Zins-Skandal um Euribor Brüssel zerrt Banken vor Gericht

Die Banken haben nicht nur den wichtigen Zinssatz Libor zu ihrem eigenen Gunsten manipuliert: Auch ein weiterer Leitzins soll verfälscht worden sein. Nun will die Europäische Union offenbar mehrere Banken verklagen - darunter wohl auch die Deutsche Bank.

In der Finanzwelt ist der Zinssatz das wichtigste Statussymbol überhaupt: Wer kreditwürdig ist, bekommt Geld zu geringen Zinssätzen geliehen. Mehr zahlen muss hingegen jener, dessen Bonität zweifelhaft ist.

Gerade während der Finanzkrise versuchten daher wohl mehrere Institute, sich auf betrügerische Art bei Gläubigern in vorteilhaftes Licht zu rücken: Sie behaupteten einfach, sie würden weniger Zinsen zahlen, als sie tatsächlich aufwenden mussten. Auf diese Weise wurde beispielsweise der sogenannte Libor gefälscht. Das ist ein Zinssatz, der durch Abfragen bei Banken ermittelt wurde. Er ist so wichtig, weil viele Produkte mit variablen Zinssätzen sich auf ihn beziehen. Ein Billionen-Geschäft.

Betroffene Banken schweigen

Der Libor hat noch einen Verwandten, der sehr ähnlich funktioniert: den Euribor. Und auch der soll manipuliert worden sein. Darum will die Europäische Union einem Pressebericht zufolge schon bald mehrere Banken wegen versuchter Geheimabsprachen beim Euribor-Zinssatz verklagen.

Die britische Bank Barclays habe bereits Manipulationsversuche des Euribor-Zinssatzes zugegeben und von anderen Banken dürften ähnliche Schuldeingeständnisse auf Drängen der Behörden in den USA, in Großbritannien und in anderen Ländern folgen, berichtet das Wall Street Journal.

Gegen mindestens ein Dutzend Banken laufen demnach Untersuchungen, mindestens vier davon sollen mit Barclays zusammengearbeitet haben. Die Zeitung berief sich auf Unterlagen von Banken und Aufsichtsbehörden.

Unter den Banken, die wegen einer möglichen Zusammenarbeit mit Barclays zur Manipulation des Euribor untersucht würden, sind dem Bericht zufolge die Deutsche Bank, die französischen Institute Crédit Agricole und Société Générale sowie die britische Bank HSBC. Alle vier Banken lehnten laut WSJ Stellungnahmen ab.

Vor wenigen Tagen war bekannt geworden, dass im Streit um Zinsmanipulationen die Schweizer Bank UBS eine Geldstrafe von bis zu 350 Millionen Euro zahlen solle. Das Institut stehe kurz vor einer Einigung mit den britischen und US-Behörden, berichtete die Zeitung New York Times unter Berufung auf informierte Kreise.

Experten vermuten, dass womöglich auch auf die Deutsche Bank eine Zahlung in ähnlicher Höhe zukommt. Das größte deutsche Geldhaus hat bereits vor dem Bundestag gesagt, dass sie für diesen Fall Rückstellungen bilde.

Im Juni war der britischen Großbank Barclays ein Bußgeld in Höhe von 453 Millionen Dollar von den britischen und US-Behörden auferlegt worden.