Deutschland im Sog der Weltkonjunktur: Das Kieler IfW befürchtet ein weitaus größeres Konjunkturminus, eine deutlich spätere Erholung und mehr Arbeitslose als ohnhin befürchtet.

Die deutsche Wirtschaft bricht nach Einschätzung des Kieler Institut für Weltwirtschaft (IfW) deutlich stärker ein als befürchtet, und eine Erholung ist vorerst nicht in Sicht. Bis zum Jahresende dürften 800.000 Menschen ihre Arbeitsstelle verloren haben, sagte das IfW am Donnerstag voraus. Vor allem wegen des deutlichen Rückgangs der Exporte werde das Bruttoinlandsprodukt (BIP) in diesem Jahr um 3,7 Prozent schrumpfen. Diese seien "geradezu spektakulär" eingebrochen. Damit senkten die Forscher ihre Prognose vom Dezember um einen Prozentpunkt.

Es läuft nicht mehr rund: Die Exporte sind eingebrochen. Auf dem Bild: Warenumschlag am Hamburger Hafen. (© Foto: AP)

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Stabilisierung erst 2010

Allerdings sei in der zweiten Jahreshälfte mit einem langsameren Rückgang der Wirtschaftsleistung zu rechnen, schrieben die Experten. Eine Stabilisierung der Konjunktur erwarten sie im kommenden Jahr, ein spürbares Wachstum sogar erst zum Jahresende 2010.

Auch die Europäische Zentralbank (EZB) rechnet erst 2010 mit einer Erholung der derzeit kriselnden Wirtschaft im Euro-Raum. Jüngste Wirtschaftsdaten und Umfrageergebnisse hätten weitere Belege dafür geliefert, "dass die Nachfrage weltweit wie auch im Eurogebiet im laufenden Jahr sehr schwach sein dürfte", schreibt die Notenbank in ihrem am Donnerstag veröffentlichten Monatsbericht für März. Im nächsten Jahr werde dann "mit einer allmählichen Konjunkturerholung gerechnet".

Die deutsche Wirtschaft dürfte in diesem Jahr wegen ihrer stärkeren Export-Abhängigkeit mehr schrumpfen als der Euro-Raum, prophezeit das IfW. Das Institut sagte einen Rückgang um 3,3 Prozent voraus.

Weltweit sei mit einem Minus der Wirtschaftsleistung um 0,8 Prozent zu rechnen - im ersten Quartal gehe das BIP wohl zum ersten Mal seit den 1930er Jahren zurück. Für 2010 sei dann wieder Wachstum in Sicht, wenn auch nur leichtes.

Schlechte Perspektiven für den Arbeitsmarkt

Für den Arbeitsmarkt in Deutschland seien die Aussichten deswegen stark eingetrübt. Im Herbst 2009 dürften weit über eine dreiviertel Million mehr Menschen ohne Stelle sein zu Jahresanfang, sagten sie voraus.

Im Jahresschnitt bedeute das einen Anstieg der Zahl der Arbeitslosen um 400.000 auf 3,6 Millionen. Im kommenden Jahr werde sich der Jobabbau fortsetzen, im Schnitt dürfte die Erwerbslosenzahl um 600.000 auf 4,3 Millionen steigen. Die Arbeitslosenquote werde auf 10,2 Prozent klettern und damit den höchsten Stand seit 2006 erreichen.

Das milliardenschwere Konjunkturpaket der Bundesregierung dürfte nach Einschätzung der Forscher in der zweiten Jahreshälfte 2009 erste Wirkungen zeigen, vor allem in der Bauwirtschaft. "Allerdings wird der Impuls, der dadurch auf die Konjunktur ausgehen wird, geringer sein als vielfach erwartet", schrieben sie.

Einerseits sei es unrealistisch, dass die staatlichen Bauinvestitionen so schnell aufgestockt werden könnten wie geplant. Andererseits reichten die Kapazitäten bei den Baufirmen nicht aus, so dass mit einem deutlichen Anstieg der Baupreise zu rechnen sei. Insgesamt dürfte die Wirtschaftsleistung mit dem Konjunkturpaket um etwa 0,75 Prozent höher ausfallen als ohne.

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(sueddeutsche.de/Reuters/AP/dpa/mel/pak)