Von Von Nina Bovensiepen

Während Angela Merkel mitsamt ihrer "Gemischt-lohnabhängigen- Arbeitgeberbeitrags-Fondssteuerergänzungsfinanzierten-Teilpauschalprämie" in Umfragen unter Wirtschaftsführern abstürzt, genießt Gerhard Schröder ungewohnt viel Zuspruch.

Dass der komplizierte Gesundheitskompromiss von CDU und CSU noch für viel Spott sorgen wird, ist spätestens seit Montag klar. Welche Genugtuung dies den Regierenden bereitet, offenbarte sich am Dienstag den Gästen des Arbeitgebertages.

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Bundeskanzler Schröder und Arbeitgeberpräsident Hundt (© Foto: dpa)

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Arbeitgeberpräsident Dieter Hundt hatte ins Berliner Maritim-Hotel geladen, als Ehrengast saß Bundeskanzler Gerhard Schröder in der ersten Reihe, und als Hundt unter dem Gelächter des Publikums die "gemischt-lohnabhängige-Arbeitgeberbeitrags-Fondssteuerergänzungsfinanzierte-Teilpauschalprämie" der Union geißelte, sprach das Mienenspiel des Kanzlers Bände.

Dass Hundt die rot-grüne Bürgerversicherung eigentlich für noch verwerflicher hält als das CDU/CSU-Modell, spielte da kaum noch eine Rolle.

Es ist zwar nur eine Szene am Rande, doch sie ist symptomatisch für einen Stimmungsumschwung, der sich bei vielen Wirtschaftsmächtigen der Republik derzeit vollzieht.

Denn so viele Streitfragen Unternehmer und ihre Lobbyisten auch von Schröder trennen, von der Gesundheitsreform über den Mindestlohn bis zur Mitbestimmung - einer möglichen Kanzlerin Angela Merkel traut man offensichtlich noch weniger zu.

Mit einem fast mitleidvollen Blick begrüßte Hundt die CDU-Chefin zu ihrem Auftritt beim Arbeitgebertag mit den Worten, die Union biete derzeit ein "nicht immer ganz überzeugendes Bild", ja, sie wirke oft "geradezu orientierungslos". Mit gesenktem Kopf und verkniffenem Mund vernahm Merkel die Kritik.

Lob vom Siemens-Chef

Das desolate Bild, das die Union bietet, schlägt sich inzwischen in den Umfragewerten für die CDU-Vorsitzende nieder. So stürzte Merkel im Urteil der Führungskräfte der deutschen Wirtschaft zuletzt deutlich ab.

In einer Untersuchung des Psephos-Instituts für das Handelsblatt beispielsweise schnitt die Parteichefin zum ersten Mal seit Ende 2001 schlechter als der Kanzler ab.

Während sich 62 Prozent der Befragten zufrieden über die Leistung Schröders äußerten, ist nur noch jeder vierte Wirtschaftsführer zufrieden mit der Politik der Union. 44 Prozent der Manager gaben Merkel die Note "schlecht", 19 Prozent sogar "sehr schlecht".

Zuvor hatten 54 Prozent der Topmanager in einer Umfrage des Allensbach-Instituts für das Magazin Capital bereits geurteilt, Merkel habe nicht das Format zur Kanzlerin.

Schröder dagegen schlägt seit einiger Zeit so viel Sympathie und Zustimmung aus der Wirtschaft entgegen wie noch nie in seiner Regierungszeit.

Vor einem Jahr musste er sich beispielsweise auf dem Arbeitgebertag noch kritisch fragen lassen, ob Deutschland überhaupt reformfähig sei. Jetzt versicherte Hundt dem Kanzler "Respekt, Anerkennung und weitere Unterstützung" für dessen Reformkurs.

"Durchhalten, durchschwimmen"

Dieser ließ es sich dann auch nicht nehmen, in geradezu präsidialer Manier vor den mehr als 1000 Gästen die Erfolge seiner Regierungszeit darzulegen und die Arbeitgeber zu mahnen, ja die Finger von der Mitbestimmung zu lassen.

Auch Siemens-Chef Heinrich von Pierer erklärte kürzlich, Schröder habe mit seiner Agenda 2010 "die Grundlage für den Wiederaufstieg Deutschlands geschaffen". Und sogar im anfangs angespannten Verhältnis zu dem Präsidenten des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI), Michael Rogowski, gibt es keine Misstöne mehr.

"Durchhalten, durchschwimmen. Aufhören heißt Untergang, das wünschen wir Ihnen nicht", rief Rogowski dem Kanzler auf der BDI-Jahrestagung im Sommer zu. Gemeinsam mit dem Industrieverband entwickelt das Kanzleramt zur Zeit eine Imagekampagne für den Standort Deutschland. Anlass ist die Fußball-Weltmeisterschaft 2006.

Imagekampagne für die WM

Mit der Bundestagswahl, die dann ebenfalls stattfindet, will der Industrieverband die Aktion nicht verknüpft sehen. Man könne es ja nun mal nicht ändern, dass beide Ereignisse zeitlich zusammenfallen, heißt es dort.

Es darf aber dennoch bezweifelt werden, ob sich BDI und Kanzleramt, die für die Kampagne jeweils zehn Millionen Euro ausgeben wollen, vor ein paar Jahren auch schon zu einer solchen Allianz zusammengeschlossen hätten.

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(SZ vom 17.11.2004)