Zufriedenheit So macht Geld doch glücklich

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Ein Schild vor einem Café lädt zur guten Laune: Laut einer Studie macht es froh, sich mit Geld ein bisschen mehr Freizeit zu verschaffen.

(Foto: Mark Adriane/Unsplash.com)
  • Amerikanische und kanadische Forscher haben herausgefunden, unter welchen Umständen Geld doch glücklich machen kann.
  • Wer sich von seinem Gehalt etwa eine Putzfrau oder einen Gärtner leistet, erkauft sich so ein bisschen mehr Freizeit - und ein bisschen mehr Glück.
Von Vivien Timmler

Der Wert eines Guts bemisst sich immer auch durch seine Verfügbarkeit. Fällt etwa die Erdbeerernte in einem Jahr besonders schlecht aus, so werden die Früchte teurer. Stagnieren die Erdölfördermengen auf einem hohen Level, bleibt Benzin an den Tankstellen wohl noch eine Weile günstig. Und verbringt der Mensch mehr und mehr Wochenstunden mit Arbeiten, so steigt damit zwar häufig sein Gehalt, gleichzeitig gewinnt aber auch die immer spärlicher werdende Freizeit an Wert, und das nicht immer proportional dazu.

Wer viel Geld hat, und das nicht etwa geerbt, dem fehlt es häufig an der Zeit, es auch auszugeben. "Zeit ist Geld" konstatierte der amerikanische Politiker und Naturwissenschaftler Benjamin Franklin bereits im 18. Jahrhundert, und die Häufigkeit, mit der er noch heute rezitiert wird, zeigt, was für ein kostbares und auch knappes Gut die Zeit für viele zu sein scheint.

Dabei lässt sich der Wert der Zeit ungleich schwieriger beziffern als der des Geldes. Aus ökonomischer Sicht sind die Opportunitätskosten eine mögliche Messgröße. Sie entsprechen dem, was eine Person aufgeben würde, um die Zeit stattdessen auf eine andere Art zu nutzen. Zieht es jemand beispielsweise vor, am Abend mit Freunden auszugehen anstatt ein Projekt für die Arbeit fertigzustellen, dann sind die Opportunitätskosten gleich dem entgangenen Nutzen aus der Finalisierung des Projekts. Doch wie sieht es mit dem emotionalen Wert der Zeit aus? Liegt dieser über dem Wert des Geldes? Ist Zeit also wertvoller - und macht demnach glücklicher?

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Wissenschaftler und Ökonomen auf der ganzen Welt sind sich mittlerweile einig, dass Geld allein nicht zufrieden macht, zumindest nicht mehr ab einer gewissen Schwelle. Die beiden Wirtschaftsnobelpreisträger Daniel Kahneman und Angus Deaton haben ein jährliches Einkommen von 75 000 Dollar, also umgerechnet etwa 64 000 Euro, als diese Grenze ausgemacht. Bis zu dieser Schwelle macht Geld ihnen zufolge glücklich. Alles, was darüber hinausgeht, hat keinen signifikanten Einfluss mehr auf die Zufriedenheit eines Menschen, da er sich an eine komfortable finanzielle Lage bereits gewöhnt hat und seinen Lebensstil mit jeder Gehaltserhöhung nur noch minimal anpasst.

Forscher der Harvard University und der University of British Columbia haben sich jedoch gefragt, ob das Gleiche gilt, wenn man mit dem verfügbaren Geld anstatt materieller Dinge mehr Zeit erkauft. Sie wollten herausfinden, ob sich die Zufriedenheit eines Menschen erhöht, wenn er Zeitfresser im Alltag von anderen erledigen lässt und die gewonnene Zeit für beliebtere Aktivitäten nutzt.

Für ihre Studie haben sie mehr als 6000 Menschen in den USA, Kanada, Dänemark und den Niederlanden gefragt, wie viel Geld sie monatlich in Dienstleistungen wie Putzhilfen, Gärtner oder Kindermädchen investieren. Gleichzeitig sollten die Befragten angeben, wie zufrieden sie mit ihrem Leben sind und ob sie sich durch Zeitdruck gestresst fühlen. Das Ergebnis: Menschen, die andere für ungeliebte Haushaltstätigkeiten wie Putzen, Waschen oder Kochen bezahlen, sind in der Regel zufriedener mit ihrem Leben, und das unabhängig von ihrem Haushaltseinkommen oder der Zeit, die sie mit Arbeiten verbringen.

Die Forscher überprüften ihre Erkenntnisse anschließend mit einem weiteren Experiment: Sie gaben einer Gruppe von Probanden an einem Wochenende 40 Dollar, um sich etwas Materielles zu kaufen. Am darauf folgenden Wochenende sollten sie die gleiche Menge Geld investieren, um damit Zeit zu sparen. Erneut gaben die Menschen an, ein schöneres Wochenende verbracht zu haben, als sie sich mit ihrem Geld ein paar Stunden Freizeit erkauften.

Mehr Geld = mehr Zeit = mehr aufregende Erlebnisse?

Die Ergebnisse der Studie decken sich mit verschiedenen Forschungsansätzen aus den USA, die ebenfalls darauf zielen, dass Geld sehr wohl glücklich machen könne. Schließlich könne man sich damit Dinge kaufen, die wiederum glücklich machen. So schreiben etwa die amerikanischen Professoren Elizabeth Dunn, Daniel Gilbert und Timothy Wilson in einem Aufsatz im Journal of Consumer Psychology, dass Geld nur dann zufriedener mache, wenn man es in Reisen und Abenteuer investiere, und nicht in materielle Güter.

Macht also mehr Geld doch glücklicher, weil man sich davon mehr Freizeit und daraus resultierend mehr aufregende Erlebnisse finanzieren kann?

Der Ökonom Richard Easterlin hat sich gegen diese Annahme bereits im Jahr 1995 ausgesprochen. Er belegte, dass nicht die Höhe des Einkommens eines Menschen entscheidend für seine Zufriedenheit ist, sondern der Vergleich mit anderen. Werden demnach in einer Bevölkerung alle wohlhabender, so hat das nicht automatisch zur Folge, dass der einzelne den Effekt als Glück wahrnehme. Hinzu komme, dass er sich schnell an das neue Gehaltsniveau gewöhne, der Effekt sich also fortsetzen müsse, damit er auch langfristig glücklich mache. Ein Rückschritt hingegen könne das anfängliche Glück sofort wieder zunichte machen. Und Gleiches gilt auch für die Zeit, wie schon Franklin sagte: "Verlorene Zeit wird nicht wiedergefunden."

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