Deutsche Bank Zins-Affäre: Ärger im Aufsichtsrat der Deutschen Bank

Paul Achleitner ist Vorsitzender des Aufsichtsrats der Deutschen Bank

(Foto: Boris Roessler/dpa)
  • Die Libor-Affäre ist zum Zankapfel im Kontrollgremium der Deutschen Bank geworden.
  • Aufsichtsratschef Achleitner wird dem Vernehmen nach aus den eigenen Reihen angegriffen.
Von Meike Schreiber, Frankfurt

Unter all den Skandalen und Verfehlungen der Deutschen Bank ist die Affäre um den manipulierten Libor-Zinssatz wohl die teuerste: Über zwei Milliarden Dollar Strafe zahlte die Bank dafür an amerikanische und britische Behörden. Zudem mussten mehrere Spitzenmanager gehen. Persönlich konnte ihnen zwar kein Mitwirken an den Manipulationen nachgewiesen werden, die Finanzaufsicht hat ihnen aber unterstellt, die Kontrollpflichten vernachlässigt zu haben. Nun jedoch holt die Libor-Affäre erstmals auch den Aufsichtsrat ein, der bislang allenfalls mit den Aufräumarbeiten in der Affäre betraut war.

Die Libor-Affäre ist zum Zankapfel im Kontrollgremium geworden. Dem Vernehmen nach wird Aufsichtsratschef Paul Achleitner aus den eigenen Reihen angegriffen. Hintergrund scheint ein Zwist über die richtige Aufarbeitungsstrategie innerhalb des Aufsichtsrats und den Umgang mit der britischen Finanzaufsicht FCA zu sein. Deshalb lässt nun auch der Vorstand der Bank den Fall prüfen, wie Vorstandschef John Cryan am Donnerstag einräumte.

Die Bank sei dazu aufgrund des Aktienrechts gezwungen: "Wir halten uns an das deutsche Recht", sagte Cryan. Ein Sprecher der Bank betonte später, dass es sich hierbei um einen routinemäßigen Vorgang handele. Aufhänger für den Konflikt, der an die Öffentlichkeit gelangte, ist die missglückte Kommunikation mit der britischen Finanzaufsicht und die Rolle Achleitners darin.

Konkret geht es um einen Bericht der FCA, in dem sie die Bank bezichtigt, nicht ausreichend kooperiert zu haben. Deswegen habe sie die Strafe im Libor-Fall um 100,8 Millionen auf 226,8 Millionen Pfund erhöht. Die Vorwürfe der FCA und das Strafmaß sind seit 2015 bekannt.

Insider bestätigt, dass es sich bei "F" um Achleitner handeln solle

In ihrem öffentlichen Bericht (PDF) nannte die Behörde damals jene Manager, die gegen Regel 11 verstoßen haben sollen, allerdings ohne Klarnamen. Als einen der Verantwortlichen nannte die Aufsicht damals "Senior Manager F". Hinter "F" solle sich, berichtete das Manager Magazin vor wenigen Tagen, Aufsichtsratschef Achleitner verbergen.

Ein Insider bestätigte gegenüber der SZ, dass es sich bei "F" um Achleitner handeln solle. Der Insider betonte zudem, die FCA habe Achleitner inzwischen von einer Mitschuld an der höheren Strafe befreit. Er habe die Details offen gelegt und den Vorwurf entkräftet. Dem Vernehmen nach ist das Thema am Mittwochabend in der Sitzung des Kontrollgremiums zur Sprache gekommen.

Auf der Bilanzpressekonferenz am Donnerstag sagte Cryan dazu: "Was den Abschlussbericht anbelangt, vor allem den der FCA, haben wir, denke ich, bestätigt, dass eine der aufgeführten Personen dem Aufsichtsrat angehört." Zuvor hatte die Bank betont, dass es im Bericht der FCA "keinen persönlichen Vorwurf gegenüber Herrn Achleitner (gebe), Mitarbeiter der Bank falsch informiert zu haben, sodass diese die Herausgabe von Dokumenten an die englische Behörde verweigert hätten."

Weder die FCA noch die US-Behörden hätten ein Verfahren gegen Achleitner eingeleitet. Das deutsche Aktiengesetz zwingt den Deutsche-Bank-Vorstand nun trotzdem, mögliche Schadenersatzansprüche gegen den Aufsichtsrat zu prüfen. Achleitner selber bestreitet vehement, dass er dazu aufgefordert habe, nicht mit der Aufsicht zu kooperieren.