Marijn Dekkers wird neuer Vorstandschef des Pharmakonzerns Bayer. Außerdem: Bei Porsche brechen Umsatz und Absatz weg - und Karstadt eröffnet trotz Insolvenz neue Filialen.

Bayer holt sich einen externen Manager als Nachfolger von Vorstandschef Werner Wenning an die Konzernspitze.

Marijn Dekkers, Foto: oh

Der Niederländer Marijn Dekkers wird ab Oktober 2010 neuer Vorstandschef von Bayer. (© Foto: oh)

Anzeige

Der gebürtige Niederländer Marijn Dekkers wird wird ab Oktober 2010 neuer Chef des Pharma- und Chemiekonzerns. Derzeit ist der 51-Jährige Präsident und Vorstandschef des amerikanischen Laborgeräte-Herstellers Thermo Fisher Scientific.

Bis Oktober 2010 bleibt der amtierende Konzernchef Wenning noch im Amt. Um einen reibungslosen Übergang zu gewährleisten, wird er seinen Vertrag noch um acht Monate bis zum 30. September 2010 verlängern. Kurz danach wird das Bayer-Urgestein 64 Jahre alt. Wenning begann im Jahr 1966 bei dem Leverkusener Konzern eine Lehre als Industriekaufmann und arbeitete sich anschließend bis auf den Chefsessel hoch.

Die Einarbeitungszeit seines Nachfolgers beginnt bereits zum Jahresbeginn 2010. In einer Übergangsphase soll Dekkers zunächst in Personalunion den Teilkonzern Bayer HealthCare leiten.

Der bisherige Chef der Gesundheitssparte, Arthur Higgins, werde das Unternehmen im ersten Halbjahr 2010 aus persönlichen Gründen verlassen, teilte Bayer mit.

Mit Abschluss der Hauptversammlung am 30. April 2010 geht zudem Finanzvorstand Klaus Kühn auf eigenen Wunsch mit 58 Jahren in den Ruhestand. Werner Baumann, derzeit Mitglied im Vorstand der Bayer-Gesundheitssparte, wird ihn ablösen.

Staatshilfe für ZF Friedrichshafen

Der angeschlagene drittgrößte deutsche Autozulieferer ZF Friedrichshafen soll vom Staat einen Kredit in Höhe von 250 Millionen Euro erhalten.

Der Lenkungsausschuss des staatlichen Deutschlandfonds für notleidende Unternehmen habe das Darlehen gebilligt, habe das Bundeswirtschaftsministerium bestätigt.

Der Konzern hatte auf der Internationalen Automobil-Ausstellung (IAA) einen deutlichen Jobabbau angekündigt. Die Zahl der Mitarbeiter soll bis zum Jahresende von 64.000 (Ende 2008) auf etwa 59.800 sinken.

Für das Gesamtjahr rechnet ZF mit einem Umsatzeinbruch auf rund 9,2 Milliarden Euro nach zuvor 12,5 Milliarden Euro; im Jahr 2009 könnte sich der Verlust auf 500 Millionen Euro belaufen.

Der Deutschlandfonds umfasst 115 Milliarden Euro. Der Staat kann Bürgschaften und Kredite an Firmen vergeben, die durch die aktuelle Finanz- und Wirtschaftskrise in Schieflage geraten sind.

Expertenprognose: Arbeitslosigkeit steigt 2010 deutlich an

Die Krise wird den Arbeitsmarkt Experten zufolge weniger hart treffen als bisher erwartet. Das Nürnberger Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) hat seine Prognosen zur Arbeitslosigkeit deutlich gesenkt. Für 2009 rechnen die Forscher jetzt mit einer durchschnittlichen Arbeitslosenzahl von 3,5 Millionen Menschen - das sind 200.000 weniger als bisher vorausgesagt.

Im Jahr 2010 wird die Zahl der Arbeitslosen der Studie zufolge im Schnitt bei 4,1 Millionen liegen - im Juni rechneten die Experten noch mit 400.000 Arbeitslosen mehr.

Die Grenze von fünf Millionen Arbeitslosen werde 2010 selbst in den ungünstigen Wintermonaten voraussichtlich nicht erreicht werden, erklären die IAB-Autoren. Die Talfahrt der Wirtschaft scheine im zweiten Quartal 2009 ein Ende gefunden zu haben. Die Arbeitsmarktexperten gehen davon aus, dass die Wirtschaftsleistung im laufenden Jahr um 5,5 Prozent schrumpft, 2010 aber wieder um 0,5 Prozent steigt.

Ende der Erfolgsfahrt bei Porsche

Der Sportwagenhersteller Porsche hat im Geschäftsjahr 2008/09, das bis Ende Juli ging, heftige Einbußen bei Umsatz und Absatz erlitten. Die Talsohle sei aber erreicht, teilte das künftig zu Volkswagen gehörende Unternehmen mit.

Der Fahrzeugabsatz sei vorläufigen Zahlen zufolge um 24 Prozent auf rund 75.200 Fahrzeuge geschrumpft. Dagegen gab der Umsatz nur um zwölf Prozent auf etwa 6,6 Milliarden Euro nach, da Porsche trotz Absatzkrise viele teure und hochmotorisierte Modelle verkaufen konnte. Die Produktion sei um 27 Prozent auf rund 76.700 Fahrzeuge gedrosselt worden.

"Auch wenn die nächsten Monate noch schwierig bleiben dürften, sind wir für das Jahr 2010 verhalten optimistisch", erklärte Porsche-Chef Michael Macht mit Blick auf den Verkaufsstart der vierten Baureihe Panamera.

Wie andere Autobauer kommt Porsche nicht mehr ohne Kurzarbeit aus, um Personalkosten zu sparen.

Angaben zum Gewinn im abgelaufenen Geschäftsjahr machte Porsche nicht. Michael Macht hatte vor wenigen Wochen gesagt, im angestammten Autogeschäft habe Porsche wie in den Vorjahren eine zweistellige Umsatzrendite erwirtschaftet. In der Porsche Holding, die auch die knapp 51-prozentige Beteiligung an VW umfasst, dürfte hingegen im zurückliegenden Geschäftsjahr ein Vorsteuerverlust von voraussichtlich bis zu fünf Milliarden Euro aufgelaufen sein. Dazu trug neben der Abwertung eines milliardenschweren Optionspakets auf VW-Aktien auch die erstmalige Vollkonsolidierung des VW-Anteils bei.

Die Beteiligung an VW und die Optionsgeschäfte hatten der Porsche Holding in den vergangenen Jahren stets Milliardengewinne beschert. Zuletzt hatte der Gewinn sogar über dem Umsatz gelegen.

Trotz Insolvenzverfahrens: Karstadt eröffnet drei neue Sporthäuser

Auch wenn beim Handels- und Touristikkonzern Arcandor derzeit der Insolvenzverwalter regiert - neue Karstadt-Filialen werden dennoch eröffnet.

Am Donnerstag ist es in Dresden und Münster soweit, am 22. Oktober in Essen. "Nach gründlicher Prüfung des Marktumfeldes wie der Wirtschaftlichkeit der neuen Filialen haben wir uns zur Übernahme der Häuser entschlossen", sagte Rolf Weidmann, der Beauftragte des Arcandor-Insolvenzverwalters für die Warenhauskette.

Der Schritt sei auch im Interesse der Gläubiger. Die bereits vor der Insolvenz geplanten Geschäfte ersetzen bestehende kleinere Filialen.

In Münster verdoppelt Karstadt-Sports mit dem neuen Geschäft im Einkaufscenter Stubengasse seine bisherige Verkaufsfläche auf 3000 Quadratmeter. In Dresden ist das neue Geschäft eineinhalb Mal so groß wie der alte Standort. In Essen verdreifacht sich die Verkaufsfläche sogar.

"Mit diesen drei Neueröffnungen festigt Karstadt sports seine führende Rolle als Sporthändler und baut diese weiter aus", sagte der zuständige Vertriebsleiter Andreas Boznar. Insgesamt erzielten die Karstadt-Sporthäuser zuletzt einen Jahresumsatz ohne Mehrwertsteuer von rund 392 Millionen Euro. Das Unternehmen ist damit einer der Marktführer in Deutschland bei Sportartikeln.

Schoko-Kampf um Cadbury: Kraft bekräftigt Offerte

Der Milka-Fabrikant Kraft Foods gibt im Kampf um eine milliardenschwere Übernahme des britischen Schoko-Herstellers Cadbury nicht auf.

Kraft-Chefin Irene Rosenfeld sagte, ihr Konzern plane in den kommenden Wochen Gespräche mit dem Cadbury-Management.

Kraft werde die Möglichkeit einer Übernahme weiter prüfen und gegebenenfalls eine neue Offerte abgeben.

Cadbury hat ein Angebot des US-Lebensmittelgiganten von rund 16,7 Milliarden Dollar als zu niedrig abgewiesen.

Einige Analysten mutmaßen nun, dass Kraft sein Angebot aufstocken wird, um die Übernahme doch noch unter Dach und Fach zu bringen.

Leser empfehlen 
Lesetipp aus der aktuellen SZ: Feuchtgebiete und Witwengifte

Wie viel ist uns die Umwelt wirklich wert? Eine Suche nach dem Preis der Natur. Jetzt lesen ...

(pak)