Die Wirtschaftspolitik - eine Baustelle: Die Deutschen haben in der Krise vernünftig reagiert, jetzt täten sie gut daran, aufmerksam-angespannt zu bleiben.
Uns geht es nicht schlecht, das ist die gute Nachricht. Wie gut Deutschland durch die jüngste Krise gekommen ist, wird im Ausland mit Bewunderung oder auch Argwohn wahrgenommen, jedenfalls als beachtlich registriert.
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Die Krise ist vorbei? Mitnichten. In der Wirtschaftspolitik gibt es etliche Baustellen. (© dpa)
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Die deutsche Wirtschaft arbeitet sich schneller als erwartet aus dem Wachstumstal des Jahres 2009, als die Wirtschaftsleistung um 4,7 Prozent eingebrochen war. Plötzlich sind für 2010 etwa drei Prozent Wachstum drin, hochgerechnet nach einem wirklich starken ersten Halbjahr. Im internationalen Vergleich der Wettbewerbsfähigkeit führt die Bundesrepublik die Länder der Euro-Zone an, so die Zahlen des Weltwirtschaftsforums in Genf, weltweit liegt die Bundesrepublik auf Platz 5. Deutschland ist damit fast so stark wie die Vereinigten Staaten; noch vor einem Jahr lagen die USA auf Platz 2 und Deutschland auf 7.
Diese Entwicklung kommt maßgeblich aus dem Arbeitsmarkt. Politik, Arbeitgeber und Belegschaften haben hier streckenweise vorzüglich zusammengewirkt. Schon die rot-grüne Schröder-Regierung hat den Arbeitsmarkt flexibilisiert. In der konkreten Krise hat die schwarz-rote Merkel-Koalition über eine Verlängerung des Kurzarbeitergeldes den Unternehmen durchs Tal geholfen. Die Tarifparteien halten seit Jahren Maß. Durch Lohnverzicht sind zudem im Krisenjahr 2009 Massenentlassungen verhindert und Kosten gedrückt worden.
In keinem anderen EU-Land sind in den vergangenen Jahrzehnten die Löhne so langsam gestiegen wie in Deutschland. Entsprechend sinkt die Zahl der Jobsuchenden unaufhörlich, während sie anderswo auf Rekordniveau bleibt. Aber auch mit ihrer Infrastruktur können die Deutschen punkten: Verkehrswege, Stromversorgung, Telefonnetze gelten im internationalen Vergleich im Großen und Ganzen als leistungsfähig.
Augenmaß in der Krise
Selbst die vielgescholtenen Banken liefern positive Nachrichten. Weder hat es bisher die viel befürchtete Kreditklemme im Aufschwung gegeben, noch verschlechtern sich die Zahlen der Institute bedrohlich. Die internationale Bankenregulierung schreitet voran, und selbst die Koalitionsregierung aus Union und FDP findet zu einem konstruktiven Miteinander. Angela Merkel, heißt es, beginnt zu regieren. Voilá.
Die Wirkkraft der Republik strahlt bis in die Kultur. Da sei etwas dran an Deutschland, das ihn inspiriere, sagte soeben der amerikanische Schriftsteller Jonathan Franzen, der seine großen Romane regelmäßig in Deutschland zu schreiben begonnen hat.
Uns geht es nicht gut, das ist die schlechte Nachricht. Die wirtschaftliche Erholung steht erst am Anfang, der Aufstieg begann von niedriger Basis. Bis die hochgezüchtete Wirtschaftsmaschinerie auf Vorkrisenniveau ist, kann es noch mehrere Jahre dauern - wenn nicht neue Krisen dazwischenkommen. Die Gefahr ist nicht zu vernachlässigen. Die Finanzkrise ist keineswegs ausgestanden. Die Schuldenlast der Industrieländer ist weiterhin riesengroß. Die südeuropäischen Länder mit Griechenland an der Spitze haben sich bisher nur Zeit gekauft.
Der deutsche Export, der zuletzt wieder mit so guten Zahlen von sich reden machte, verliert schon an Schwung. In der zweiten Jahreshälfte 2010 wird sich das Wachstum wohl verlangsamen. Immer mehr Experten rechnen mittlerweile mit einem "Double-Dip", also einem zweiten Einbruch nach dem ersten im vergangenen Jahr, wenn auch vielleicht nicht mehr in der gleichen Heftigkeit.
Populismus nach der Krise
Vor diesem Hintergrund ist die Unbekümmertheit erstaunlich, die in der wirtschaftspolitischen Diskussion Raum greift. Die schwierigen Zeiten seien vorbei, heißt es, die Wirtschaft sei wieder belastbar. In der Politik mehren sich Forderungen, statt über unbequeme Aufgabenkürzungen doch lieber über Einnahmeerhöhungen nachzudenken: Steuererhöhungen für Besserverdiener, Abgaben für bestimmte Branchen, Verschärfungen bei der Ökosteuer. Damit korrespondiert der Ruf nach höheren Löhnen. Die Gewerkschaften geben die Richtung vor, in ersten Tarifverhandlungen wird wieder kräftig gefordert. Das gehört zum Ritual, nicht aber, dass Politiker auf diesen Zug aufspringen.
An der Spitze der Populisten steht Ursula von der Leyen, die CDU-Familien-, nein: Arbeitsministerin. Der Aufschwung, hat sie messerscharf erkannt, gehört den Menschen, die ihn erarbeiten, sie sollten in der Aufschwungphase profitieren, vermutlich am besten gleich. Falsch! Der Aufschwung, der zunächst nur eine Erholung ist, gehört der ganzen Gesellschaft, auch denen, die noch einen Job suchen, und jenen, die auf Sozialleistungen des Staates angewiesen sind, die aber nach dem Wort von Ludwig Erhard erst einmal am Markt verdient werden müssen.
Die Deutschen haben in der Krise vernünftig reagiert. Jetzt täten sie gut daran, aufmerksam-angespannt zu bleiben. Wer jetzt schon wieder im großen Stil Geld verteilen will, verkennt den unveränderten Ernst der Lage. Die Krise ist nicht ausgestanden, und viele von früher bekannte Probleme sind ja nicht verschwunden. Der Arbeitsmarkt ist flexibel, aber nicht flexibel genug. Das Steuerrecht ist in einem schrecklichen Zustand. Im soeben beschlossenen Energiekonzept stecken auf dem Weg hin zu den alternativen Energien gewaltige Kosten. Drei Beispiele von vielen. Ende gut, alles gut? Noch lange nicht.
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(SZ vom 11./12.09.2010/aum)
Gysi gegen Lafontaine
Tatsächlich ist die Krise nicht überstanden. Diie gegenwärtige wirtschaftliche Erholung ist vorwiegend auf die deutsche Exportleistung zurückzuführen.
Dabei haben primär die Investitionsprogramme, welche viele Nationen zur Stabilisierung ihrer Wirtschaft durchgeführt haben, den deutschen Export beflügelt.
Ich kann bei dieser Entwicklung keinen Erfolg der Regierung, schon gar keinen Erfolg von Angela Merkel erkennen. Merkel hat sich selbst sogar recht idiotisch bzw. hysterisch in der Krise aufgeführt und behauptet, dass sie für die Sicherheit aller Spargelder bürgen würde. Absud! Damit hat sie ihre wirtschaftliche und geldpolitische Inkompetenz offenbart, zumal sie selbst vor der Krise auch noch für eine Liberalisierung der Finanzmärkte eingetreten ist.
Die schnelle Erholung Deutschlands ist auch nicht so posititv, wie sie dargestellt wird. Das Grundproblem ist die Instabilität des globalen Wirtschaftssystems. Es ist hochkomplex und chaotisch geworden. Extreme Steigerungen wie das aktuell hohe Wirtschaftswachstum in Deutschland sind ein Kennzeichen dieser globalen Instabilität.
Auch dies haben weder Regierung noch Frau Merkel begriffen, weil Frau Merkel schon wieder fröhlich auf dem internationalem Parkett herumtanzen mag und sich aufführt wie die Queen von Deutschland voller Selbstüberschätzung und Arroganz.
Ihre Aussagen zur Entwicklungshilfepolitik sind leere Worthülsen und auch die Forderung der Hilfe zur Selbsthilfe ist so alt wie die Entwicklungshilfe selbst. Frau Merkel kann nur das nachplappern, was andere vorgemacht und vorgeplappert haben. Sie selbst hat von den Zusammenhängen keine Ahnung und auch keine Idee, wie beispielsweise Energiepolitik, Entwicklungshilfe, Wirtschaftspolitik, Sozialpolitik oder Außenpolitik innovativ gestaltet werden könnten.
Die Wirtschaftskrise ist tatsächlich noch nicht überstanden und ich denke sogar, dass Deutschland am Ende der Krise sehr viel schlechter dastehen wird als andere Nationen, weil hierzulande ebenso wie in den USA die Innovation ausbleibt und damit auch langfristig Deutschland als Exportnation nicht bestehen kann.
Nur werden die langfristigen Folgeschäden von Merkels inkompetenter Regierung erst nach und nach sichtbar und möglicherweise dann auch nicht mehr in einen direkten Zusammenhang mit ihr gebracht.
bitte hier entlang, es gibt beeindruckende diagramme anzuschauen....:
bit.ly/9DMLIp
Die HRE kostet uns siebenmal mehr als die jährliche Zahlungen für 5 Mio Hartz-4-Empfänger, doch wer waren die Aktionäre?
Mit acht Milliarden Euro Kapital und 102 Milliarden Euro an Bürgschaften hat die Bundesregierung die HRE bisher gestützt und sie gegen verfassungsrechtliche Bedenken verstaatlicht. Ein Jahr nach der Verstaatlichung müssen die Steuerzahler jetzt noch einmal 40 Milliarden Euro Staatsgarantien berappen. Um eine Vorstellung dieses Riesenbetrages von 150 Mrd Euro zu geben: Die mehr als 5 Millionen Hartz-4-Empfänger erhielten zusammen im letztgemeldeten Jahr 2008 mit 21,6 Mrd Euro ein Siebtel davon, und bei denen soll jetzt im Sparhaushalt gekürzt werden.
Doch wer waren eigentlich die bestimmenden Aktionäre der HRE, die dem deutschen Steuerzahler dies eingebrockt haben und den er noch einmal 8 Mrd Euro nachwerfen mußte, um die HRE zu übernehmen? Die Kleinaktionäre hielten Mitte 2008 vor Ausbruch der Krise gerade einmal 4,5 % der Anteile. Dagegen hielten 17 Großinvestoren, die fast alle ihren Sitz steuergünstig auf den Cayman-Inseln in der Karibik hatten 95,5 % (Abb. 16151, 16152, 16153). Der US-Großaktionär Christopher Flowers hatte erst im April 2008, nur einen Monat nach Eingang des ersten negativen Prüfberichtes der Bafin, auf den Cayman Islands die HRE Investment Holding L.P. gegründet, die dann im Juli bereits mehr als 16 % der Aktien der Hypo Real Estate Holding AG hielt. Offensichtlich hatte er die Aktien sehr billig erstanden und hatte nun in der Hoffnung auf die Unterstützung der HRE durch die Bundesregierung zum großen Geschäft kommen wollen. Doch für die meisten Cayman-Großaktionäre verliert sich die Spur im Inselsand.
bleibt also die wesentliche frage: Wer sind denn nun die wahren Aktionäre der HRE??
Natürlich soll man nicht wissen, wer sich hinter diesen geheimnisvollen Inselanschriften verbirgt. Doch der deutsche Fiskus, der der HRE immer wieder Geld nachwirft, könnte das leicht feststellen, wenn er nur wollte, zumal da auch noch Steuerflucht stattfindet (doch wahrscheinlich will er nicht!). Wahrscheinlich sind es deutsche Banken und Reichenfonds, die sich hier eingekauft haben, um HRE zu übernehmen, als die Größe des Bilanz-Loches noch nicht bekannt war.
Beste Gruesse
Joachim Jahnke
Wie richtig Twain doch liegt - eine plausible Erklärung der Denke einiger! Gefällt mir sehr gut und ist öfter anwendbar.
"Ende gut, alles gut? Noch lange nicht." Diesen sieben Wörtern am Ende des Beise-Artikels kann ich einzig zustimmen!
Im Value Portfolio der HRE schlummern noch 69,7 Mrd. Euro Kredite an die PI(I)GS-Staaten, die dann wohl in der Bad Bank der Soffin landen werden. Nur egal wie lange noch die Defizitländer mit neuen Krediten, welche die alten ablösen ausgestattet werden und den Geldgebern ihrerseits es noch gelingt sich zu refinanzieren, die mangelnde Leistungsfähigkeit der PI(I)GS macht eine Tilgung der weiter anwachsenden Schulden unmöglich. Selbst die Bedienung der Zinsen auf die entstandenen Kreditpyramiden ist in Gefahr, siehe Griechenland.
Warum weitere 40 Mrd. Euro an staatlichen Garantien für die HRE notwendig werden erklärt sich so:
Nur bei Banken müssen bis Ende September 136,831 Mrd. Euro an Verbindlichkeiten der HRE refinanziert werden. Ohne die weiteren Staatsgarantien wäre wohl sonst bei HRE noch in diesem Monat Game Over !
Im August 2009 berichtete ein Querschuss treffend vom kläglichen Geschäftsmodell der HRE: Ein wie bei der HRE aufgeblasenes Geschäftsmodell der Fristentransformation, das langfristige Kredite mit kurzfristigen Verbindlichkeiten refinanziert, ist in dieser Dimension während einer Finanzkrise und Rezession nicht haltbar. Hier wird künstlich mit Staatshilfe ein Ponzi Scheme legitimiert und verlängert.
Quelle Tabellen und Daten
wirtschaftquerschuss.blogspot.com/2010/09/hre-mit-weiteren-40-mrd-euro.html
lässt sich so zusammenfassen wie es ein user im kommentarbereich dort tat:
wie in fast allen Fällen wird egal ob von EU, EZB, FED, Regierungen Aufsichtbehörden, Wirtschaftsprüfern, Banken usw. das weltweit wohl beliebteste Spiel "Extend & Pretend" bzw. "Pray & Delay" tagtäglich auf ungeahnte Höhen getrieben.....
Ponzi wäre stolz... ;-)
von beises kommentar sit eigentlich nur ein einziger satz wirklich wichtig.
"Die Krise ist nicht ausgestanden, und viele von früher bekannte Probleme sind ja nicht verschwunden"
Den unterfüttert beise nur leider nicht mit zahlenmaterial. Warum nicht? Weil einem von diesen zahlen so übel wird dass man die gewählte subheadline "Populismus nach der Krise" getrost in die tonne kloppen kann. Populismus ja, in der tat, den haben wir und die SZ hat fröhlich beim verbreiten geholfen.
Deshalb sollte man sich unbedingt diesen artikel anschauen.:
"HRE mit weiteren 40 Mrd. Euro Staatsgarantie"
Während der Deutsche Michel seinen Erlöser Sarrazin herbeisehnt und damit auf ein nicht nur von den Medien zelebriertes großangelegtes Ablenkungsmanöver hereinfällt, siehe "Divide et impera", /wirtschaftquerschuss.blogspot.com/2010/08/divide-et-impera.html
wird bei der Hypo Real Estate (HRE), der einzigen deutschen Bank die sogar beim Stresstest ohne Stress durchgefallen ist, nochmal kräftig nachgelegt.
...
Deshalb ein Blick auf die "Vermögenswerte" (vergebene Kredite) der HRE zum 1. Halbjahr 2010:
Das Kreditportfolio der HRE nach dem Basel II konformen Exposure at Default (EaD), dass die erwartete Höhe der Forderung zum Zeitpunkt des potentiellen Kreditausfalls anzeigt, betrug zum 30. Juni 374 Mrd. Euro. Deleverage (sinkendes Verhältnis von Aktiva zu Eigenkapital) bei der HRE.....Fehlanzeige, die Aktiva sind weiter gestiegen!
Satte 91,8 Mrd. Euro an Krediten der HRE gehen an die PI(I)GS-Staaten, wie Portugal (5,2 Mrd.), Irland (14,5 Mrd.), Italien (39,7 Mrd.), Griechenland (9,7 Mrd.) und Spanien (22,7 Mrd.).
m Value Portfolio von 248,2 Mrd. Euro, hier sind die Public Sektor & Infrastructure Finance (PS&IF) Kredite gelandet, überwiegend Kredite an öffentliche Kreditnehmer, an staatliche Unternehmen, Projektfinanzierer und Finanzinstitute mit staatlichem Hintergrund. Unter der Rubrik Öffentliche Kreditnehmer in Höhe von 155 Mrd. Euro befinden sich 41% Staatsanleihen. Dieses Portfolio wird in der Bilanz der HRE als nicht strategisch und zum Abbau geplant bezeichnet und wird wohl zum Großteil in der geplanten Bad Bank (FMS Wertmanagement) der Soffin landen. Das technische Transaktionsrisiko bei der Übertragung der "Wert"-papiere auf die Bad Bank der Soffin, soll die Hälfte der neuen staatlichen Garantien sicherstellen.
weiter in teil 2
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