Wirtschaft kompakt Magna hätschelt ihre Kunden

Der Zulieferer Magna will andere Autohersteller neben Opel nicht vergrätzen, Conti baut 2000 Stellen ab, die Bahn wird lange nicht an die Börse gehen und die Wadan Werften melden Insolvenz an.

Der Zulieferer Magna will bei der geplanten Übernahme von Opel seine Kundschaft nicht vergrätzen. Magna-Co-Chef Siegfried Wolf sicherte in einem Interview mit dem österreichischen Wirtschaftsmagazin Format zu, er wolle für eine klare Trennung zwischen dem Zuliefer- und dem Autogeschäft sorgen.

Magna beschwichtigt Kunden, die in der Opel-Übernahme eine Gefährdung ihrer Geschäftsbeziehungen zu dem Zulieferer sehen.

(Foto: Foto: AFP)

Volkswagen, einer der großen Kunden des österreichisch-kanadischen Lieferanten, hatte wegen des Wandels von Magna zu einem Autohersteller Bedenken angemeldet. "Wir müssen im Sinne unserer Kunden sicherstellen, dass es da keine Durchgriffsmöglichkeiten gibt", sagte Wolf.

Ein Problem wäre, wenn technologisches Wissen der Konkurrenz an Opel abfließen oder Magna den Rüsselsheimer Autobauer auf andere Art bevorteilen würde. "Dies wird nicht geschehen", versicherte Wolf. "Wenn wir aber allen Kunden unsere Produkte künftig zu geringeren Kosten anbieten können, dann profitiert jeder davon."

Magna will sich durch die Übernahme der General-Motors-Tochter Opel verstärkt im Automobilbau engagieren und setzt zusammen mit dem Partner GAZ zunächst auf den russischen Markt. Später will Magna Modelle von Opel auch weltweit vertreiben. Das Unternehmen ist bereits seit geraumer Zeit kein reiner Autozulieferer mehr, sondern baut einige Modelle, unter anderem für BMW und Daimler.

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Conti will 2000 Stellen abbauen

Der angeschlagene Continental-Konzern will in seiner Autozulieferer-Sparte mehr als 2000 Stellen in seinen Werken in Bayern und in anderen Teilen Deutschlands abbauen.

Nach Betriebsratsangaben sollen allein in Regensburg etwa 600 Arbeitsplätze gestrichen werden. Mit insgesamt 6000 Beschäftigten zählt Regensburg als ehemaliger Sitz der von Conti übernommenen Siemens-Automobilsparte VDO zu den größten Werken bei Continental.

Der Gesamtbetriebsratschef der Continental Automotive GmbH, Hans Fischl, kündigte am Freitag Widerstand gegen die Pläne an. "Wir werden uns mit diesen Zahlen nicht zufriedengeben." Eine Conti-Sprecherin bestätigte die Planungen für den Abbau von insgesamt 2000 Jobs bis Ende 2010.

Die Zahl könne noch sinken, falls andere Möglichkeiten gefunden würden, die Personalkosten zu senken. Betriebsbedingte Kündigungen sollten möglichst vermieden werden. Die Zukunft des Continental-Konzerns ist derzeit ungewiss. Sowohl Conti als auch Großaktionär Schaeffler sind hoch verschuldet. Derzeit laufen Verhandlungen über die künftigen Strukturen der beiden Konzerne.

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Bahn geht nicht vor 2014 an die Börse

Bundesverkehrsminister Wolfgang Tiefensee (SPD) hat der Einschätzung von Bahnchef Rüdiger Grube über einen denkbaren Bahn- Börsengang schon 2010 oder 2011 widersprochen. Die umstrittene Teilprivatisierung sei zwar nicht grundsätzlich vom Tisch, "aber momentan überhaupt kein Thema", sagte Tiefensee (SPD) der Leipziger Volkszeitung.

"Das Kapitel ist für die nächste (bis Ende 2013 laufende) Legislaturperiode geschlossen und soll auch geschlossen bleiben. Wir fahren alle auf Sicht." Niemand könne voraussehen, wann sich die wirtschaftliche Lage erholt habe und aus der Teilprivatisierung akzeptable Erlöse zu erzielen seien.

Grube hatte kürzlich im Interview mit Bild am Sonntag erklärt, zur Zeit habe das Vorhaben wegen der Finanz- und Wirtschaftskrise keinen Sinn. "Wenn es 2010 oder 2011 hoffentlich wieder bergauf geht, sieht das aber anders aus." Die Bahn als weltweit führendes Transport-und Logistikunternehmen brauche Geld, um international investieren zu können - "und das soll nicht vom Steuerzahler kommen".

Tiefensee betonte dagegen, der Bund versetze die Bahn mit Milliardenbeträgen in die Lage, ihre Bilanz- und Investitions-Ziele in den nächsten vier Jahren auch ohne Teilprivatisierung erreichen zu können. Allein aus den Konjunkturprogrammen erhalte die Schiene 1,3 Milliarden Euro. Davon würden Bahnhöfe saniert, der Lärmschutz verstärkt sowie der Neu- und Ausbau wichtiger Strecken in ganz Deutschland beschleunigt.

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Kein Markenschutz mehr für "Gelbe Seiten"

Im Streit um die Marke "Gelbe Seiten" für ihr Branchenbuch hat die Deutsche Telekom eine Niederlage erlitten. Das Deutsche Patent- und Markenamt verfügte für die Wortmarken die Löschung, bestätigte eine Sprecherin. Zunächst bleibt der Markenschutz für "Gelbe Seiten" aber erhalten, denn die Telekom-Tochter DeTeMedien kündigte an, vor das Bundespatentgericht zu ziehen.

Der Antrag auf Löschung der Marke für Branchenverzeichnisse geht auf das Konkurrenzunternehmen Telegate Media AG zurück. "Die Deutsche Telekom muss endlich begreifen, dass die Monopolzeit des letzten Jahrhunderts vergangen ist", erklärte Telegate-Chef Andreas Albath. Das Patent- und Markenamt habe ein wichtiges Signal für den Wettbewerb gesetzt.

Die Sprecherin des Amtes wollte sich zu Details der Entscheidung aus verfahrensrechtlichen Gründen noch nicht äußern. Bei dem Streit geht es um ein Milliardengeschäft. Schätzungen zufolge fließen jährlich etwa eine Milliarde Euro Werbeeinnahmen allein in gedruckte Branchenbücher.

Die Verlegergemeinschaft kündigte an, bis zu einer endgültigen Entscheidung des Bundespatentgerichts werde man die Marke "Gelbe Seiten" bei Zivilgerichten und Ämtern konsequent verteidigen.

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Wadan-Werften melden Insolvenz an

Die Wadan-Werften in Wismar und Rostock-Warnemünde mit rund 2500 Beschäftigten sind zahlungsunfähig. Für insgesamt fünf Wadan-Gesellschaften sei vorläufige Insolvenzverwaltung beantragt worden, sagte ein Sprecher des Amtsgerichts Schwerin.

Dem Unternehmen zufolge führten ungeklärte Fragen auf Gesellschafterebene zur Ablieferung von Schiffen dazu, dass Kunden-Anzahlungen in dreistelliger Millionenhöhe nicht abgerufen werden konnten. "Wir werden als Geschäftsführung alles in unserer Macht Stehende tun, den Fortbestand der Arbeitsplätze zu sichern", erklärte der Chef von Wadan Yards Germany, Einar Brönlund.

Die Wadan-Werften waren Ende des vergangenen Jahres im Zuge der Finanz- und Wirtschaftskrise in Liquiditätsprobleme geraten. Auch Kredite des Landes Mecklenburg-Vorpommern und Bürgschaften des Bundes reichten nicht aus, die Insolvenz abzuwenden.