Aufatmen allerorten: Der rasante Abschwung in Deutschland ist offenbar gestoppt - und in Frankreich verzichten die Krawall-Arbeiter vorerst auf die Sprengung ihrer Fabrik.
Die Bundesbank signalisiert Entwarnung: Nach Monaten des rasanten Abschwungs hat sich die Rezession in Deutschland zuletzt offenbar stark abgeschwächt. Die Bremseffekte durch den Außenhandel hätten spürbar nachgelassen und der massive, weltweite Vertrauensschock verliere allmählich an Wirkung, heißt es in dem Monatsbericht für Juli. "Nach der rasanten Talfahrt der Industrieproduktion während des Winterhalbjahrs 2008/2009 hat sich die Lage in den Frühjahrsmonaten deutlich aufgehellt", schreiben die Experten zur Lage der Industrie. Insgesamt dürfte die gesamtwirtschaftliche Erzeugung im Frühjahr gegenüber dem Vorquartal nur noch leicht zurückgegangen sein, erklärte die Bundesbank.
Hafen in Hamburg: Schätzungen der Bundesbank zufolge hat sich die Rezession deutlich abgeschwächt. (© Foto: ddp)
Anzeige
Das Statistische Bundesamt will eine erste Schätzung des Bruttoinlandsprodukts (BIP) im zweiten Quartal 2009 am 13. August vorlegen. Im ersten Quartal war das BIP im Vergleich zum Schlussquartal 2008 um 3,8 Prozent eingebrochen. Es war der vierte Quartalsrückgang in Folge und mit Abstand der größte seit Beginn der vierteljährlichen Erhebung im Jahre 1970. Damit steckt Deutschland in der tiefsten Rezession der Nachkriegsgeschichte.
Nach Einschätzung der Bundesbank hat das Exportgeschäft im zweiten Quartal zwar nochmals einen Dämpfer erhalten. Trotzdem könnte der Außenhandel erstmals seit Zuspitzung der Finanzkrise wieder einen positiven Beitrag zur Konjunktur geleistet haben, da die Importe noch stärker eingeschränkt worden seien. Bauinvestitionen dürften aufgrund von Witterungseffekten und staatlichen Infrastrukturprojekten ins Plus gekommen sein, obwohl die Mittel aus den Konjunkturprogrammen bisher erst zu einem kleineren Teil angekommen seien. Gewerbliche Investitionen seien aber weiterhin rückläufig.
Keine Entwarnung gibt die Bundesbank für den Arbeitsmark. "Das niedrige Produktionsniveau belastet in zunehmendem Maß den Arbeitsmarkt", schrieb die Notenbank.
Krawall ist out: Frankreichs Arbeiter setzen auf Verhandlungen
Sie waren wild entschlossen, Teile ihrer Fabrik in die Luft zu jagen - doch jetzt sind die Krawall-Arbeiter aus Frankreich offenbar zu einem Kompromiss bereit. Die Beschäftigten des Autozulieferers New Fabris im westfranzösischen Chatellerault beschlossen am Montag in einer Belegschaftsversammlung, die an ihrem Werksgebäude aufgestellten Gasflaschen vorerst zu entfernen. Die französische Regierung hatte dies zur Bedingung für Verhandlungen gemacht. Die 366 Arbeiter wollen Entlassungsabfindungen von 30.000 Euro durchsetzen, die von den Hauptkunden ihres Werkes, Renault und PSA Peugeot Citroën, gezahlt werden sollen.
"Wir müssen große Anstrengungen unternehmen, denn die Lage ist festgefahren", sagte Betriebsratschef Guy Eyermann vor der Abstimmung zu den Beschäftigten. Er hatte zuvor gewarnt, er könne die Arbeiter nicht mehr unter Kontrolle halten. "Letzten Donnerstag wollten zwei Beschäftigte bereits die Gasflaschen zur Explosion zu bringen", sagte er der Zeitung Le Parisien. Einer habe gedroht, sich selbst gleich mit in die Luft zu sprengen. Eyermann setzt nun auf Gespräche mit dem Industrieministerium. Bringe das nichts, sei immer noch Zeit, die Gasflaschen wieder aufzustellen, sagte der Gewerkschafter der Zeitung. Die Arbeiter hatten vergangene Woche ein "Ultimatum" bis zum 31. Juli gestellt.
Nach den Arbeitern von New Fabris hatten in der vergangenen Woche Beschäftigte von zwei weiteren französischen Unternehmen Gasflaschen aufgestellt und mit der Sprengung von Gebäuden und Firmeneigentum gedroht. Beim Hebebühnenhersteller JLG konnten sie so tatsächlich höhere Entlassungsabfindungen durchsetzen, beim Netzwerkausrüster Nortel immerhin umgehende Gespräche darüber.
Freier Montag für Briefträger
Die Deutsche Post nutzt die Sommerflaute im Briefgeschäft - und spart damit viel Geld. In 15 der bundesweit 85 Briefsortierzentren fällt noch bis Ende August montags die Nachtschicht zwischen 17 Uhr und 22 Uhr aus, das Sortieren der Briefe wird von einem benachbarten Zentrum übernommen. Ebenfalls montags bleibt etwa ein Drittel der Briefträger zu Hause. Ihre Bezirke werden von Kollegen mitbedient, wie ein Sprecher der Post sagte. Mehrere tausend Beschäftigte bauen auf diese Weise Überstunden ab.
Angaben des Sprechers zufolge läuft die Aktion seit Anfang Juli. Das Unternehmen habe damit bereits gute Erfahrungen gemacht. Für die Kunden komme es kaum zu Beeinträchtigungen. Montags sei das Briefaufkommen ohnehin geringer als an anderen Wochentagen. Im Sommer treffe das noch mehr zu, sagte Bensien. Bestimmte Werbesendungen würden zudem in Absprache mit den Auftraggebern auf andere Tage verschoben.
Die Maßnahme sei auf Juli und August begrenzt, sagte der Sprecher. Ob eine solche Aktion im nächsten Sommer wiederholt werde, sei offen.
Der Briefsektor ist nach wie vor der bei weitem wichtigste Gewinnbringer der Post. 2008 erzielte er fast 82 Prozent des operativen Ergebnisses (Ebit). Der Konzern kämpft allerdings seit einiger Zeit mit einem deutlich sinkenden Briefaufkommen. Im ersten Quartal 2009 sank das Ebit - auch rezessionsbedingt - um mehr als 25 Prozent. "Wir sind in einer strukturellen Abwärtsspirale", sagte der Sprecher. Der Markt werde kleiner, unter anderem auch durch die verstärkte Nutzung von E-Mail.
- Konjunktur Kreditklemme schürt Pessimismus 14.07.2009
- Wirtschaft auf Erholungskurs Realistisch bleiben 13.07.2009
- Deutsche Wirtschaft Absturz der Konjunktur vorerst gestoppt 12.07.2009
- Wirtschaft kompakt Erpressung mit der Gasflasche 17.07.2009
- Wirtschaft kompakt Einfach mal die Fabrik sprengen 13.07.2009
Neue Nutzungsbedingungen
substanzlos diese Entwarnung ist. Aber wir haben schließlich Wahlkampf und es sollen ja wieder die gleichen Marionetten an die Macht, damit das Spielchen der Banken mit der Gewinnumverteilung auch ab Oktober munter weitergehen kann.
Das schlimmste an der ganzen Sache ist, dass der "mündige Bürger" diese systematische und geplante Enteignung, die parallel zur unverantwortlichen Geldmengenvermehrung aus dem Nichts durchgeführt wird, nicht überreißt und am 27.09. zur Wahl geht...
Dümmere Schafe können sich doch die Bänker und ihre politischen Helfershelfer, die als "unsere" Volksvertreter unisono den Meineid geschworen haben, Schaden vom Deutschen Volk abzuwenden, zur Legitimierung ihrer Verbrechen am Volk garnicht wünschen.
Ein vorzüglicher Beitrag! Sie benennen detailliert das totale Versagen unserer Amtsträger und unserer Politiker!
Eines aber fehlt mir in Ihrem Beitrag:
Ein möglichst konkreter Vorschlag, wie WIR, das sogenannte "Staatsvolk", uns dagegen mit Aussicht auf Erfolg künftig schützen und die -staatlich/gesetzlich legitimierten, vielfach nur zum Schein kontrollierten Abzocker zum Teufel, besser in unsere Gefängnisse schicken können!
In Frankreich behelfen sich einige der Betrogenen, Entlassenen, Geschädigten mit individuellen Straf-bzw. Gegenmassnahmen; in Deutschland reichte es bisher noch nicht einmal dazu!
1. Sie nehmen ihm die besten Einnahmequellen weg (Banken, Glückspielwirtschaft, Strom-, Gaswirt- und Treibstoffwirtschaft, Tabakindustrie, auch mit Steuergeld sanierte Großbetriebe usw.)
2. Sie übergeben der Staatskasse ganze Heere von Frühpensionisten und Arbeitslosen zur Versorgung. Oft sogar bei guter und bester Gewinnlage.
3. Die aus Profitgier abgebauten Frühpensionisten und Arbeitslosen können natürlich auch nur weniger direkte und indirekte(!) Abgaben an die Staatskasse entrichten.
4. Weiters kosten die Turbokapitalisten (Wirtschaftskapitäne, Großaktionäre, Geldbarone u. dgl.) dem Staat dadurch viel Geld, dass sie viele Förderungen bzw. Steuerentlastungen in Milliardenhöhe bekommen. Obwohl sie es am wenigsten von allen bräuchten.
Und dann gibt es noch die Milliardengeschenke aus der Staatskasse für die Großpleitiers in der Produktions- und Finanzwirtschaft. Wie wir jetzt sehen.
5. Und auch die enormen EU-Mitgliedsbeiträge, die enormen Ausgaben für fragwürdige Militäreinsätze in allen möglichen Ländern, für sündteuere EU-Projekte usw. fallen dem Staat und seinen Bürgern auf den Kopf. Denn das wird nicht von den EU-Milliarden-Gewinnlern bezahlt (die wollen ja möglichst entlastet und beschenkt werden und bekommen das auch), sondern geht vor allem zu Lasten der Staatskasse bzw. der "normalen" Steuerzahler.
Was soll dann noch an Geld für die ureigensten Aufgaben des Staates übrig bleiben? Kein Wunder, dass der Staat verzweifelt ächzt. Obwohl seine Politiker bei dieser Fahrt an die Wand am Lenkrad sitzen und genauso schuld wie die Turbokapitalisten sind.
Die französischen "Sprengmeister" sind mir echt sympathisch!
Die jammern nicht nur, sondern handeln auch geschlossen.
Viva la France!
Nette Idee, leider kaum umsetzbar.
"Was mich an der Sache ärgert ist vor allem, dass alles scheinbar weitergeht wie bisher"
Das ist z.B. nicht der Fall. Etliche gesetzliche Regelungen und Ansichten haben sich geändert. Das gleiche wird nicht mehr passieren. Aber es kann sich natürlich eine andere Blase bilden. Aber wer weis schon wo?!
"Risiken dürfen nur insoweit eingegangen werden, wie es das tatsächliche Budget des Investors zulässt"
Schöne Forderung. Das Problem: Vor dem Platzen der Blase ging man davon aus das das Risiko nicht groß ist. Welches Risiko läßt das Budget zu? Kann so niemand sagen.
Paging