Was wird aus Quelle? Eine Entscheidung über die dringend benötigte Staatshilfe könnte es noch am Mittwoch geben. Die Frage ist nur: Bürgschaft oder KfW-Kredit?

Die Lebensader von Quelle hat etwa 1400 Seiten und erscheint in einer Auflage von neun Millionen Exemplaren. Ende vergangener Woche war zwar der neue Katalog in Druck gegangen - das geschah aber erst, nachdem das Land Bayern seinen Anteil an einer Bürgschaft über 50 Millionen Euro zugesichert hatte. "Noch läuft der Druck", sagte ein Sprecher der Druckerei Prinovis. Dass alle Exemplare gedruckt werden, ist jedoch längst nicht mehr sicher. Denn das Unternehmen hatte einen Druckstopp nicht ausgeschlossen, wenn es nicht rasch eine rechtsverbindliche Zusage zur Übernahme der Produktionskosten erhält.

Quelle, AP

Ohne den Katalog geht bei Quelle gar nichts. (© Foto: AP)

Anzeige

Doch plötzlich scheint die Form der Staatshilfe nicht mehr klar zu sein. Denn ob und in welcher Form der Versandhändler Quelle Unterstützung vom Staat erhalten wird, ist nach Angaben aus Regierungskreisen noch völlig offen. "Wir werden noch einmal diverse Modelle durchgehen", sagte eine mit der Sache befasste Person. Ob eine Entscheidung am Mittwoch im Bürgschaftsausschuss falle, sei noch völlig offen. Das gleiche gelte für die Frage, in welcher Form der Staat helfen könnte.

Option KfW-Kredit

Zu den Problemen im Entscheidungsprozess sagte die Person: "Das ist nicht eine Frage der Größenordnung". Es gehe weiter um 50 Millionen Euro an Staatshilfen. Eine Bürgschaft als Instrument erfordere haushaltsrechtlich eine Wahrscheinlichkeit dafür, dass diese nicht gezogen werde. Das sei im Falle Quelle unklar. "Ist eine Bürgschaft das geeignete Instrument oder ist ein Kredit besser - das ist die Schüsselfrage", sagte die Person. Daher denke man über die Option eines KfW-Kredits nach.

Der Sprecher des vorläufigen Quelle-Insolvenzverwalters, Thomas Schulz, die Gespräche mit der Bundesregierung und den betroffenen Ländern über eine Bürgschaft in Höhe von 50 Millionen Euro würden am Mittwochnachmittag in Berlin fortgesetzt. Außerdem gebe es laufend telefonische Kontakte aller Beteiligten.

Auch die Financial Times Deutschland hatte berichtet, der Antrag auf eine Bürgschaft über 50 Millionen Euro habe kaum noch Erfolgsaussichten. "Das Ausfallrisiko hätte quasi bei 100 Prozent gelegen", zitierte das Blatt aus Teilnehmerkreisen. Deshalb sei die Hilfe derzeit rechtlich nicht möglich.

Abfuhr für Metro

Ein Sprecher des bayerischen Finanzministeriums sagte: "Es ist noch nichts entschieden." Der Bürgschaftsausschuss werde am Mittwochnachmittag in Berlin erneut über Quelle beraten. Bei dem Versandhändler arbeiten etwa 8000 Menschen, die Hälfte davon im Großraum Fürth. Nach der Insolvenz des Mutterkonzerns Arcandor hatte auch Quelle am 9. Juni Insolvenzantrag gestellt.

Unterdessen hat Karl-Gerhard Eick, der Vorstandschef des Quelle-Mutterkonzerns Arcandor einer Übernahme der Karstadt-Warenhäuser durch den Konkurrenten Kaufhof eine deutliche Absage erteilt. "Herr Cordes weiß ganz genau, dass es in den kommenden Monaten keine exklusiven Gespräche mit ihm zur Fusion von Karstadt und Kaufhof geben darf", sagte Eick der Bild-Zeitung zufolge. "Ich fordere ihn auf, die auf dem Rücken unserer Mitarbeiter und Kunden geführte öffentliche Debatte zu diesem Thema einzustellen", zitiert die Zeitung Eick.

Metro-Chef Eckhard Cordes hatte auf eine schnelle Entscheidung über das Metro-Angebot zur Übernahme von 60 der 91 Karstadt-Warenhäuser gedrungen. Eick sagte, es sei zum einen kaum denkbar, dass es vor der Eröffnung des Insolvenzverfahrens eine Entscheidung über den Verkauf von Unternehmenswerten geben werde. Zum anderen interessierten sich noch andere Investoren für Karstadt-Häuser, deren Angebote ebenfalls genau geprüft würden.

Leser empfehlen 

(sueddeutsche.de/dpa/Reuters/tob/mel)