Atemberaubendes Wirtschaftswachstum in Peking, Katzenjammer in Washington - gewinnt der autoritäre Kapitalismus den Krieg der Systeme?
In Peking werden Dissidenten verhaftet, aber moderne Hochhäuser wachsen so schnell aus dem Boden wie Bambus im Frühlingsregen. In Moskau stehen kritische Journalisten mit einem Bein im Grab, aber die Petrodollars lassen die Skyline glitzern.
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Unbürokratisch schnell hochgezogen: Das neue CCTV-Hochhaus des chinesischen Rundfunks in Peking. (© Foto: AFP)
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Gleichzeitig wird der Kapitalismus in den USA und in Europa nicht nur von einer Finanz-, sondern auch von einer Sinnkrise gebeutelt. Ist es also an der Zeit, die Systemfrage zu stellen? Ist die Kombination aus Demokratie und Kapitalismus ein Auslaufmodell, während dem autokratischen Kapitalismus à la China oder Russland die Zukunft gehört?
Zumindest die Kommunisten in China, das war nicht anders zu erwarten, beantworten diese Frage derzeit aus vollem Herzen mit Ja. "Die Überlegenheit des sozialistischen Wirtschaftssystems hat sich in der gegenwärtigen Weltfinanzkrise bewiesen", schreibt die aktuelle Ausgabe der Volkstribüne, Renmin Luntan, ein Ableger der parteieigenen Volkszeitung. Der westliche Kapitalismus, laut Marx und Mao eine zum Scheitern verurteilte Sackgasse, scheint endlich vor dem lange vorausgesagten Aus zu stehen.
Prestigeprojekte in atemberaubender Geschwindigkeit
Doch nicht nur die übliche Propaganda, auch der Augenschein scheint dem chinesischen Modell aus politischer Repression und staatlich gelenktem Turbokapitalismus derzeit zumindest wirtschaftlich recht zu geben - lässt man moralische Fragen ausnahmsweise einmal außen vor.
Man muss die glänzenden Augen europäischer Politiker und der sie begleitenden Reporter gesehen haben, wenn sie das erste Mal Peking oder Shanghai besuchen. Von "Dynamik", von "komplettem Wahnsinn" ist da oft die Rede, wenn die Buskolonnen mit den staunenden Gästen durch die neuen Megastädte rollen.
Und Architekten aus Deutschland, der Schweiz, aus Holland oder England berichten stolz, wie unbürokratisch schnell sie ihre CCTV-Hochhäuser, ihre Vogelnester, Opernhäuser oder Flughäfen in China "hochziehen" konnten.
Ungetrübt von langwierigen Genehmigungsverfahren in demokratischen Gesellschaften können in Ländern wie China und Russland viele Prestigeobjekte mit atemberaubender Geschwindigkeit realisiert werden, natürlich zur Ehre ihrer Herrscher, aber durchaus auch im Interesse des Wachstums und des Gemeinwohls.
Der neue, von Sir Norman Foster entworfene Terminal drei des Pekinger Flughafens, der größte der Welt, ist in nur vier Jahren aus dem Boden gestampft worden. So lange hatten in London Heathrow zuvor allein die Konsultationen mit der Öffentlichkeit gedauert.
Wirtschaftsleistung geradezu explodiert
Auch nackte Zahlen und Statistiken scheinen sich zu einem eindrucksvollen Plädoyer für Chinas "sozialistische Marktwirtschaft" oder ähnlich dirigistische, mit starker Hand von einer Macht-elite geführte Volkswirtschaften zu addieren.
Seit Beginn der Reform- und Öffnungspolitik Deng Xiaopings, also nach 1978, ist Chinas Wirtschaftsleistung geradezu explodiert, zuletzt seit 2003 mit jährlichen Wachstumsraten des Bruttoinlandsproduktes (BIP) von über zehn Prozent. Und selbst jetzt, wo die internationale Finanz- und Wirtschaftskrise auch in China auf den Exportsektor durchschlägt, ist noch von Wachstumsraten um acht Prozent die Rede, auch wenn das erst noch abgewartet werden muss.
Chinas wirtschaftliche Entwicklung der letzten Jahrzehnte ist zweifellos ein großer Erfolg. Eine ähnlich lange Phase schnellen Wachstums hat es allerdings auch schon einmal in einem demokratischen Land gegeben, im Nachkriegs-Japan der Jahre 1955 bis 1973 mit einem durchschnittlichen jährlichen BIP-Wachstum pro Kopf von über acht Prozent.
Selbst wenn die damals pausenlose Herrschaft der japanischen Liberaldemokratischen Partei und die Verflechtung aus Wirtschaftsbürokratie und mächtigen "Keiretsu"-Konglomeraten oft ironisch als eine andere Art von Staatssozialismus belächelt wird: Von der An- oder Abwesenheit der Demokratie scheint schnelles Wachstum in Asien jedenfalls nicht abhängig zu sein.
Lesen Sie auf der zweiten Seite, welche Parallelen die Phasen wirtschaftlichen Wachstums in Japan und China aufweisen
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Der Boom Chinas basiert im wesentlichen auf dem Absatz ihrer Produkte in der freien Welt, ohne diese stünde China exakt da wo sie vor der privater Antrieb ist gut Maxime standen.
So gesehen stellt sich diese Frage eigentlich nicht. Das kommunistische System wird letztlich durch unser System gesichert, weil wir dessen überleben bezahlen.
Den Schluss, der hier von der Redaktion suggeriert wird, halte ich für groben Unfug mit dem Zweck, die Demokratie auch hierzulande zu desavouieren: ich erinnere mich noch gut an die Begeisterung deutscher Industriekapitäne, die gemeinsam mit Kanzler Kohl den indonesischen Diktator Suharto - das Blut von Millionen Opfern an seinen Händen - besuchten.
China war "autokratisch" lange vor dem großen Wirtschaftsboom. Ungeachtet dessen gibt es einen ganz deutlichen Zuwachs von Freiheiten in den zurückliegenden Jahren, auch wenn die Gesamtlage noch unbefriedigend ist.
Bei uns hingegen befinden wir uns im Prozess des Abbaus von Bürgerrechten, wie gerade das BKAGesetz demonstriert.
Wer nun einmal auf das - nach westlichen Kriterien - demokratische Indien schaut, stellt fest, dass insgesamt eine vergleichbare Reihe von Brutalitäten gegenüber der Bevölkerung stattfindet: ein nennenswerter Vorteil in ökologischer Sicht ist gegenüber China kaum zu erkennen. Die Rechtslage der Beschäftigten und der Bevölkerung ist zum Teil sogar noch ungünstiger.
Beide Länder haben ein großes Problem mit Korruption: besser als der Siemens-Konzern stehen sie diesbezüglich auch nicht da.
In den Ländern, die nach westlichem Muster "demokratisch" verfasst sind, besteht der Unterschied vor allem darin, dass dort keine kommunistische Partei kontrollierend im Weg steht, und dass der Käuflichkeit der Politik des Landes kaum Grenzen gesetzt sind.
So mögen es die westlichen Konzerne: man hält sich eine "demokratische" Regierung, ihre Politiker, und der Zugriff auf Märkte und Ressourcen verläuft entspannt und ungehemmt.
Dort, wo das nicht der Fall ist, wie in China, muss man Diejenigen, die dem im Weg stehen, als "autoritär" brandmarken, bis sie mürbe werden.
1,2 Billionen Dollar (!) stellt China seinen Banken und der Wirtschaft zur Verfügung.
Die offiziellen Waxhstumszahlen sind Lügen, Millionen Arbeiter finden keine Arbeit mehr.
Massenhaft wurden und werden Fabriken geschlossen: Der chinesische Exportboom ist am Kollabieren, die Bauindustrie bricht gerade um 20% ein.
Bei uns stapeln sich die unverkäuflichen chinesischen Ramschwaren auf den Billig-Billig-Tischen überall.
Chinas Zauber ist dahin, die eisige Realität der Rezession wird das Milliardenvolk schwer treffen.
Zitat:"Auch nackte Zahlen und Statistiken scheinen sich zu einem eindrucksvollen Plädoyer für Chinas "sozialistische Marktwirtschaft" oder ähnlich dirigistische, mit starker Hand von einer Macht-elite geführte Volkswirtschaften zu addieren."
Erhebliche Zweifel sind angebracht. Noch hat sich kein einziges System als das allein seligmachende heruasgestellt. Immer, wenn zuwenige bei der "Reise in den Wohlstand" mitgenommen werden, kommt es irgendwann zum Zusammenbruch. Die Anzeichen dafür sind in China bereits heute erkennbar, früher als in jedem anderen Land auf dem Weg zur Wirtschaftsmacht.
Der egozentrische sogenannte Westen bewegt sich, insb. im Blick auf Russland und China, regelmässig zwischen dümmlicher Unterschätzung und erotisiertem Zukunftskult, letzteres meist, wenn es etwas mitzuverdienen gibt.
In den Neunzigern wurde "Ostdeutschen" gern dazu gratuliert, dass sie alle einmal Russisch in der Schule lernen durften. "Weil in Russland nämlich die Zukunft liegt."
1998 erklärte Russland den Staatsbankrott.
Seither ist es vor allem berühmt für das Hervorbringen von Personen, die, mit merkwürdigen Mengen Geldes und eigenartigem Geschmack ausgestattet, sich bevorzugt ausserhalb Russlands aufzuhalten scheinen.
Alpha-Männer wie Schröders Gerd sind natürlich beeindruckt, wenn diese grosse Dinger aus der Hose holen.
Man sollte meinen, nach Dekaden der Hoffnung, der Mensch würde sich durch noch gewaltigere Behausungsklötze, mehr Beton, Stahl, Plastik und das Asphaltieren der Natur wohler fühlen in seiner Haut, es hätte sich eine gewisse Müdigkeit eingeschlichen an solchen Bildern, und Fortschritt würde mittlerweile anders definiert.
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