Die EZB ist schwerfällig? Von wegen. Diese Kritik hat die Notenbank mit der höchsten Zinssenkung ihrer Geschichte entkräftet. Nun müssen nur noch die Banken nachziehen.
Niedrige Zinsen können in widrigen wirtschaftlichen Situationen helfen. Sie senken das Risiko, sich zu verschulden, sie ermutigen Unternehmer wie Bürger zu Käufen und zu Investitionen auf Pump; sie schaffen Luft für staatliche Konjunkturprogramme. Genau dies beabsichtigen die Notenbanken in Europa, und das ist richtig. Sie reißen ihre Leitzinsen so radikal herunter, als gelte es einen Wettstreit um die schnellste Erleichterung für die Wirtschaft auszutragen.
EZB-Präsident Trichet: Größte Leitzinssenkung in der Geschichte der Europäischen Notenbank. (© Foto: Reuters)
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Dieses Mal liegen die Schweden mit einer Senkung um 1,75 Prozentpunkte vorn, im November waren es die Briten mit 1,5 Punkten. Schwerer allerdings wiegt, dass die Europäische Zentralbank ihren Satz um 0,75 Prozentpunkte gesenkt hat: Der Währungsraum des Euro ist mit dem amerikanischen Dollarraum vergleichbar.
Sinkende Zinsen
Bisher galt die EZB als schwerfällig, auch weil dort zu viele Notenbankpräsidenten aus zu vielen Ländern mitreden dürfen. Diese Kritik hat sie für dieses Mal entkräftet. Die EZB kann sich diese vorsorgliche Politik des billigen Geldes leisten. Der Ölpreis ist gefallen, die Inflationsrate im Euroraum ist dadurch auf gut zwei Prozent im November gesunken. In Deutschland ging der Anstieg der Verbraucherpreise sogar auf 1,4 Prozent zurück.
So mutig der Schritt der EZB ist, es dürfte ihr schwerfallen, die Banken Europas davon zu überzeugen, diese niedrigen Zinsen weiterzugeben. Im Augenblick brauchen die Banken selber Geld, sie leihen sich untereinander nichts mehr aus. Noch bieten sie Anlegern hohe Zinsen. Allerdings sollten sich diese Anleger auf deutlich sinkende Zinsen einstellen: Lange können die Banken ihre Geschäftspolitik nicht mehr durchhalten.
(SZ vom 05.12.2008/tob)
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Eben nicht. Wie der Deutsche Bank Chefvolkswirt ja hier verlauten liess, sind niedrigere Kreditzinsen eher nicht zu erwarten. Dafür dürften "die Zinsen auf Festgeld und Tagesgeld schnell sinken".
Es nützt also den Banken, wieder einmal auf Kosten derer, die sich am Konsum noch nicht totgesoffen haben.
"Niedrige Zinsen ermutigen Unternehmer wie Bürger zu Käufen und zu Investitionen auf Pump."
Alles auf Pump ist genau die Ursache der jetzigen Misere. In Spanien, Grossbritannien, den USA kann man übrigens beobachten, dass diese das Risko einer Verschuldung nicht senken, wenn das Schuldenmachen krankhafte Formen annimmt.
Die Ausgabe großer Mengen billigen Geldes führte seit 2002 zu einer scheinbaren Verbilligung der Waren, Geld war ja genügend vorhanden. Und deshalb kaufte
man eifrig Autos, Immobilien, machte Reisen – am Besten gleichzeitig.
Dieser inflationäre Prozeß des Konsums führte aber durch den Anstieg der Geldmengen zu höheren Zinslasten.
Um den inflationären Prozeß zu stoppen, verringerte man nun neue Kredite durch höhere Zinsen und neues Geld floß nur noch spärlich in den Markt.
Diese verringerte Geldmenge bewirkte einen relativen Kostenanstieg: auch bei gleichen Preisen bewirken die sinkenden „Geldmengen“ eine Konsumeinschränkung.
Herr Trichet hat dann unter Beifall fast der gesamten Szene die Zinsen im Euroraum hochgesetzt, um die angenommenen Inflationsgefahren zu stoppen. Tatsächlich hat er aber die für den Lauf der Wirtschaft notwendigen Geldmengen reduziert.
Genau das führte innerhalb von Wochen zum Deflationsschock in der Wirtschaft:
Die Mehrheit der Marktteilnehmer mußte schlagartig den Gürtel enger schnallen, die Kaufkraft schmolz in Windeseile dahin.
Wirtschaftsprofessoren und andere Spezialisten lieben die Deflation, jetzt haben sie sich mit dem Deflationsschock die Depression ins Haus geholt.