Bei der Deutschen Bahn könnten in der kommenden Woche die Warnstreiks losgehen - viele Beschäftigte wollen den Börsengang in letzter Minute verhindern.
Es hätte die ganz große Koalition sein können, die große Koalition des Arbeitgebers Bahn und seiner 240 000 Beschäftigten. Jetzt aber steht Norbert Hansen, Chef der Bahngewerkschaft Transnet, auf dem Vorplatz des neuen Berliner Hauptbahnhofs, das Mikrofon fest in den Händen. Er ruft: "Wo sind Sie, Herr Mehdorn?"
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Niemand aus dem Unternehmen steht auf dem Podium der "Betriebsversammlung im Freien", niemand hat sich aus dem nahen Bahntower hergewagt. Dabei hätte sich dort oben auf dem Podium die große Koalition der Bewahrer zeigen können. Zwischen Bahnchef Hartmut Mehdorn, der landauf, landab zu verhindern versucht, dass "seine" Bahn ohne ihr Schienennetz privatisiert wird. Und den Beschäftigten, die nun zu Hunderten aus Bahnwerken rund um Berlin in die Hauptstadt angereist sind - und die "ihre" Bahn so behalten wollen, wie sie ist: samt Zügen, Bahnhöfen, Gleisen. Und möglichst im Besitz des Staates.
Wie ein Glaubensstreit
In den kommenden Wochen könnte es bei der Bahn zum ersten Mal seit 14 Jahren wieder richtige Streiks geben. Kommenden Donnerstag, wenn Parlamentarier und Regierung wieder über die Privatisierung der Deutschen Bahn reden, endet die Friedenspflicht.
Vordergründig geht es den Beschäftigten um ein tarifpolitisches Werk mit dem monströsen Namen "Beschäftigungssicherungstarifvertrag", das mit dem Börsengang den Bach hinuntergehen könnte. Eigentlich aber geht es um den Börsengang als solchen.
Die Choreographie hätte perfekt sein können: Bahnchef Mehdorn kämpft für den Börsengang der "großen" Bahn, und hunderttausende Beschäftigte kämpfen mit - wie zufällig zur gleichen Zeit, zu der im politischen Berlin die Entscheidung fällt. Doch das Bild an der Basis, die in diesen Tagen überall in Deutschland zu "öffentlichen Betriebsversammlungen" zusammenkommt, sieht anders aus: Bahnchef Mehdorn will den Börsengang, tausende Beschäftigte wollen ihn nicht. "Börse ist sowieso immer schon mal schlecht", sagt ein namenloser Bahnmitarbeiter mit außerordentlich festem Händedruck. Sechs Namenlose um ihn herum nicken. Niemand könne absehen, wie privates Kapital das Unternehmen verändere. Das wollen viele nicht.
Im normalen Leben überprüfen sie Brandenburgs Eisenbahnbrücken auf Rost, Statik, Schwachstellen. "Es gibt einen öffentlichen Auftrag, den kann man nicht privatisieren", sagt einer der sieben.
Auch er will seinen Namen lieber nicht nennen: Es bringe einem nichts als Ärger, sich in solchen Fragen öffentlich zu äußern. Kritik am Börsengang ist bei der Bahn in diesen Tagen nicht opportun. Der Börsengang soll schließlich der krönende Abschluss für den Vorstandschef werden. Die Sache eilt.
Die Privatisierung ist ausgemachte Sache, seit der Bahnreform 1994 schon. In den vergangenen Monaten entstanden deshalb stapelweise Papier, Gutachter urteilten pro und kontra,kontra und pro, Anhörungen gingen bis tief in die Nacht.
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Riexinger und Kipping führen die Linke