Wirtschaftswissenschaften Wenn man drei Ökonomen fragt

Wie denken deutsche Ökonomen? Die SZ befragte 1000 Wissenschaftler. Und die Debatte geht weiter.

Von Ulrich Schäfer

Wie denken Deutschlands Ökonomen? Was beschäftigt sie? Wofür stehen sie? Das wollte die Süddeutsche Zeitung wissen und befragte dazu gemeinsam mit dem Internetportal Wirtschaftswunder, und unterstützt durch den Verein für Socialpolitik, die Wirtschaftswissenschaftler der Republik; über 1000 Wirtschaftswissenschaftler nahmen an dieser größten Ökonomen-Umfrage teil, die es in Deutschland gibt. Heraus kam ein ausführliches, differenziertes Bild, wie man es zuletzt vor fünf Jahren lesen konnte. Damals wurde die Umfrage noch von der inzwischen eingestellten Financial Times Deutschland durchgeführt, zum zweiten Mal nach 2006. Die dritte Auflage der großen Ökonomen-Umfrage steht nun in der Süddeutschen Zeitung. Auf vier Seiten haben wir in diesem Sonderdruck die wichtigsten Ergebnisse zusammengefasst. Eine wichtige Erkenntnis lautet: Die Welt der deutschen Ökonomen ist bunter, vielfältiger, pluraler als gemeinhin angenommen.

Wie denken Deutschlands Ökonomen? Damit beschäftigt sich auch eine Serie, die noch bis Ende Oktober im Wirtschaftsteil der Süddeutschen Zeitung zu lesen ist. Wir porträtieren, immer am Dienstag und Donnerstag, "24 Ökonomen, auf die es ankommt" - 24 Ökonomen, die in ihrem Fach bereits Bedeutung erlangt haben und in den nächsten Jahren noch wichtiger werden dürften. Denn nach und nach tritt eine Generation von Ökonomen ab, die Generation um Hans-Werner Sinn, Wolfgang Franz und Bert Rürup; und es rücken, auch in der öffentlichen Wahrnehmung, andere Namen stärker in den Vordergrund. Unser Auswahlkriterium war: Die Ökonomen sollten nicht älter als Ende 40 sein. Und zugegeben: Die Auswahl ist sehr subjektiv - denn neben den 24 Namen in unserer Serie gibt es natürlich in Deutschland noch mehrere Tausend andere Ökonomen, an den Hochschulen und in staatlichen Behörden, in Verbänden und Nicht-Regierungsorganisationen, in Banken und Unternehmen, die hervorragende Arbeit leisten; oft abseits des medialen Rampenlichts. Die 24 Namen unserer Serie stehen also, pars pro toto, für die gesamte Zunft. Drei Porträts, über Justus Haucap, Till van Treeck und Georg von Weizsäcker, finden Sie auf einer Doppelseite in diesem Sonderdruck.

Wie denken Deutschlands Ökonomen? Darum geht es auch in einer spannenden Debatte, die derzeit auf den Wirtschaftsseiten der Süddeutschen Zeitung stattfindet - und parallel dazu im Netz und in den sozialen Medien. In einer munteren Abfolge von Essays streiten deutsche Ökonomen in der "Euro-Debatte" der SZ mit ihren internationalen Kollegen darüber, wie es weitergehen soll mit der gemeinsamen Währung, mit Griechenland, mit Europa insgesamt. Ausgelöst wurde diese Debatte durch einen pointierten, kontroversen Essay von Jeffrey Sachs und einen weiteren Gastbeitrag von Ludger Schuknecht, dem Chef-Ökonomen des Bundesfinanzministeriums. Die Essays in der "Euro-Debatte" haben auch international für Aufsehen gesorgt, denn sie wurden von uns nicht nur auf Deutsch in der gedruckten oder digitalen Version der Süddeutschen Zeitung veröffentlicht, sondern auch auf Englisch auf unserer internationalen Website international.sueddeutsche.de. Eine leicht gekürzte Fassung des Essays von Jeffrey Sachs und eine Replik darauf von Hans-Werner Sinn finden Sie auf der Rückseite dieses Sonderdrucks.

Wie denken Deutschlands Ökonomen? Diese Frage wird uns als Zeitung, die nicht nur im Wirtschaftsteil, sondern in Ressorts wie Politik, Feuilleton oder Gesellschaft zunehmend über Wirtschaft berichtet, auch in Zukunft beschäftigen. Die Debatten gehen weiter: zum Euro, zur Globalisierung, zur Kluft zwischen Arm und Reich, zur Wirtschaftspolitik. Oder um ein Bonmot von Winston Churchill zu ergänzen, der gesagt hat: "Wenn ich drei Ökonomen frage, dann bekomme ich vier Meinungen. Zwei davon von Professor Keynes." Uns interessiert auch die fünfte, sechste oder siebte Meinung. Oder wie in der Umfrage: die tausendste Meinung.