Zahlen per Selfie Ein Augenzwinkern genügt

Geld gegen Selfie: Wenn das Bild passt, zahlt Mastercard die Ware.

(Foto: Britta Pedersen/dpa)

Beim Kreditkartenanbieter Mastercard kann sich der Nutzer künftig per Handy-Foto ausweisen. Das Gesicht hat man ja immer dabei.

Von Helmut Martin-Jung

Wie vermeidet man es, als Dienstleister im Hintergrund zu versauern, während Firmen wie Apple die Kunden entzücken? Lektion 1: Nehmen Sie etwas, das als cool gilt und beanspruchen Sie es für sich. Beispiel? Gesichtserkennung. Das soll cool sein? Laaaaangweilig ist das, gibt's schon ewig, funktioniert auch nicht immer zuverlässig.

Egal. Nennen Sie es Selfie und schon haben Sie die Generation Snapchat/Instagram/Facebook für sich gewonnen. Das glaubt zumindest der Kreditkartenanbieter Mastercard. Die Firma arbeitet an einem Projekt, bei dem Kreditkartenzahlungen mit einem digitalen Bild des Besitzers authentifiziert werden sollen.

So soll es funktionieren: An einem Bezahlterminal oder nach dem Tippen auf einen "Kaufen"-Knopf im Internet fordert einen die App des Kreditkartenanbieters auf, die Identität nachzuweisen. Sein Passwort vergisst man leicht mal, das eigene Gesicht hat man aber immer dabei - also noch einmal kurz tippen, jetzt bitte in die Handy-Kamera blicken und sehr vertrauenswürdig aussehen und - halt, nicht so schnell! Könnte ja jeder dem gestohlenen Smartphone ein Bild vor die Kamera halten. Man muss deshalb einmal blinzeln. Erst danach wird der Betrag freigegeben.

Falls nicht ein Schatten aufs Gesicht fällt, es wie in manchen Modeläden recht dunkel ist oder die Online-Verbindung nicht so superstabil ist. Wie gesagt, ganz so einfach ist es mit der Gesichtserkennung manchmal nicht. Die Systeme versuchen, aus den Eckdaten eines Gesichts, etwa die Abstände der Augen, zur Nase und Mund, eine digitale Karte des Gesichts zu bilden. Bei ungünstigen Lichtverhältnissen zum Beispiel ist das ziemlich schwierig. Zuverlässiger arbeiten inzwischen gute Fingerabdruck-Sensoren, sind aber nicht so cool wie ein Selfie.

Das Ja-ich-will-Selfie kann aber ohnehin nur der erste Schritt sein, und - bingo - Mastercard forscht auch an anderen Verifikationssystemen, etwa dem Herzschlag, dessen Muster bei jedem Menschen anders ist, oder auch die Stimme.

Sehr vielversprechend wäre eine Kombination aus allen dreien. Im Verein mit der nötigen Auswertungssoftware ließe sich dann nämlich auch gleich noch ermitteln, wie es dem Kunden erging bei seinem Kauf. Der soll ja schließlich ein Erlebnis sein, soll ihm etwas Positives vermittel. Also: Ist ein Lächeln der Vorfreude erkennbar, ein erregtes Timbre der Stimme, beschleunigter Herzschlag? Sag, Kunde!