Wirtschaftsabschwung Die beschleunigte Krankheit

2009 droht die größte Rezession seit 1949. Die Arbeitnehmer trifft es härter als die Industrie. Am Boom haben sie kaum verdient, aber an der Krise werden sie wieder voll beteiligt.

Von Marc Beise

Und aus dem Chaos sprach eine Stimme zu mir: Lächle und sei froh, es könnte schlimmer kommen. Und es kam schlimmer." Das Fundstück aus dem alten Sprüchekalender - nie war es so treffend wie heute. Das Jahr 2008 wird in die deutsche Wirtschaftsgeschichte eingehen als jenes Jahr, in dem die alten Gewissheiten ungewiss wurden.

Nicht dass ein Abschwung einsetzte nach sieben fetten Jahren, war das Problem: Nein, das war normal, und nur gedächtnislose Menschen hatten anderes erwarten können. Die Wirtschaft ist wie das Leben ein ewiges Auf und Ab, und nach einer ungewöhnlich langen Aufschwungphase seit etwa dem Beginn des Jahrzehnts war natürlich die Abkühlung der Wirtschaft vorauszusehen; eine Gnade schon, dass sie so lange auf sich warten ließ.

Überraschend war vielmehr die Vehemenz, mit der es nach unten ging. Die Finanzkrise, deren Entstehen und Verlauf an anderer Stelle in diesem Heft beschrieben wird, setzte sich auf den sich anbahnenden Abschwung wie eine virale Entzündung auf einen grippalen Effekt, und schon war der Patient richtig krank.

Der Verfall schritt explosionsartig voran. Noch im Oktober gaben viele Unternehmen, vor allem in dem für Deutschland so wichtigen Mittelstand, zu Protokoll, dass sie natürlich schlechtere Geschäfte befürchteten ("Wir lesen ja auch Zeitung..."), aber in den eigenen Auftragsbüchern noch nicht nachweisen konnten. Schon vier Wochen später, im November, herrschte beinahe überall Tristesse. Wo Verbände aus Pflicht oder Neigung noch schönfärberische Prognosen abgaben ("Der deutsche Export ist weiter in guter Verfassung"), sprachen die einzelnen Unternehmen eine andere Sprache. Sie berichteten von Auftragsrückgängen um 20, 30, 50 Prozent.

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