Wirtschaftsfaktor Fußball Kurze Hosen und der "hohe Abstrahleffekt"

Fußballvereine listen eilig auf, was sie für die Wirtschaft leisten. Sie fürchten, dass sie Polizeieinsätze zahlen sollen. Da werden kuriose Vergleiche bemüht.

Von H. Freiberger

Die Deutsche Fußball-Liga (DFL) geht in die Offensive: Am Dienstag veröffentlichte das Unternehmen, das den 36 Vereinen der Ersten und Zweiten Bundesliga gehört und das den Sport vermarktet, in Frankfurt neue Zahlen zur volkswirtschaftlichen Bedeutung von König Fußball.

Danach spielt der Profifußball in Deutschland als Arbeitgeber und Steuerzahler eine größere Rolle als bisher bekannt. "Unser Fußabdruck ist größer als erwartet", sagte DFL-Geschäftsführer Christian Seifert.

Die Studie, die die Unternehmensberatung McKinsey erstellte, kommt pünktlich zu einem Gipfel der DFL mit Politik und Polizei am Freitag kommender Woche. Dabei geht es darum, ob die Vereine sich an den Kosten von Polizeieinsätzen bei Spielen beteiligen sollen.Seifert lehnt das ab: "Wir sind nicht bereit, Teilkosten zu übernehmen." Er sehe dafür schon allein verfassungsrechtlich keine Grundlage. Die Sicherheit rund um öffentliche Veranstaltungen zu gewährleisten, sei eine Aufgabe der öffentlichen Hand. "Bei Castor-Transporten wird diese Frage auch nicht gestellt", sagte er.

Wertschöpfung: 5,1 Milliarden Euro

Mit der Studie will die DFL aufzeigen, welche Werte der Profifußball in der deutschen Wirtschaft schafft. Zugrunde gelegt wurden dabei Daten aus der Saison 2007/08 mit allen Spielen der beiden Bundesligen, des DFB-Pokals, der Europaligen mit deutscher Beteiligung und der Herren-Nationalmannschaft. Danach beläuft sich die Wertschöpfung auf 5,1 Milliarden Euro im Jahr.

Sie setzt sich zusammen aus den Gewinnen, die die Vereine und alle am Profifußball beteiligten Firmen machen, zum Beispiel Lizenznehmer und Fernsehsender, aber auch Würstchenverkäufer im Stadion. Hinzu kommen die Löhne und Gehälter, die diese Betriebe an ihre Beschäftigten auszahlen. Die 5,1 Milliarden Euro Wertschöpfung entsprechen 0,2 Prozent des Bruttoinlandsprodukts. "Damit trägt der Profifußball jeden 500. Euro zur deutschen Wirtschaftsleistung bei", sagte Thomas Netzer von McKinsey.

Zu jedem Euro, den die Bundesligavereine selbst erwirtschaften, kommen 1,40 Euro von Vermarktern, TV-Anstalten und Werbetreibenden hinzu, 0,20 Euro von Begünstigten wie Hotels und Gastronomie sowie 0,80 Euro von Zulieferern wie Einzelhandel und Sicherheitsdiensten. Das heißt: Pro 100 Euro, die im Fußball erwirtschaftet werden, kommen 240 Euro außerhalb dazu. McKinsey spricht von einem "hohen Abstrahleffekt".

"Sehr stolz"

Am Profifußball hängen zudem 71.000 Vollzeitstellen. Rechnet man Teilzeit-Beschäftigte mit ein, sorgt die Branche für 110.000 Jobs - so viele wie Daimler oder Siemens. "Profifußball ist nicht nur eine Veranstaltung von Besserverdienenden in kurzen Hosen", sagte Seifert.

Um den gesellschaftlichen Nutzen der Branche zu unterstreichen, ließ die DFL in der Studie auch ausrechnen, wie viel Steuern und Abgaben die am Fußball hängenden Unternehmen zahlen. McKinsey kommt auf die Summe von 1,7 Milliarden Euro, in erster Linie für Umsatz- und Lohnsteuer sowie Sozialabgaben.

Dem stellt die Studie die Kosten gegenüber, die der Profifußball verursacht, insgesamt 200 Millionen Euro. Der Großteil davon sind mit 150 Millionen Euro Kosten für Polizeieinsätze. "Wir haben uns dabei an der höchsten von der Polizei genannten Summe orientiert", sagte Seifert. Ziehe man die Kosten ab, zahle der Profifußball netto 1,5 Milliarden Euro an den Staat. Das entspricht 0,1 Prozent aller öffentlichen Einnahmen. "Mit dieser Summe könnte der Etat der fünf größten Universitäten in Deutschland finanziert werden", sagte McKinsey-Mann Netzer.

Seifert findet, die Clubs könnten "sehr stolz auf das sein, was sie zur Volkswirtschaft beitragen". Man werde den politischen Dialog selbstbewusst führen und sich keine Selbstbeteiligung überstülpen lassen. Aber, so fügte er an: "Wir werden nicht beinhart in die Gespräche gehen, wir wissen, was wir an den Einsätzen der Polizei haben."