In Zeiten der Finanzkrise kann die Politik nicht anders - sie muss aktiv steuern. Sonst sollte sie es besser lassen.
Die Deutschen sind ein wundersames Volk, besonders in Wirtschaftsfragen. Deutlich zeigt sich das in der gegenwärtigen Finanzkrise. Nicht nur dass sich immer mehr Menschen ohne gesicherte Datenbasis in Untergangsszenarien ergehen darüber, wie schlimm es mit den Finanzen, der Konjunktur und der Wirtschaft insgesamt bestimmt noch werde - sie opfern auch gleich ihre wirtschaftspolitischen Überzeugungen. Binnen weniger Monate ist die Soziale Marktwirtschaft, auf die man in Abgrenzung zum marktradikalen US-System immer so stolz war, zum Auslaufmodell erklärt worden. Vom Dreiklang genießt nur noch das Wort "Sozial" Zustimmung. "Wirtschaft" ist zum Angstbegriff geworden und "Markt" sogar ein Unwort.
Betroffene Gesichter: Kanzlerin Merkel und Finanzminister Steinbrück verkünden in Berlin das Rettungspaket für den angeschlagenen Immobilienversicherer Hypo Real Estate. (© Foto: dpa)
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Dabei ist es noch gar nicht so lange her, dass in den neunziger Jahren das ganze Ausmaß der planwirtschaftlichen Misere im Osten offenbar wurde und damit die Überlegenheit des marktwirtschaftlichen Systems. Aber rasch wuchsen die Zweifel am System, als im Zuge der Globalisierung auch andere Wettbewerber ihren Platz begehrten und der deutsche Wohlstand eben nicht mehr so einfach auf Kosten der restlichen Welt verdient werden konnte.
Heute, da es in der Finanzwirtschaft zu einer schweren Krise gekommen ist, wollen die Deutschen nicht etwa nur die Probleme dort beseitigt wissen, sondern ihr freiheitliches System gleich mit preis geben. Neidvoll gucken sie auf Frankreich, wo sich ein konservativer Präsident als Super-Macher präsentiert und per ordre d'Elysee gleich alles regeln will, was nicht wie gewünscht funktioniert. Die von Nicolas Sarkozy vorgeschlagene Teilverstaatlichung wichtiger Konzerne findet in Deutschland einer Umfrage zufolge breite Unterstützung.
Sehnsucht nach dem Regulator
Dass die Finanzwirtschaft gestützt und notfalls verstaatlicht werden soll, wird schon gar nicht mehr diskutiert; das versteht sich ja längst von selbst. Aber auch für die Beteiligung des Staats an der Strom- und Gaswirtschaft gibt es große Zustimmung, so die im Magazin Stern veröffentlichte Umfrage des Forsa-Instituts. Danach hielten 77 Prozent der Deutschen einen solchen Schritt für gut. Selbst im gegenüber staatlichen Eingriffen traditionell skeptischen bürgerlichen Lager ist die Mehrheit deutlich: 73 Prozent der Unions- und 70 Prozent der FDP-Anhänger befürworteten eine Teilverstaatlichung der Energiekonzerne. Die größte Mehrheit findet sich, das ist schon weniger überraschend, mit 84 Prozent bei den Grünen.
Und weiter: Auch eine Staatsbeteiligung an Fluggesellschaften, Bahn und Post findet der Umfrage zufolge bei einer Mehrheit eine Zustimmung von 60 Prozent. Die Anhänger von SPD, Grünen und Linkspartei wollten zudem die Chemie- und Pharmabranche mehrheitlich unter die Fittiche des Staats bringen - warum nicht auch gleich noch das Gesundheitssystem inklusive aller Ärzte und Apotheker? Die Umfrage deckt sich mit der gefühlten Stimmung im Land, die sich bei zahlreichen Veranstaltungen, in Meinungsbeiträgen und in anderen Umfragen messen lässt.
Allmachtsphantasien
Hinter solchen Forderungen steckt ein schreckliches Missverständnis: Dass nämlich die Marktwirtschaft eine Schönwetterveranstaltung sei. Nur dort, wo es nicht darauf ankommt, dürfe der Staat sich raushalten. Sobald Probleme auftauchen, oder in allen einigermaßen wichtigen Bereichen soll doch bitte der Staat Herr des Verfahrens sein. Hilfreich wäre hier die Erinnerung an das Demokratie-Wort des britischen Premier Winston Churchill aus dem Jahr 1947, das in abgewandelter Form lauten könnte: "Marktwirtschaft ist die schlechteste aller Wirtschaftsformen - abgesehen von all den anderen Formen, die von Zeit zu Zeit ausprobiert worden sind." Warum auch sollte ein einzelner Beamter, ein Minister, eine Kanzlerin, warum sollten ganze Beamtenapparate besser wirtschaften können als die Summe der Marktteilnehmer?
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Gysi gegen Lafontaine
Wo war eigentlich der Marc Beise in den letzten zehn Jahren? Die soziale Marktwirtschaft wird nicht etwa jetzt in Frage gestellt, sondern wurde im Zuge der "Reformdebatten" der vergangenen Jahre erheblich angezweifelt und zwar von denjejnigen, die diese Modell in eine "Neue soziale Marktwirtschaft" umformen wollten, die mehr an einem monetaristischen angloamerikanischen Wirtschaftsverständnis ausgerichtet sein sollte.
Dass in der jetzigen kritischen Situation staatliche Eingriffe diskutiert werden, ist kein deutsche Spezifikum, sondern geschieht in einem internationalen Kontext.
Vielmehr ist die Ablehnung z.B. von Konjunkturprogrammen ein deutscher Sonderweg - in allen anderen Nationen ( inkl. USA ) sind sie ein häufig genutztes Instrument der Wirtschaftspolitik.
Marc Beise schreibt, Zitat:"Die Deutschen sind ein wundersames Volk, besonders in Wirtschaftsfragen. Deutlich zeigt sich das in der gegenwärtigen Finanzkrise." Er hat wohl nicht ganz unrecht. Aber dieses wundersame Volk sitzt vermehrt in den Chef-Redaktionen der meinungsbildenden Zeitungen. So muss ich darauf hinweisen, dass die Welt seit Beginn der 90er Jahre inzwischen mindestens die vierte Finanzkrise erlebt. In der Tat ist die gegenwärtige mit Abstand die größte. Es zeigt sich indes, dass wohl einiges schief gelaufen sein muss, wenn sich die Krisen häufen! Eine Analyse findet aber gerade in den Chefredaktionen der Meinungsbildner nur sehr zögernd statt. Stattdessen werden fröhlich Sprechblasen fabriziert, wie " globaler Wettbewerb" u.dgl. m. Auch wird nicht untersucht, warum die Begriffe Markt und Wirtschaft derart in Verruf geraten sind. Die Aufzählung der Gründe will ich mir versagen, da ich in vielen einschlägigen Kommentaren explizit darauf eingegangen bin. Jedoch wäre es sicher spannend, zu untersuchen, inwieweit diverse Medien sich zum Werkzeug einschlägiger Interessenverbände haben machen lassen und somit obiges Phänomen mit produziert haben. Das Ganze wird noch weit peinlicher, als sich nun herausstellt, dass eine Reihe dieser klugen Theorien weithin in ein Desaster münden.
Diese Erkenntnis setzt sich - man mag es kaum glauben - munter fort. Wir werden vermutlich noch in dieser Woche erleben, wie sich einige Experten erlauben, diese abenteuerlichen Ansichten weiter zu kultivieren! In diesem Zusammenhang ist es mehr als bemerkenswert, dass Kräfte in diesem Land und in anderen Ländern jahrelang beschwörend gefordert haben, dass sich der Staat unbedingt aus der Wirtschaft heraushalten soll. Die gleichen Leute schreien neuerdings nach dem Staat. Selbst die FDP bastelt jetzt in aller eile nach einem neuen Parteiprogramm, in dem - man höre und staune - nach staatlichen Regelungs - Mechanismen gesucht wird.
Nur eine Gaststätte ohne Gäste geht Pleite. Billig arbeit vor allem im Osten Deutschland Hochburg Brandenburg, Ministerpräsident Platzek sagte ja das es noch nie so wenig Arbeitslose gab wie jetzt. Das Stimmt, aber um welchen Preis? Arbeit für 3,42 die Stunde und weniger oder als Leiharbeiter um die 6 die stunde Und das nennt man Sozialstaat ist das Sozial gerecht??? Arm durch Arbeit durch missbrauch von Arbeitskräften Zuhälterei in der Berufswelt Vergewaltigung der Arbeitskraft eines jeden einzelnen Arbeitnehmer der unter 10,00 Stundenlohn Arbeitet. Und Darauf sind unsere Politiker Stolz? Pfueteufel kann ich da nur zu sagen. Die Leben Besser als Erich Honecker und wir müssen den Dreck fressen. und das in einen sogenannten Sozialstaat.Leute kauft die Marktwirtschaft geht pleite, Arschkarte. keiner da der geld hat. hört weiter auf Statistiken und ihr seit schneller unten als es euch Lieb ist.
Logisch schreit das Volk in der Krise nach dem Staat, vor allem in Deutschland. Selbstverständlich darf das Banken- und Finanzsystem nicht in die Hände des Staates, dies hätte ungeahnte Auswirkungen auf das Gesamtsystem. Wo ich aber den Forderungen Recht geben muss, ist das Grundversorgungssystem mit Strom, Gas und Verkehr. Wir haben ja gesehen, was nach der Liberalisierung von Strom und Gas passiert ist. Eine marktwirtschaftlich erklärbare Preisfindung gibt es nicht, der Preis reguliert sich dank der Strombörse von selbst, und zusätzlich werden alle Nase lang die Preise erhöht. Das Gebietskartell, dass eon, RWE, EnBW und Vattenfall in Deutschland eingerichtet haben, scheint auch niemanden zu interessieren, obwohl es eindeutig gegen geltendes Recht verstößt.
Das größte Problem am Markt aber ist doch, so wie bei VW geschehen, das Verlustspekulationsgeschäft, bei dem man darauf hofft (!), dass eine Aktie sinkt. Wie soll unsere Wirtschaft ihr Wachstum beibehalten, wenn einzelne darauf spekulieren, dass andere verlieren? Das widerspricht jeglichem kapitalistischen Prinzip. Natürlich ist es aber auch falsch, alle Spekulanten, Banker und Wirtschafter zu verteufeln, die machen schließlich auch nur ihren Job und haben, auch wenn es unglaublich klingt, Deutschland zur stärksten Wirtschaftsmacht Europas gemacht. Abgeschafft gehören also nicht die Banker, sondern derartige Finanzprodukte, einschließlich der Hedge-Fonds, die jetzt berechtigterweise um ihre Existenz fürchten.
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