Yuan China wirft seine Währung auf den freien Markt

Spätestens ab 2020 will China den Wert seiner Währung nicht mehr kontrollieren

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  • China steckt sich im neuen Fünf-Jahres-Plan ein ambitioniertes Ziel: Das autoritäre Land will 2020 die Kontrolle über seine Währung abgeben.
  • Die Regierung will damit den Yuan als internationale Handelswährung stärken und als Alternative zum Dollar etablieren.
Von Marcel Grzanna, Shanghai

Die chinesische Regierung will angeblich den Wert ihrer Landeswährung Renminbi spätestens von 2020 an den Kräften des Marktes überlassen. Die allein regierende Kommunistische Partei setzte sich diese Frist bei ihren Beratungen zum Inhalt des kommenden Fünf-Jahres-Plans, er soll von 2016 bis 2020 gelten. Sollte der Yuan, wie die Währung auch genannt wird, tatsächlich frei konvertierbar werden, würde Peking erstmals ungebremste Kapitalströme zulassen und die Kontrolle über den Wert des chinesischen Geldes aus der Hand geben.

Viele liberale Chinesen begrüßen das Vorhaben der Regierung. Sie glauben, dass sich dadurch die Wettbewerbsfähigkeit des Landes verbessern wird. Denn grenzüberschreitende Investitionen in beide Richtungen könnten leichter vollzogen werden. Die Regierung will den Umtausch des Yuan in Fremdwährungen innerhalb der kommenden fünf Jahre schrittweise organisieren. Wie genau, ist noch nicht bekannt.

Eine freie chinesische Landeswährung wäre jedoch vor allem aber auch ein geostrategisches Instrument. China will die internationale Rolle des Dollars schmälern und eine Alternative schaffen. Seit einigen Jahren schon arbeitet Peking auf dieses Ziel hin. Zunächst machten sie den Yuan zu einer internationalen Handelswährung. Bereits jetzt werden weltweit viele bilaterale Geschäfte in Yuan abgewickelt, nicht mehr in Dollar. Nun wird der Renminbi kontinuierlich zur Investitionswährung aufgebaut: Ausländische Anleger können in Finanzprodukte investieren, die in Yuan notiert sind.

Freie Währung - freie Marktwirtschaft?

Um aber letztendlich den Status einer Reservewährung zu erreichen und damit theoretisch auch dem Dollar den Rang ablaufen zu können, muss der Yuan frei handelbar sein. "China will seine Währung internationalisieren. Aber das wird nicht ohne mehr Marktwirtschaft passieren", sagt Vorstandschef Sun Fei vom Verband für Internationale Finanzinvestitionen in Peking.

Die marktwirtschaftlichen Kräfte, denen China erstmals ausgesetzt wäre, werden bislang nur in der Theorie oder auf viel kleinerer Skala in Freihandelszonen erprobt. Sollten internationale Investoren auf eine weitere Aufwertung des Renminbi setzen, könnten in kürzester Zeit riesigen Mengen Geld ins Land fließen. Das erhöht die Gefahr von Spekulationsblasen, die ein fragiles Wirtschaftsmodell in enorme Schwierigkeiten bringen können, wenn sie platzen.

Peking hat oft massiv in die Finanzmärkte eingegriffen

Das Ziel der freien Konvertierbarkeit steht schon seit Jahren im Raum. Erst im Sommer scheiterte Peking mit dem Wunsch, den Yuan in den Währungskorb des Internationalen Währungsfonds (IWF) zu integrieren. Das lag wohl vor allem daran, dass der Wert des Yuan weiter von der chinesischen Zentralbank kontrolliert wird.

Wichtig ist es, wie sich China jetzt konkret verhält. Allein in diesem Jahr hatte China mehrfach massiv in die Finanzmärkte eingegriffen, um Fehlentwicklungen an der Börse oder bei den Exporten zu korrigieren. Der Wille zur freien Konvertierbarkeit könnte in rauen wirtschaftlichen Zeiten auf die Probe gestellt werden. Im Ausland wird eine solche Entwicklung hin zu einem freien Yuan schon seit langem gefordert. Die USA und Europa warfen Peking in der Vergangenheit immer wieder vor, durch einen künstlich niedrig gehaltenen Wert der Währung dem eigenen Exportsektor unlautere Hilfestellung zu leisten. Als die chinesische Regierung vor einigen Wochen den Yuan stark abwertete, wuchs sogar die Sorge vor einem Währungskrieg.