Von Andreas Oldag

Der Tabakkonzern Philip Morris will das Leid der Raucher lindern - mit neuen Zigarettenvarianten.

Es ist ein Elend. Nicht nur in den USA, sondern auch in Europa werden die Raucher zunehmend aus öffentlichen Räumen verbannt. In Großbritannien gehört eine Sitzbank vor einem Pub deshalb schon zur Grundausstattung. Dort können es sich die Zigaretten-Fans bequem machen und ihrem Genuss frönen. Das Problem ist nur: Bei kühlen Temperaturen ist die Rauchpause keine reine Freude, weder im Sitzen noch im Stehen.

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Das Leid seiner Kunden hat der amerikanischen Zigarettenkonzern Philip Morris nun erkannt und dafür auch eine Lösung gefunden: eine um etwa 1,3 Zentimeter kürzere Zigarette (eine normale hat 8,5, heißt es). Sie ist rascher aufgeraucht und erspart es außerdem dem Eiligen, eine halb aufgerauchte Kippe wegzuwerfen. Experimenten zufolge soll der Mini-Glimmstengel für sieben kräftige Züge gut sein.

90 Prozent weniger Qualm

Der Konzern sieht für das neue Produkt gute Chancen in etwa 50 nationalen Märkten - in der Türkei ist die Innovation bereits zu haben. Der internationale Ableger PMI der Muttergesellschaft Altria will darüber hinaus eine ganze Reihe von neuen Produkten herausbringen, zum Beispiel eine Zigarette mit einem größeren Durchmesser. Als Innovation preist der Konzern zudem einen batteriebetriebenen Inhalator, genannt "Heatbar".

Diese Apparatur in der Größe eines Handys soll 90 Prozent weniger Qualm als eine gewöhnliche Zigarette erzeugen. PMI soll im übrigen künftig unabhängig von Philip Morris USA arbeiten. Der Vorteil: Die internationalen Aktivitäten werden nicht länger von teuren Schadensersatzprozessen in den USA bedroht.

Die Tabakindustrie widmet sich nicht nur den westlichen Industrieländern, auch die Entwicklungs- und Schwellenländer sollen bedient werden. Dort muss man allerdings auf die dortigen Gewohnheiten und Geschmäcker eingehen. So sind zum Beispiel in Asien Zigaretten mit süßlichen Duftstoffen sehr beliebt.

Überhaupt gilt China als Goldgrube für die Industrie: 350 Millionen Raucher gibt es laut statistischer Erhebungen unter Maos Erben - die chinesische Tabakindustrie hat im vergangenen Jahr einen Gewinn von insgesamt 30 Milliarden Dollar erwirtschaftet. Kein Zufall also, dass westliche Konzerne um Kooperationen mit den Chinesen buhlen.

In Europa steht die Branche dagegen in einem harten Verdrängungswettbewerb. Fusionen und Übernahmen sind die Folge. So hat jetzt die britische Imperial Tobacco die 12,6-Milliarden-Euro-Übernahme des französisch-spanischen Konkurrenten Altadis abgeschlossen.

Der Hersteller von Zigaretten der Marke "West" bleibt aber trotz des Rauchverbots in mehreren europäischen Staaten optimistisch. Schließlich ist der Gewinn im ersten Quartal des laufenden Geschäftsjahres (bis Ende September 2008) gestiegen - auch ohne drastische Verkürzung des Glimmstengels.

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(SZ vom 30.1.2008/hgn)