Weit entfernt von blühenden Landschaften: Auch 20 Jahre nach dem Mauerfall hat die Wirtschaft in Ostdeutschland das West-Niveau nicht erreicht. Eine große Sorge ist der Mangel an Fachkräften.
Die ostdeutsche Wirtschaft holt auf und hat in den letzten Jahren hinsichtlich Produktivität und Wettbewerbsfähigkeit Boden gutgemacht. "Die enormen finanziellen Mittel für den Aufbau Ost machen sich bezahlt", sagte der Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), Klaus Zimmermann. Zwar sei das ostdeutsche "Nationaleinkommen" aufgrund der Transferleistungen immer noch größer als das, was die ostdeutsche Wirtschaft selbst erwirtschaftet.
Eine Hoffnung ist die Solarindustrie: Im Bild eine neue Anlage in Lieberose in Brandenburg. (© Foto: dpa)
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Doch von einer so großen Transferabhängigkeit wie zu Beginn der 90er Jahre könne heute keine Rede mehr sein. Zudem sei es nach einer fast vollständigen De-Industrialisierung gelungen, wieder ein beachtliches industrielles Wachstum zu erreichen.
Laut DIW-Bilanz aber liegt Ostdeutschland trotz der steilen Zuwachsraten im verarbeitenden Gewerbe 20 Jahre nach dem Mauerfall bei der Produktivität noch deutlich hinter den westdeutschen Ländern zurück. Je Erwerbstätigem werde weniger als 80 Prozent der westdeutschen Wirtschaftsleistung erbracht. Dieser Rückstand betreffe fast alle Wirtschaftszweige. Entsprechend lägen auch die Erwerbseinkommen im Osten deutlich unter jenen im Westen. Als zentrale Ursache dafür haben die DIW-Wissenschaftler die ostdeutsche Wirtschaftsstruktur ausgemacht: "Es fehlen industrielle Kerne, und dort, wo es sie gibt, sind sie nach wie vor zu klein, ist ihre Wertschöpfung zu gering."
Dünn besiedeltes Land
Gemessen an den hohen Erwartungen und den Versprechungen kurz nach dem Mauerfall müsse diese Bestandsaufnahme enttäuschen, sagte Zimmermann. Berücksichtige man aber das, was an wirtschaftlicher Substanz vor 20 Jahren im Osten vorhanden gewesen sei, "ist das Glas weder halb voll noch halb leer, sondern mindestens zwei Drittel voll". Zimmermann warnte dennoch vor großen Erwartungen. Schließlich habe sich das Ziel einer schnellen Angleichung zwischen Ost und West inzwischen als Illusion erwiesen.
Schon die geographischen und demographischen Gegebenheiten sprächen dagegen, dass Ostdeutschland zu wirtschaftlich starken Ländern wie Baden-Württemberg aufschließen werde. Weite Teile im Osten seien dünn besiedelt und fielen damit wirtschaftlich hinter Ballungsgebieten immer weiter zurück. Das freilich sei kein spezifisch ostdeutsches, sondern ein globales Problem. Man sollte deshalb endlich von simplen Ost-West-Vergleichen sowie von der Vorstellung Abschied nehmen, dass Ostdeutschland in absehbarer Zeit ökonomisch zum Westen aufschließen könne, forderte Zimmermann und erhielt dabei Unterstützung von Karl-Heinz Paqué von der Universität Magdeburg. "Ich erwarte keine Wunder, der Anpassungsprozess dauert mindestens 30 bis 40 Jahre", sagte der Ex-Finanzminister von Sachsen-Anhalt.
Angesichts der wirtschaftlichen und strukturellen Schwächen plädierten beide Wissenschaftler dafür, den Osten weiter zu stützen. Die Mittel müssten aber "mehr und mehr in Köpfe" fließen. "Voraussetzung für die künftige Wettbewerbsfähigkeit im Osten sind gutausgebildete Menschen", sagte Zimmermann. Zudem sei es nötig, die Innovationskraft der ostdeutschen Wirtschaft deutlich zu erhöhen. Bislang habe sie nur die Hälfte der Innovationstätigkeit der westdeutschen Wirtschaft erreicht.
Gefahr durch Abwanderung
Paqué forderte mehr Zusammenarbeit zwischen öffentlichen Forschungseinrichtungen und privaten Unternehmen. Darauf müsse sich auch die Vergabe staatlicher Fördermittel konzentrieren. Bei allen Mängeln und Fehlsteuerungen zeige diese Förderung schon jetzt Wirkung. So habe sich die Exportquote der ostdeutschen Industrie von nur zwölf Prozent Mitte der 90er Jahre auf 33 Prozent 2008 erhöht.
Joachim Ragnitz vom Ifo-Institut in Dresden machte auf die Gefahren aufmerksam, die sich für die Ost-Firmen aus Abwanderung und anhaltendem Geburtenrückgang ergeben. Früher als im Westen mache sich diese negative demographische Entwicklung im Osten bemerkbar. Dem Arbeits- und Lehrstellenmarkt fehle es an gutausgebildeten Nachwuchs - mit allen Folgen für Produktivität und Wirtschaftsleistung. Umso wichtiger sei ein "System des lebenslangen Lernens", um junge Menschen für künftige Arbeitsplätze zu qualifizieren und zugleich Älteren die Chance zu geben, länger im Erwerbsleben zu verbleiben.
Zimmermann rief dazu auf, Ostdeutschland für die Zuwanderung von gutausgebildeten Arbeitskräften aus Osteuropa zu öffnen. Es sei ein Irrglaube, dass Zuwanderer den Ostdeutschen Arbeitsplätze wegnehmen würden, sagte der DIW-Präsident. "Das Gegenteil ist richtig, mit ihrer Hilfe werden im Osten Stellen gesichert beziehungsweise neu geschaffen."
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(SZ vom 28.08.2009/tob)
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Zitat: "Schließlich habe sich das Ziel einer schnellen Angleichung zwischen Ost und West inzwischen als Illusion erwiesen."
Da haben sich wohl einige vom Beispiel des Wirtschaftswunders zu einer gigantischen Fehlkalkulation verleiten lassen. Es genügt nicht, in die Geschichtsbücher zu schauen, und zu glauben, daß das ein zweites mal gelingen könnte, wenn man nur eine große Meneg Geld "über den Zaun wirft". Man darf eben nicht übersehen, daß damals und heute grundverschiedene Ausgangssituationen herrschten. Es fehlen die "Macher" von damals, die heutige Gesellschaft kennt nur die zwei "Betriebszustände": Handaufhalten, "Absahnen". Der dritte "Betriebszustand": "Vorleistung" fiel der "Digitalisierung" zum Opfer.
Immerhin darf man als "Erfolg" verbuchen, daß sich in diesem Punkt West und Ost vollständig angeglichen haben.
Köstlich, wenn ein Faltlhuberhauser kräht, daß er die Transferleistungen nach Berlin ablehnt. Bei seinem Alter kann er sich wohl kaum an die Zeit um 1950 erinnern, als Bayern die Hand aufhielt.
Schade , ewig langer Kommentar irgendwie nicht gesendet.
Also nochmal in schnell, ich rechtfertige nicht, ich beschreibe.
Sie haben das uebliche Heulsusenauftreten eines verbitterten Gutmenschen der seine Fremdenfeindlichkeit eben gegenueber Ossis auslebt, politisch durchaus korrekt, da wir ja alle wissen: oSSi = Nazi, Rassist, Unmensch ergo Kampf gegen Rechts=rechts der Elbe = alles ist erlaubt.
Ossis sind aber nicht nur primitive Fremdenfeinde und Besserwessifresser, nein die sind obendrein auch faul, dreist und haben die ganzen Solidargelder verprasst, so das im der ehemaligen DDR aufgrund allgemeinen Wohlstands ein Viertel der Arbeitsfaehigen einfach zu Hause bleibt.
Wie gesagt, ich habe eine Ahnung was Ihr Problem im Osten gewesen sein koennte.
Zu dem Reisefuehrer (darf ich das ueberhaupt schreiben?), ja und? In dem Bundesland aus dem ich stamme ist Tourismus laut letzten Fokusbericht der Schlager schlechthin.
Was koennte das bedeuten? Ihr Reisefuehrer wird nicht gelesen oder er wird gelesen!
Und natuerlich ganz normale Menschen, auch Skinhaeds sind Menschen, halt mit sehr kurzen Haaren. Das sagt erst einmal genauso viel aus, wie aus Besserwessiland zu stammen oder gruen zu sein.
Können Sie erklären, weshalb große internationale Reiseführer vor einem Besuch in Ostdeutschland warnen?
Zu Ihrer Ursache und Wirkung Theorie. Dazu Herr Endrias vom Verein gegen rechte Gewalt: Die meisten Übergriffe kommen nicht von Skinheads, sondern von ganz normalen Menschen. Na, ja, normale Menschen sind was anderes, da stimmen Sie mir doch zu?
Der Psychiater Andreas Marneros schreibt in seinem Buch Blinde Gewalt: Die meisten Opfer von Rechtsextremisten sind ja nicht Schwarze, Ausländer, oder Juden: Es sind (West) Deutsche!!
So viel zu Besserwisser-Wessi. Da lobe ich mir Herrn Schönbohm, der die Ursache erkannt hat.
Sie meinen also, dass die Ausländer selbst schuld sind, wenn sie von DDR-lern abgemurkst werden. Die brauchen ja nicht herkommen. Tolle Argumentation für die Rechtfertigung der Aggressionen der DDR-ler. Meine Genugtuung für dieses abartige Verhalten ist, dass sich die meisten Investoren aus der DDR verabschiedet haben mit den Folgen einer horrenden und selbstverschuldeten Arbeitslosigkeit.
Ursache und Wirkung - wie Sie schon sagten.
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