Yanis Varoufakis "Brüssel ist für mich ein Albtraum"

Deutschland habe "immer mehr Geld gezahlt in schwarze Löcher", warnt Yanis Varoufakis.

(Foto: Robert Haas)

Der frühere griechische Finanzminister Yanis Varoufakis rät den Deutschen, nicht weiter die Löcher der Euro-Zone zu stopfen.

Von Simone Boehringer

Sein Intermezzo als griechischer Finanzminister 2015 war kurz: Nur fünf Monate blieb Yanis Varoufakis im Amt. Dann trat er zurück, nachdem sein Chef, Ministerpräsident Alexis Tsipras, auf die Linie der Europäischen Union und des Internationalen Währungsfonds eingeschwenkt war und neue Kredite annahm. Im Gegenzug wurde das Land auf einen rigiden Sparkurs verpflichtet - obwohl die Griechen in einer Volksabstimmung dagegen waren.

Nun rät Varoufakis "meinen deutschen Freunden", sie sollten nicht noch mehr gutes Geld dem schlechten hinterherwerfen. "Deutschland hat einen Riesenfehler gemacht seit 2010, indem das Land immer mehr Geld gezahlt hat in schwarze Löcher." Deutschland habe so vor allem die Banken gerettet. Stattdessen sollte Europa endlich "einen Plan machen zur Restrukturierung der Euro-Zone".

Transeuropäische Bewegung

Der 57-Jährige kommt ganz in schwarz gekleidet zum Interview, in einem Hotel in Johanneskirchen bei München. Er ist angereist, um vor gut 500 geladenen Gästen in der Aula der Ludwig-Maximilians-Universität in Schwabing zu sprechen - über sein Thema, bei dem es um ein "echtes Restrukturierungsprogramm für Europa" geht.

Varoufakis hat eine transeuropäische Bewegung gegründet, Democracy in European Movement (DiEM), mit der er bei den Europawahlen antreten will. Dafür hat er Bücher geschrieben und führende Politiker beschuldigt, seinem "bankrotten Griechenland" immer neue Kredite zu geben, obwohl das Land so nie auf die Beine kommen könne.

Varoufakis hat nichts von seinem Elan verloren, nur vielleicht ein bisschen die Illusion, als gewählter Politiker etwas zu bewegen. Er spricht von Elfenbeintürmen, dem Albtraum Brüssel und der Rettung von Banken zulasten der "schwäbischen Hausfrau".

Seine Mutter war Deutschlehrerin, das Handy klingelt mit Johann Sebastian Bach und er spricht auch ein wenig Deutsch. Interviews gibt er auf Englisch. Er habe "das Parlament verlassen, um endlich Politik zu machen" sagt er. Er wolle rausgehen, mit Menschen sprechen, nicht mit Bürokraten. Und: Er wolle Teil einer Graswurzelbewegung sein, die Europa voranbringt - mit einem Plan, der nicht immer gleich abgewürgt wird mit der Frage: Wer zahlt dafür?

Varoufakis spricht auch über die schwache Frau Merkel, den unberechenbaren Herrn Trump und über Emmanuel Macron, dessen Ideen für mehr Europa ihm nicht weit genug gehen.

"Deutschland hat einen Riesenfehler gemacht"

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