisheim sei eine Legende im deutschen Einzelhandel gewesen, würdigte Metro-Chef Olaf Koch den Verstorbenen. Legende ist ein großes Wort, aber auf Beisheim trifft es zu. Der Sohn eines Gutsverwalters aus Vossnacken bei Essen musste früh in seinem Leben kräftig anpacken. Die Eltern hatten kein Geld, um eine aufwendige Schulbildung zu bezahlen. Statt des Abiturs machte der Junior eine Lehre in der Lederindustrie.

Danach wechselte er in eine Elektrogroßhandlung nach Mülheim. Die Entdeckung, die sein Leben verändern sollte, machte Beisheim um 1960 in Amerika: Dort gab es Großhändler, die ihre Waren nicht wie in Deutschland üblich per Rechnung an ihre Kunden aus dem Einzelhandel verschickten. Stattdessen präsentierten sie ihr Sortiment in großen Märkten vor den Toren der Städte und ließen die Kunden die Produkte selbst abholen - gegen sofortige Bezahlung.