Wirtschaft kompakt Gebäudereiniger erstreiken höheren Lohn

Der Streik hat sich gelohnt: Die Gebäudereiniger verdienen künftig besser - auch die Mindestlöhne steigen für sie. Außerdem: Conti schafft Ordnung in der Bilanz.

Die deutschen Gebäudereiniger haben sich höhere Löhne und Mindestlöhne erstreikt. Die IG BAU einigte sich im Rahmen eines Spitzengesprächs mit den Arbeitgebern auf einen Tarifabschluss, wie beide Seiten in Frankfurt mitteilten.

Gewerkschafts-Chef Klaus Wiesehügel bezifferte das Volumen des bis Ende 2011 laufenden Tarifvertrags auf 4,9 Prozent mehr Lohn im Westen und 6,3 Prozent mehr im Osten Deutschlands.

Die IG Bau hatte in dem Tarifstreit in der vergangenen Woche erstmals einen bundesweiten Ausstand des Reinigungspersonals organisiert. "Der Streik hat sich ausgezahlt", sagte Wiesehügel.

Die Gewerkschaft hatte für die rund 860.000 Beschäftigten 8,7 Prozent mehr Lohn verlangt. Die Arbeitgeber hatten zuletzt 3,0 Prozent für den Westen und 3,6 Prozent mehr für den Osten für eine Laufzeit von 21 Monaten geboten.

Nun werden die Löhne zum 1. Januar im Westen um 3,1 Prozent und ein Jahr später um weitere 1,8 Prozent erhöht, im Osten liegen die Stufen bei 3,8 und 2,5 Prozent. Der Tarifvertrag war im September ausgelaufen, der Einigung zufolge gilt er bis Dezember weiter.

Die meisten Beschäftigten in der Branche profitieren mehr vom erhöhten Mindestlohn. Er steigt für die unterste Tarifgruppe von 8,15 auf 8,55 Euro im Westen und von 6,58 auf 7,00 Euro im Osten.

Rund 450.000 Gebäudereiniger, die in Büros oder Wohnungen saubermachen, werden zum Mindestlohn bezahlt. Er soll nach dem Willen der IG Bau erneut für allgemeinverbindlich erklärt werden. Dann gilt er auch für Branchengrößen wie Dussmann, die dem Arbeitgeberverband nicht angehören.

Lufthansa: "Auch unsere Köche sind auf Diät"

Deutschlands größte Fluggesellschaft Lufthansa malt die Aussichten für das Passagiergeschäft in immer düsteren Farben. Zwar gebe es erste Anzeichen einer Stabilisierung bei der Nachfrage, teilte der Konzern mit.

Der enorme Preisdruck könne dadurch aber nicht kompensiert werden. "Lufthansa Passage und ihre Partner-Airlines stellen sich daher auf ein schwieriges viertes Quartal ein", hieß es im Zwischenbericht zu den Zahlen für das dritte Quartal.

Bereits am Vortag hatte Lufthansa betont, es hänge vom Schlussquartal ab, ob das Jahresziel eines positiven operativen Ergebnisses im Konzern erreicht werden könne. Insbesondere von den neuen Gesellschaften - unlängst wurde etwa die verlustreiche österreichische AUA übernommen - sei ein negativer Ergebniseffekt im vierten Quartal zu erwarten.

Das Unternehmen werde hart kämpfen, um am Ende des Jahres operativ schwarze Zahlen präsentieren zu können, sagte der Lufthansa-Vorstandschef Wolfgang Mayrhuber. Ende September war bekannt geworden, dass die Lufthansa neben einem Sparprogramm im Passagierbereich auch Personalkosten in ihrer Hauptverwaltung kappen wolle.

"Auch unsere Köche sind auf Diät", sagte Mayrhuber bei der Vorstellung der Geschäftszahlen mit Blick auf die Entwicklung bei der Catering-Tochter LSG Sky Chefs

Für das dritte Quartal wies Lufthansa unter dem Strich nach einem Halbjahresverlust zwar schwarze Zahlen aus. Der Gewinn kletterte aber vor allem wegen Sondereffekten um 23,5 Prozent auf 184 Millionen Euro. Das operative Ergebnis fiel dagegen im abgelaufenen Vierteljahr von 277 auf 218 Millionen Euro vor Jahresfrist. Der Umsatz schrumpfte um 9,4 Prozent auf 5,936 Milliarden Euro.

VW: Optimismus trotz Krise

Der Autohersteller Volkswagen schreibt trotz der schweren Branchenkrise schwarze Zahlen. Allerdings musste der Konzern kräftige Einschnitte bei Umsatz und Ergebnis hinnehmen.

Nach der in Wolfsburg vorgelegten Neun-Monats-Bilanz ging das operative Ergebnis um 69 Prozent auf 1,5 Milliarden Euro zurück. Unter dem Strich blieben 655 Millionen Euro, nach 3,7 Milliarden Euro im Vorjahreszeitraum.

Die Auslieferungen verharrten mit knapp 4,8 Millionen Autos etwa auf Vorjahresniveau, der Umsatz ging um 9,7 Prozent auf 77, 2 Milliarden Euro zurück.

VW hatte vor allem von der Abwrackprämie profitiert und sieht sich trotz Krise gut aufgestellt. Das Vorjahresergebnis werde voraussichtlich nicht erreicht, bekräftigte der Autohersteller allerdings.

VW geht aber weiter davon aus, Marktanteile hinzugewinnen zu können. Auch finanziell ist der Konzern vor der Übernahme des Sportwagenherstellers Porsche gut gerüstet. Die Liquidität sei nochmals auf jetzt 13,4 Milliarden Euro gesteigert worden.

Conti schafft Ordnung in der Bilanz

Der Autozulieferer Conti hat im dritten Quartal 2009 Fortschritte erzielt, bleibt aber in tief den roten Zahlen.

Zwar kam der MDax-Konzern im abgelaufenen Quartal unter dem Strich auf einen Verlust von 1,04 Milliarden Euro, wie Conti mitteilte. Grund dafür war jedoch auch eine Aufräumaktion in der Bilanz. Conti hatte 875,8 Millionen Euro auf den Firmenwert der im Herbst 2007 erworbenen Siemens VDO abgeschrieben. Damit wird auch der Weg für eine milliardenschwere Kapitalerhöhung gebahnt.

Der Umsatz des dritten Quartals belegt die nach wie vor herrschende Nachfrageschwäche für Elektronikbauteile, Fahrzeugkomponenten und Reifen. Die Umsätze fielen von Juli bis September um neun Prozent auf 5,3 Milliarden Euro. Allerdings hatten die Analysten im Schnitt mit noch schwächeren Erlösen von nur knapp 5,0 Milliarden Euro gerechnet.

Der neue Conti-Chef Elmar Degenhart will unter anderem mit einer Kapitalerhöhung von einer bis 1,5 Millionen Euro bis Ende des ersten Quartals 2010 das Unternehmen aus der knapp zehn Milliarden hohen Verschuldung herausführen. Für das letzte Quartal 2009 rechnet Continental mit einer deutlichen Verbesserung der Umsätze und der operativen Ergebnisse.

Nach neun Monaten erreichte das um Abschreibungen und Sondereffekte bereinigte Vorsteuerergebnis (Ebit) 662,1 Mio Euro, nach 1,5 Milliarden im Vorjahr. Bei einem Umsatz von 14,4 Milliarden Euro (Vorjahr 19,1) blieb unter dem Strich ein Minus von 1,5 Milliarden Euro, nach einem Gewinn von 363,5 Millionen in den ersten neun Monaten des Vorjahres.

IG Metall geißelt Gier der Karmann-Eigner

Der insolvente Automobilzulieferer Karmann hofft auf die Rettung durch Volkswagen, die nach Auffassung der Gewerkschaft aber durch die Karmann-Eignerfamilien behindert wird. Deren Forderungen sind nach Auffassung der IG Metall maßlos.

Die Gespräche mit Volkswagen kämen aufgrund der "völlig überzogenen finanziellen Forderungen" der Karmann-Gesellschafter nicht voran, erklärte IG-Metall-Bezirksleiter Hartmut Meine. Hingegen hätten sich die Arbeitnehmer bereit gezeigt, große Opfer zu bringen.

"Wenn sich die (Eigner-) Familien nicht bewegen sollten, werden letztlich keine Arbeitsplätze gerettet werden können." Es bestehe eine "hauchdünne Chance", dass auch künftig in Osnabrück Autos gebaut werden. "Sie darf von den Familien nicht kaputt gemacht werden."

Volkswagen-Chef Martin Winterkorn hatte angekündigt, innerhalb der nächsten ein bis zwei Wochen eine Entscheidung zum künftigen Engagement des Konzerns bei Karmann zu fällen. "Wir sind in Niedersachsen sehr daran interessiert, dass Arbeitsplätze erhalten werden", hatte er erklärt.

Unterdessen kämpft Karmann weiter um sein Überleben. Nach wie vor verhandelt Insolvenzverwalter Ottmar Hermann über ausstehende Rechnungen, um die Liquidität auch über den 1. November hinaus zu sichern.

Der Sprecher des Insolvenzverwalters sagte: "Es geht um Forderungen von Karmann an mindestens drei Auftraggeber, die alle in Millionenhöhe sind." Unter anderem laufen Verhandlungen mit Mercedes über Forderungen in zweistelliger Millionenhöhe.

Siemens trennt sich nach nur einem Jahr von Sicherheitschef

Der Elektrokonzern Siemens trennt sich nach nur einem Jahr von seinem Sicherheitschef.

Gert-René Polli habe schon vor einigen Wochen einen Aufhebungsvertrag unterschrieben, bestätigte ein Siemens-Sprecher der Financial Times Deutschland.

Der Zeitung zufolge spielen politische Gründe eine Rolle bei der Absetzung. Siemens habe dies nicht kommentieren wollen. Ein Sprecher habe betont, dass die Trennung "einvernehmlich" erfolgt sei. Wer die Nachfolge antreten werde, sei noch nicht bekannt. "Wir sind mit möglichen Nachfolgern in fortgeschrittenen Verhandlungen", sagte der Siemens-Sprecher dem Blatt.

Die Berufung Pollis, ehemaliger Leiter des österreichischen Bundesamts für Verfassungsschutz und Terrorismusbekämpfung (BVT), hatte Kritik ausgelöst.

Erst vor einem Jahr hatte Konzernchef Peter Löscher Polli für den Posten angeheuert. Der Posten "Leiter der Konzernsicherheit" ist eine Schlüsselposition in jedem Konzern. Die Aufgabe des Managers ist es, Sicherheitsrisiken wie Geheimnisverrat, Entführungen oder Anschlägen vorzubeugen.

Der Zeitung zufolge wird nun in der Branche diskutiert, ob der ehemalige Sicherheitschef Norbert Wolf übergangsweise in seinen alten Job zurückkehren werde. Er genieße einen ausgezeichneten Ruf.

Tui-Aufsichtsrat will Fredriksen-Einzug weiter verhindern

Einen Tag nach dem Abtritt des bishergen Tui-Aufsichtsratschefs Jürgen Krumnow stemmt sich das Kontrollorgan des Reisekonzerns offenbar noch immer gegen die Aufnahme des Großaktionärs John Fredriksen in die eigenen Reihen.

Die Räte lehnten den Reeder weiter ab, berichtet das Handelsblatt und beruft sich auf Informationen aus Unternehmenskreisen. "Er ist einfach kein zuverlässiger Partner", heiße es. Dem Blatt zufolge äußerte sich die Tui nicht offiziell dazu.

Da Ende des Jahres Krumnow aus persönlichen Gründen auch seinen einfachen Aufsichtsratssitz räumt, wird ein Platz frei. Damit eröffnet sich für Fredriksen eine neue Chance.

Der norwegische Investor hält mehr als 15 Prozent der Tui-Aktien und hat in der Vergangenheit mehrfach vergeblich versucht, in den Aufsichtsrat einzuziehen. Zweimal fiel er bei Abstimmungen auf Tui-Hauptversammlungen durch.

Tui-Vorstandschef Michael Frenzel streitet sich seit Monaten mit Fredriksen. Der Großaktionär wirft dem Manager Wertvernichtung vor und brüskiert ihn immer wieder mit Plänen seines eigenen Unternehmens. So kündigte er zuletzt an, eine Billigreederei aufzumachen, die in Konkurrenz zu Hapag-Lloyd, einer Beteiligung von Tui, stehen würde.