Der Zulieferer Karmann in Rheine schließt und Audi setzt auf China. Außerdem: Der deutsche Mittelstand übersteht die Wirtschaftskrise mit blauem Auge. Das Wichtigste in Kürze.

Endgültige Schließung von Karmann in Rheine

Karmann, Foto: AP

Der Automobil-Zulieferer Karmann in Rheine wird wenige Tage vor Weihnachten für immer seine Tore schließen. (© Foto: AP)

Anzeige

Am Montag vor Weihnachten wird die Produktion des insolventen Zulieferers Karmann in Rheine schließen.

Dies ist das Schlusskapitel für ein Stück Automobil-Geschichte in Nordrhein-Westfalen. Betriebsrat und Gewerkschafter werden die letzten Mitarbeiter verabschieden. "Wir möchten somit gemeinsam mit den Beschäftigten den Standort in Rheine schließen", berichtete eine Sprecherin der IG Metall Rheine.

Der Antrag zur Insolvenz erfolgte von Karmann im April dieses Jahres. Am Standort Rheine, wo unter anderem für Audi Cabrios gefertigt wurden, haben von ursprünglich mehr als 1000 Menschen jetzt zuletzt nur noch rund 100 Beschäftigte einen Arbeitsplatz.

Die Gewerkschaft will sie am letzten Tag vor dem Werkstor noch einmal über ihre Abfindungen und Jobperspektiven informieren. Am niedersächsischen Hauptstandort Osnabrück will Volkswagen auf dem Werksgelände von Karmann ein neues Unternehmen gründen und von 2011 an wieder Autos bauen. An der Cabriodach-Sparte hat VW allerdings kein Interesse.

China für Audi bald wichtiger als Deutschland

Expansion in Fernost: Audi geht davon aus, dass China schon in wenigen Jahren zum wichtigsten Markt für den Ingolstädter Hersteller werden wird. Das sagte Vertriebschef Peter Schwarzenbauer der Frankfurter Allgemeinen Zeitung.

Bis Ende November 2009 hatte Audi in China bereits 139.000 Autos verkauft, bis zum Jahresende dürften es 150.000 werden, was 30 Prozent mehr als 2008 und damit ein neuer Rekord wäre. Damit ist China schon jetzt nach Deutschland der zweitgrößte Markt für die Ingolstädter.

Die Volkswagen-Tochter hat deswegen das Absatzziel für den boomenden Markt in China angehoben. Bis 2012/13 wolle Audi in dem asiatischen Land rund 250.000 Fahrzeuge verkaufen, sagte Schwarzenbauer. "Das wären dann mehr als in Deutschland." Der Audi-Vertriebschef hatte zuletzt noch einen Absatz von rund 200.000 Einheiten in China bis 2013 in Aussicht gestellt.

Auch die Struktur des chinesischen Marktes verändert sich für Audi rapide: Nur noch 20 Prozent der Autos würden 2009 von Regierungsstellen und Behörden gekauft. 80 Prozent landeten bei Privatkunden, sagte Schwarzenbauer. Die Kundenschicht wachse.

Er erwarte, dass unter den um 2013 verkauften 250.000 Wagen 60.000 bis 70.000 importiert sind. Der Premiummarkt mache nur fünf Prozent des Auto-Gesamtmarktes Chinas aus, er wachse aber stabil.

China rettet auch anderen Oberklasse-Herstellern wie BMW und Daimler derzeit das Geschäft. Das Land ist mittlerweile neben den USA der weltweit wichtigste Automarkt. Die Audi-Gruppe, die im November 2009 mit 139.000 verkauften Wagen ihr Jahresziel übertraf, werde 2010 moderater, aber immer noch zweistellig wachsen.

Das Unternehmen lässt seit Dezember neben dem A4 und dem A6 auch den Q5 in China produzieren.

Strom war 2008 so teuer wie nie

Strom war im vergangenen Jahr so teuer wie noch nie. Sowohl die Tarifkunden als auch die Großabnehmer mussten nach einer Erhebung des Statistischen Bundesamtes tiefer in die Tasche greifen:

Die Haushalte und Kleinverbraucher zahlten im Tarif durchschnittlich 16,49 Cent netto pro Kilowattstunde und damit 2,4 Prozent mehr als im Jahr zuvor. In den Sonderverträgen vor allem mit der Industrie und anderen gewerblichen Abnehmern berechneten die Versorger im Schnitt einen Nettopreis inklusive mehrerer Abgaben von 9,07 Cent. Das waren 5,8 Prozent mehr als im Jahr zuvor und ebenfalls der höchste Wert der Geschichte.

Die Gesamterlöse betrugen mehr als 61 Milliarden Euro.

Gazprom will schnelle Einigung mit Eon

Der russische Gasriese Gazprom will den Streit mit dem deutschen Energiekonzern Eon über die Gaslieferungen bis Jahresende beilegen.

Die Verhandlungen seien schwierig, gingen aber in die richtige Richtung, sagte Gazprom-Vizechef Alexander Medwedjew der Börsen-Zeitung. Er deutete an, dass Gazprom zu Zugeständnissen bereits sei, wenn sich auch Eon bewege.

Am Ende müssten alle gewinnen, auch die Verbraucher. Eons Gassparte Ruhrgas drängt angesichts des eingebrochenen Gasabsatzes auf eine Lockerung der Lieferverträge.

Die Deutschen wollen den Gasimport drosseln. Vertraglich sind sie in diesem Fall bislang dazu verpflichtet, einen Teil der Gasmengen anzuzahlen und später abzunehmen. Konkurrenten können sich flexibler eindecken und profitieren davon im Wettbewerb.

Eon Ruhrgas musste in den ersten drei Quartal einen Einbruch des Gewinns vor Zinsen und Steuern von mehr als 30 Prozent auf 1,4 Milliarden Euro hinnehmen.

Nun will Eon seinen Gasbezug stärker flexibilisieren und mehr auf die kurzfristigen Spotmärkte ausrichten. Dort sind die Preise wegen der Krise und des wachsenden Angebots an verflüssigtem Gas (LNG) deutlich gesunken. Einige Experten sehen darin bereits eine Tendenz zur Entkoppelung vom Ölpreis.

Medwedjew gab sich optimistisch, dass die Gasnachfrage schon bald wieder steigt. "Nach maximal zwei oder drei Jahren wird zwar vielleicht die Wachstumskurve nicht ganz so steil sein wie früher, aber die Dynamik gleich." Er widersprach der Einschätzung der Internationalen Energieagentur IEA, die kürzlich ihre Prognosen für die nächsten 10 bis 20 Jahren gesenkt hatte.

Mittelstand übersteht Krise bisher mit blauem Auge

Der Mittelstand ist einer Umfrage zufolge bisher in der Krise mit einem blauen Auge davongekommen. Unter 500 befragten Unternehmen sei lediglich bei einem knappen Drittel der Umsatz in diesem Jahr gesunken, teilte die Nürnberger Unternehmensberatung Weissman & Cie. am Donnerstag mit.

Es handle sich vor allem um Firmen aus der Zulieferindustrie, dem Anlagen- und Maschinenbau sowie um Dienstleister. Dagegen würden 36 Prozent der Unternehmen auch 2009 Wachstum erzielen. Für das kommende Jahr erwartet mehr als ein Drittel der mittelständischen Unternehmen weitere Zuwächse.

Evonik baut um

Der Mischkonzern Evonik will sich stärker auf sein Kerngeschäft Spezialchemie konzentrieren. Die Geschäftsbereiche Immobilien und Energie sollten abgespalten und für externe Investoren geöffnet werden, berichteten das Handelsblatt und die Financial Times Deutschland am Donnerstag. Das habe der Aufsichtsrat beschlossen. Die Immobiliensparte solle mit der Wohnungsgesellschaft THS verschmolzen und nach 2011 an die Börse gebracht werden, hieß es.

Die Energiesparte (Steag) solle mit externen Investoren weitgehend eigenständig betrieben werden. Der heutige Evonik-Konzern war aus dem sogenannten "Weißen Bereich" der Ruhrkohle AG (RAG) und dem Spezialchemie-Unternehmen Degussa entstanden.

Zu knapp 75 Prozent gehört Evonik der RAG- Stiftung, mit gut einem Viertel kaufte sich der Finanzinvestor CVC ein. Einer der Kritikpunkte an der Strategie von Evonik war bisher, dass es zwischen den einzelnen Einheiten den Mischkonzerns kaum Synergieeffekte gebe.

Leser empfehlen