Einige Daten scheinen sich zwar zu bessern, aber für viele Menschen steht das Schlimmste in Gestalt von Arbeitslosigkeit erst noch bevor. Umso wichtiger ist es, konkret und ohne Schnörkel darüber zu reden, was am "Kapitalismus" in der Krise gescheitert ist und was nicht. Gescheitert ist die Idee, Finanzmärkte seien rational und könnten sich selbst regulieren, gescheitert ist das Geschäftsmodell vieler Großbanken, gescheitert sind etliche Institutionen, vor allem die amerikanische Börsenaufsicht SEC, gescheitert ist das System der - wohlgemerkt: staatlichen - deutschen Landesbanken. Die Liste ließe sich verlängern.
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Nicht gescheitert aber ist das, was inzwischen meist ebenfalls unter das Kapitalismus-Verdikt fällt: der Übergang bisher sozialistischer Staaten zur Marktwirtschaft und deren Integration durch globale Güter- und Kapitalmärkte.
Der Globalisierungsschub, der nach dem Fall der Berliner Mauer einsetzte, bleibt das zentrale ökonomische Ereignis dieser Epoche, es wird die jetzige Krise überdauern - und das ist ein Segen für Hunderte von Millionen Menschen. Die Hoffnung in dieser Krise gründet sich vor allem auf die Tatsache, dass die Politiker weltweit aus der Weltwirtschaftskrise der dreißiger Jahre gelernt haben. Die Notenbanken handeln rationaler als damals, die Regierungen greifen mit Konjunkturprogrammen ein und stützen die Banken. Vor allem unternimmt bisher, im Gegensatz zur Großen Depression, niemand den Versuch, die Globalisierung zurückzudrängen. Mehr noch: Die Neulinge der Globalisierung, vor allem die Volksrepublik China, sind in die Krisenpolitik einbezogen.
Rhetorik macht alles schlimmer
Aber diesen rationalen Kurs durchzuhalten, ist nicht einfach. Die Versuchungen des Nationalismus, des Protektionismus und des Rückfalls in die Staatswirtschaft sind groß angesichts der Billionen Euro und Dollar, die die Krise verschlingt, angesichts Massenarbeitslosigkeit und Vermögensverlusten. Die Parole "Wir zahlen nicht für eure Krise" ist verständlich und grundfalsch zugleich. Antikapitalistische Rhetorik macht alles noch schlimmer, weil sie Lösungen suggeriert, die es nicht gibt.
Bei der Lösung der konkreten Probleme lässt sich von den Vätern der sozialen Marktwirtschaft wenig lernen. Sie haben sich nicht mit den Finanzmärkten befasst, weil sie es nicht mussten. Die meisten Dinge, die heute neu zu regulieren sind, gab es 1949 gar nicht. Lernen lässt sich aber von den damals getroffenen Grundentscheidungen.
Die Globalisierung des späten 20. Jahrhunderts zeigt, ähnlich wie die Erfolgsgeschichte der frühen Bundesrepublik, dass nur funktionierende Märkte Wohlstand schaffen. Das westdeutsche Wirtschaftswunder begann, als Ludwig Erhard erkannte, dass trotz Weltwirtschaftskrise die Marktwirtschaft nicht das Problem, sondern die Lösung war. Wollte man den modischen Sprachgebrauch aufgreifen, könnte man sagen: Es geht nicht darum, den Kapitalismus abzuwracken - es geht darum, ihn zu retten.
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(SZ vom 18./19.04.2009/mel)
Putin und Hollande streiten um Intervention in Syrien
Früher bekamen die Leibeigenen Almosen, um zu unterstreichen, wie gut die Herrschaft es mit ihnen meint.
Die Almosen des Kapitalismus sind in den Zockerdschungel geraten und jetzt müssen schöne die Erinnerungen herhalten, welch schöne Oasen diese unmenschliche Wüste der Selbstbereicherung doch hat.
Der Glaube hilft uns weiter - dorthin, wo wir glauben. Da haben wir zunächst zu entscheiden, woran wir glauben wollen. Die Vorschläge der Profiteure sind da eindeutig. Verdienen darf, wer genug hat. Da wollen sie ja auch hin.
Aber wollen sie uns alle mitnehmen - schwer zu glauben.
Zitat:"Der Globalisierungsschub, der nach dem Fall der Berliner Mauer einsetzte, bleibt das zentrale ökonomische Ereignis dieser Epoche, es wird die jetzige Krise überdauern - und das ist ein Segen für Hunderte von Millionen Menschen"
Na da werden sich aber die Hunderte von Millionen Menschen, denen es AUFGRUND der neoliberalen Globalisierung viel schlechter geht, aber freuen, wenn sie das hören.
Das Wort Globalisierung ist nichts anderes als der Raubtierkapitalismus in einem anderen Gewand - nur eben weltweit.
Wie man aber das Kind nennt ist doch sekundär. Der Markt, ob national oder international, braucht durchsetzbare Richtlinien und Regeln. Der Markt braucht eine klare und strenge Trennung von denjenigen die im Markt mitspielen und denjenigen, die die Richtlinien und Regeln festsetzen.
Kapitalismus hätte funktionieren können, wenn Habgier Grenzen hätte.
Rüdiger Janson
Grundsätzlich sind alle -ismen (Marx-, Lenin-, Kommun-, Nationalsozial-, etc., und auch Kapital-) abzulehnen, weil diese dogmatisch und damit gefährlich sind.
Nunmehr zu retten ist somit nicht irgendein Kapitalismus sondern die soziale Marktwirtschaft in Deutschland. Die soziale Marktwirtschaft nach Ludwig Erhard hat überhaupt nichts mit dem globalistisch-liberalistischen Kapitalismus zu tun, der sich seit ungefähr 1994 breitgemacht hat und nun Millionen von Menschen bedrückt.
Die Idee, die Märkte würden sich im Sinne von Adam Smiths unsichtbarer Hand weltweit von selber regeln und die Staaten könnten -ja müssten- sich so weit wie möglich zurückziehen, ist grandios gescheitert: Die Länder Korea, Taiwan, China, in denen sich der Staat intensiv in die Wirtschaft einmischt und protektionistisch agiert (vor allem China), sind höchst erfolgreich. Wo der Staat sich zurückgezogen hat (Deutschland, GB, USA) wirkt sich die Krise ungedämpft voll aus.
Die ungeregelte Globalisierung nach 1994 hat sich auch nicht als Segen für Hunderte von Millionen Menschen herausgestellt sondern nur als Segen für eine kleine weltweite Oligarchie von Begüterten. Davor gab es z.B. bei uns kaum Bettler, nun sind diese allgegenwärtig; es gab viel weniger notleidende Familien, keine Amokläufe und weniger Familiendramen. Dies sind Auswirkungen des unerträglichen, steigenden Druckes, den die Globalisierungsgewinnler auf die Mittel- und Unterschicht ausüben, um ihren Reichtum weiter ungehemmt zu vermehren und möglichst wenig an die Allgemeinheit abgeben zu müssen.
Die Idee, die Verhältnisse nun durch weltweite Regulierung bessern zu wollen, ist eine Fiktion: China, Korea und Taiwan schützen und subventionieren ihre Industrien seit Jahren schon erfolgreich mit Milliardenaufwand, nun auch die USA und Frankreich.
Alle, außer Deutschland, scheren sich bisher nicht um irgendwelche Regeln und werden das auch in Zukunft nicht tun. Der Protektionismus ist keine Versuchung sondern er ist schon lange da, und je protektionistischer das Land, desto erfolgreicher ist es.
Daher bleibt auch Deutschland kurzfristig nichts anderes übrig, als in dieser Situation gezielt ihren Industrien finanziell über die Talsohle zu helfen -wie es die asiatischen Länder schon lange erfolgreich machen.
Sonst haben wir hier in Deutschland in kurzer Zeit De-Industrialisierung und wirkliche Massenarbeitslosigkeit und weitere Verarmung von Millionen.
@Ruediger Kalupner
Sie meinten: "Ihr Breitbandmodell ist evolutionstheorie-los und konkurrenzlos gegenüber dem Evolutionsprozess-eigenen Exodusprojekt - und damit gar nicht diskussionswürdig."
An diesem Satz sollten Sie über 3 Dinge nachdenken.
1. Es heißt Bandbreitenmodell und nicht Breitbandmodell. Daß Sie nicht einmal den Namen schreiben können, läßt darauf schließen, daß Sie es nicht gelesen und trotzdem eine knallharte Meinung haben.
2. Wie soll ich es höflich formulieren? Vielleicht so: Tragen Sie ihre Wortakrobatik doch einmal 100 Testpersonen in einer Fußgängerzone vor. Lassen Sie sich anschließend von ihren Testpersonen wiederholen (oder gar erklären), was Sie Ihnen soeben erklärten. Ich schätze, daß kein Einziger auch nur erahnt, was Ihre Worte zu bedeuten haben. Herr K., ich meine es ja nur gut mit Ihnen und weise Sie in aller Höflichkeit darauf hin, daß Sie mindestens ein gigantisches Kommunikationsproblem haben, wenn niemand versteht, was Sie sagen. Auch die Textmasse Ihrer Homepage ist gelinde gesagt nicht nutzerfreundlich. Wollen Sie denn nicht verstanden werden?
3. Soso. Das Bandbreitenmodell ist gar nicht diskussionswürdig. Abgesehen von dieser extrem unhöflichen Attitüde gegenüber Andersdenkenden: Können Sie das ganz konkret und mit Worten begründen, die jeder Leser halbwegs gebildete Leser versteht?
Ihre 4 TINA-Punkte sind auch kurios. Schon der "There-Is-No-Alternative"-Anspruch wirkt gelinde gesagt unsympathisch. Geht es nicht eine Nummer kleiner? Darf man Ihr was-auch-immer denn nicht einmal diskutieren?
Und auch bei diesen 4 Punkten habe ich bis auf den 3. keinen einzigen auch nur ansatzweise verstanden. Was ist denn nun ein "EPIKUR-Lohn"? Was wollen Sie uns mit "Steuerungssystemtheorie des Evolutionsprozesses" sagen? Was hat es mit "Angela Merkel und die Frage nach ihrem CHARTA-Hintergrundwissen" auf sich?
Neugierige und höfliche Grüße
Paging