XXXLutz Einfach ausgesperrt

Eine Filiale der Möbelhauskette XXXLutz in München. Diesmal gab es in Mannheim Ärger, weil das Unternehmen Mitarbeiter buchstäblich vor die Türe setzt.

(Foto: Florian Peljak)

Wieder einmal geht der Möbelkonzern ruppig mit seinen Mitarbeitern um. Diesmal in Mannheim.

Von Max Hägler, Stuttgart

Im Dezember schien das Verhältnis zwischen der Industriestadt Mannheim und dem Möbelkonzern XXXLutz noch in Ordnung. Kurz vor dem Jahreswechsel feierten die Popgruppe Söhne Mannheims und der Innenausstatter ein Benefizkonzert - zugunsten einer besseren Wasserversorgung für die Ärmsten der Welt. Eine schöne Sache, oder wie die Konzernkommunikatoren hernach schrieben: "Ein Abend voller Emotionen mit Gänsehaut-Atmosphäre."

In dieser Woche hat XXXLutz bei einigen Mannheimern wieder Gänsehaut-Atmosphäre ausgelöst - allerdings war der Anlass diesmal nicht so freudig. Als Mitarbeiter des Zentrallagers der Tochterfirma Mann-Mobilia am Montagmorgen ihre Arbeit antreten wollten, standen sie vor verschlossenen Türen. Man brauche sie nicht mehr, habe es geheißen. Einige der 99 betroffenen Angestellten berichteten, Sicherheitsleute hätten ihnen den Eintritt zu den Büros verwehrt, in denen sie teilweise seit 20 oder 30 Jahren gearbeitet hatten. Ein Schreiben bekamen sie stattdessen in die Hand gedrückt und wurden wieder in die Kälte hinausgeschickt: "Hiermit werden Sie ab 1. Februar 2016 bis auf weiteres widerruflich von der Verpflichtung der Arbeitsleistung freigestellt." Die Kündigung wird wohl alsbald nachgereicht.

"Die Leute sind völlig fertig", sagt Verdi-Gewerkschaftssekretär Stephan Weis-Will, "die würden gerne zur Arbeit gehen und dürfen nicht." Auch Betriebsrat und Gewerkschaft seien von diesem Vorgehen des Konzerns völlig überrollt worden. Selbst "in schlimmsten Schlecker-Zeiten" habe er solch einen unmenschlichen Umgang mit Mitarbeitern nicht erlebt; die ehemalige Drogerie-Kette war bekannt für ihre rüde Art der Personalführung. In der Tat ist es sehr ungewöhnlich, dass normale Angestellte ohne Vorwarnung vor die Tür gesetzt werden; nur bei Managern kennt man das Vorgehen. Es soll verhindern, dass sie Unterlagen mitnehmen. Für XXXLutz ist es nicht das erste Mal. Als der Konzern 2013 ein Möbelhaus in München schloss, wurden ebenfalls 160 Mitarbeiter ausgesperrt. "Wie Verbrecher werden die Leute behandelt", kritisierten Verdi-Gewerkschafter damals. Beinahe Wortgleiches ist nun aus Mannheim zu hören.

Eigentlich hat der inhabergeführte Konzern aus Österreich als Motto ausgegeben: "Mit Sonne im Herzen zur Nr. 1 der Welt!" Als Teil dieses hochstrebenden Planes, der vor allem den Konkurrenten Ikea im Blick hat, wird der bislang in Mannheim angesiedelte Bereich "Auftragssachbearbeitung" nach Würzburg an den Hauptsitz der XXXL Unternehmensgruppe Deutschland verlegt. Aber muss man dabei so vorgehen, ohne Ankündigung? Der Konzern sagt: Eine frühere Information des Betriebsrates sei "leider nicht möglich" gewesen, "da es durch mögliche Gerüchte und Spekulationen zur Verunsicherung der Belegschaft hätte kommen können" - das wiederum hätte womöglich der Qualität im Kundenservice geschadet. Dem Betriebsrat sei aber seit längerer Zeit bekannt gewesen, dass die Auftragssachbearbeitung wirtschaftlich nicht gut dastehe, sagt Konzernsprecher Julian Viering. Ganz aus dem Blauen sei die Verlegung also nicht gekommen. Möglichst schnell will die Firma nun Verhandlungen zu einem Sozialplan aufnehmen. Es stehe natürlich jedem der zu kündigenden Mitarbeiter frei, sich auf eine Stelle in Würzburg zu bewerben, teilt der Konzern noch mit. Um selbst darauf hinzuweisen, dass gerade für die vielen Teilzeitkräfte ein Umzug aufgrund des "vergleichsweise niedrigen Gehalts" wohl nicht lohnenswert sei. Darüber immerhin dürfte Einigkeit bestehen zwischen allen Beteiligten.