Wirtschaftsspionage schädigt deutsche Unternehmen um 50 Milliarden Euro im Jahr. Nun warnt der Verfassungsschutz vor der rasant wachsenden Bedrohung - viele betroffene Firmen reagieren zu passiv.
Im Jahr 2006 informierte Scotland Yard das deutsche Bundeskriminalamt (BKA) über einen eigenartigen Vorgang. Die englische Polizei hatte bemerkt, wie eine britische Spedition über Monate hinweg sehr engen Kontakt zu einer deutschen Spedition hielt. Zu engen Kontakt.
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Wie reagieren Unternehmen auf das Auskundschaften von Betriebsgeheimnissen? (Befragt wurden 600 deutsche Unternehmen) (© Grafik: SZ)
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Denn die britische Spedition kundschaftete die vertraulichen Geschäftsbeziehungen der Deutschen aus, sie war in ihr Computersystem eingedrungen und konnte die geheimsten Geschäftsdaten mitlesen.
Das Ziel war klar: Die britische Firma wollte die deutsche Konkurrenz übernehmen. Der Spähangriff der Briten ist nur ein Beispiel, allerdings ein frappierendes, denn normalerweise fürchten deutsche Firmen eher die Chinesen oder die Russen, wenn es um ihre Firmengeheimnisse geht.
Immerhin, die britische Polizei hatte die deutsche informiert. Sicherheitsbehörden aus anderen Ländern tun das nicht immer, im Gegenteil. Der Verfassungsschutz geht davon aus, dass viele Geheimdienste, vor allem in Asien, die Wirtschaftsspionage privater Firmen decken und oft sogar unterstützen.
Die meisten Spähangriffe kommen aus Asien
Sie wissen: Die Server, von denen die meisten Computer-Spähangriffe ausgehen, stehen in Asien. Auf einem Symposium will der Bundesverfassungsschutz an diesem Montag über die Gefahren für die Wirtschaft berichten.
Mittlerweile sind nach Angaben des BKA 750000 Rechner in Deutschland mit sogenannten Trojanern infiziert, die vertrauliche Daten unbemerkt weiterleiten, oft direkt an die Konkurrenz. "Es besteht eine permanente Gefahr der Infektion durch solche Spähprogramme", sagt der Präsident des Bundeskriminalamtes, Jörg Ziercke.
Die Arbeitsgemeinschaft für Sicherheit in der Wirtschaft spricht allein in Deutschland von jährlich 50 Milliarden Euro Schaden durch solche Wirtschaftsspionage. "Diese Gefahr wird in den kommenden Jahren zu einer stetig wachsenden Bedrohung", warnte Innenstaatssekretär August Hanning vergangene Woche die Mitglieder des Bundesverbandes Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien (Bitkom). Dies sei die "akute Kernbedrohung der Wirtschaft".
Doch sehr ernst nimmt die Wirtschaft das Problem noch nicht. Laut Hanning hat eine aktuelle Studie unter 600 Unternehmen ergeben, dass sich Firmen, die von Spionage betroffen sind, "in hohem Masse passiv" verhalten. Nach dem Motto: Augen zu, dann passiert schon nichts. So habe fast die Hälfte aller von Spionage betroffenen Unternehmen (44 Prozent), überhaupt nicht auf die Angriffe reagiert - weil sie Angst um ihren Ruf haben und Verluste auf dem Aktienmarkt befürchten.
Sicherheit wird zu lässig gesehen
Außerdem wissen die Firmen gar nicht, an wen sie sich wenden sollen. 28 Prozent gaben an, das Problem intern zu lösen. Ob sie es lösen konnten, sagten sie nicht. 20 Prozent nahmen sich vor, Schwachstellen zu beheben. Lediglich acht Prozent der Betroffenen haben sich nach außen um Hilfe gewandt: vier Prozent setzten externe Computer-Experten ein, vier Prozent alarmierten die Sicherheitsbehörden.
Insgesamt, so gaben die Firmen zu, werde das Thema Sicherheit "zu lässig" gesehen. Immerhin haben chinesische und russische Spione schon versucht, deutsches Regierungswissen abzuzapfen. Auch wenn es nicht so weit kam wie in Estland: Dort waren im April zwei Wochen Regierungsseiten nach Virenangriffen gesperrt gewesen.
Die Wirtschaftsspionage werde immer mehr zur Herausforderung für den Verfassungsschutz, heißt es in Köln. Vor allem die Ausspähung der Konkurrenz nehme zu - so sehr, dass längst deutsche Arbeitsplätze in Gefahr sind. Die Konkurrenten werden immer dreister: Sie legen mit Schadprogrammen den Internetzugang ihres Mitbewerbers lahm, sie starten Lauschangriffe, holen sich dessen aktuelle Angebote, um ihn zu unterbieten, und leiten seine Innovationen direkt in ihre Produktionsstätten weiter.
Die gute, alte Wirtschaftsspionage der Russen und Chinesen war gestern. Jetzt geht es um direkte Angriffe auf deutsche Firmen. Ein neues Arbeitsfeld für die eigene Behörde, findet der Verfassungsschutz.
(SZ vom 3.12.2007/aho)
Mubarak-Prozess in Ägypten
Nachdem nun schon lange jedes große Unternehmen seinen Arbeitsdirektor hat, ist es an der Zeit den Schlapphüten in deutschen Unternehmen den Posten des Spionagedirektors zu verschaffen - möglist wie beim Arbeitsdirektor durch ein Gesetz.
Was sollen denn die über 5000 BND-Horcher noch machen, nachdem sie jetzt bemerkt haben, dass ihre geheimen Geheimberichte alle schon bekannt sind und keiner mehr neue lesen will.
Es ist schon verwunderlich, dass hier das BKA auf das Ausspähen aufmerksam macht. Sicherliche ist es jedem bekannt, dass so etwas gemacht wird (auch von unseren "Freunden"...), aber dass dass das BKA und andere überwachungsbehörden die Hackertools unter Stafe stellen wollen (Erwerb, Besitz und Vertrieb) ist nicht mehr nach zu vollziehen.
Hackertools sind wichtig für die Industrie (und auch für die Privaten) um herauszufinden, wo sein System von ausßen angreifbar ist und den Schutz entsprechend anzupassen...
Vielleicht sollten sich unsere überwachungsbehörden mal darauf verständigen was nun Priorität hat:
Entweder das Volk zu überwachen oder die Sicherheit der Industrie zu gewährleisten....
Die gute, alte Wirtschaftsspionage der Russen und Chinesen war gestern. Jetzt geht es um direkte Angriffe auf deutsche Firmen. Ein neues Arbeitsfeld für die eigene Behörde, findet der Verfassungsschutz.
... die USA und unsere anderen Freunde späen uns genau so aus.
Im übrigen haben Fachleute schon lange vor der Monokultur bei Betriebssystemen (das verbreitetste kommt auch noch aus einem Land das bei der Spionage vornedran ist) gewarnt. Aber statt dass man Alternativen einsetzt die oft sogar noch preislich weit günstiger wären knebelt man die Mitarbeiter damit dass sie für jedes Programm ein extra Passwort eingeben dass sich alle 2 Wochen auch noch ändert (Das was dann auf einem gelben Zettel am Bildschirmrand klebt weil sich das kein Mensch mehr merken kann).