Wirtschaftsfaktor Alpakas in Deutschland Der 500.000-Dollar-Hengst

Das meiste Geld verdient Müller mit dem Verkauf und der Zucht. Da ein Fohlen mit entsprechendem Stammbaum, Statur und Faserqualität genauso viel einbringen kann, wie die Mutterstute gekostet hat, gelten Alpakas als gute Investition.

Das südamerikanische Alpaka ist auch in Deutschland beliebt: Es hat ein wertvolles Vlies und einen sanften Charakter.

(Foto: dpa)

"Zuchtstuten bekommt man in Deutschland nicht unter 5000 Euro, nach oben gibt es keine Grenzen", sagt die Sprecherin des AZVD. "Gute Zuchthengste werden auch mal für 30.000 Euro verkauft." Ein stolzer Preis - und dennoch sind Alpakas in Deutschland vergleichsweise günstig, der Markt ist noch nicht so weit entwickelt wie etwa in den USA. Der bislang teuerste Alpakahengst der Welt wurde für 500.000 Dollar versteigert.

Müller hat in diesem Jahr bereits mehr als ein Dutzend Alpakas verkauft. Die Kunden sind vielfältig: andere Alpakazüchter, Landwirte, die von Rindern oder Schafen auf Alpakas umsteigen, Personen, die Alpakas als Prestigeobjekt halten oder Familien mit Kindern. Auch Tiertherapeuten setzen Alpakas ein - die Ausstrahlung der Tiere kommt bei kranken und behinderten Menschen wie Autisten gut an.

Müller behält die meisten seiner Tiere selbst, um mit ihnen zu züchten. Seine Hengste hat er in dieser Saison auch zum Decken nach Österreich, Slowenien und Mecklenburg-Vorpommern gebracht und pro Stute zwischen 500 bis 800 Euro verdient, andere Züchter nehmen bis zu 1200 Euro pro Deckversuch.

Das jüngste Fohlen auf dem Hof ist erst wenige Wochen alt - ein Spätzünder. Die meisten Fohlen kommen Ende April bis Anfang September, viele Stuten tragen, wenn sie im Mai geschoren werden. "Dann sind sie richtig zickig", sagt Müller. Beim Scheren spucken die sonst so sanften Tiere manchmal sogar Menschen an oder versuchen zu flüchten.

Begehrte Edelfaser

Das Suri-Alpaka wird nur alle zwei Jahre geschoren, bei der seltenen Alpaka-Art hängt das Haar in langen, gelockten, geraden Strähnen herab. Den häufiger vorkommenden teddyartigen Huacaya-Alpakas mit der gekräuselten Haarstruktur scheren die Züchter ihr Vlies jedes Jahr ab - möglichst in einem Stück. Dann rollen sie es zusammen und konkurrieren bei Wettbewerben um Feinheit, Glanz und die Kräuselung namens Crimp. Müller hat eine ganze Wand voller Rosetten an einer Stellwand vor seiner Haustür hängen, die seine Tiere gewonnen haben.

Die Alpaka-Faser ist mit ihren 22 natürlichen Farbtönen und 60 Farbschattierungen in der Modeindustrie begehrt - doch wegen dem überschaubaren Alpakabestand und ihrer langsamen Vermehrung macht Alpakafaser derzeit nur etwa ein Prozent der weltweiten Tierfaserproduktion aus.

Auf dem Weltmarkt ist besonders die feine Alpakafaser, Babyalpaca und Super Fine, schnell vergriffen. Bei etwa 15 Euro liegt der aktuelle Kilopreis. Dem Alpaca Market Report der Schneider-Gruppe zufolge hält die Nachfrage an, die Preise werden weiter steigen und sogar minderwertigere Fasertypen werden immer teurer.

Doch deutsches Vlies fällt auf dem Weltmarkt bisher kaum ins Gewicht - die Mengen sind einfach zu gering. Die seltene Faser hat hierzulande deshalb einen stolzen Preis: Ein Kilo kostet dem Alpakazuchtverband zufolge 80 bis 100 Euro, Müller hält einen durchschnittlichen Kilopreis von etwa 30 Euro für realistisch. Jedes Alpaka produziert etwa drei bis vier Kilo Wolle pro Jahr.

"Alpakaprodukte sind in Deutschland ein absolutes Luxusprodukt", sagt die Sprecherin des Zuchtverbandes. Den typischen Kunden gebe es nicht. Eine Geringverdienerin, die sich ausnahmsweise eine Decke für 350 Euro bestellt, sei ebenso dabei wie gutbetuchte Kundinnen, die sich Pullover anfertigen lassen.

Von Ponchos bis zu Hundekissen

Ein Teil der Fasermenge von Müllers Alpakas wird zu Bettdecken für Allergiker verarbeitet, teils gibt er die Wolle auch an Spinnkreise ab, die das Vlies an einem Spinnrad zu Garn verarbeiten. "Sie bekommen zwei bis drei Kilo Wolle, einen Wäschekorb voll, behalten die Hälfte und geben mir den Rest zurück", sagt Müller.

In seinem Hofladen verkauft er die Wolle sowie Endprodukte wie Kissen, Ponchos, Pullover oder Socken. Viele der Kleidungsstücke importiert Müller noch direkt aus Südamerika - in Zukunft möchte er aber mehr Eigenkreationen verkaufen. "Es gibt immer mehr Möglichkeiten um die Wolle abzusetzen", sagt der Züchter. So stelle zum Beispiel ein kleineres Unternehmen inzwischen therapeutische Kissen für Hunde aus Alpakawolle her.

Seit Mai gibt es in Deutschland zudem die erste Fasermühle, die auch kleinere Mengen ab 500 Gramm Rohmaterial maschinell verarbeiten kann. Die Naturfasermühle läuft der Geschäftsführerin Conny Böhme zufolge zwar noch im Probebetrieb, doch der Andrang ist groß. "Wenn man jetzt etwas dort hinschickt, wird es bis Weihnachten nicht fertig", sagt Dominik Müller.

Die noch begrenzte Reichweite des deutschen Alpakamarktes hat auch seinen Charme. Eine Bekannte von Dominik Müller hat ihrer Tochter kürzlich eine Mütze aus Alpakawolle geschenkt - und sich gefreut, dass sie ganz genau wusste, welches Tier dahintersteckt.