Was am "Kapitalismus" ist in der Krise gescheitert? Gefloppt ist die Idee, Finanzmärkte seien rational und könnten sich selbst regulieren. Nicht gescheitert aber ist der Übergang sozialistischer Staaten zur Marktwirtschaft.
Die Weltrezession ändert vieles, auch die Sprache. Nach dem Untergang der DDR war es eine Zeitlang unmodern, die Marktwirtschaft "Kapitalismus" zu nennen. Man redete lieber von "Globalisierung" oder kritisierte bei Kirchentagen und anderen Gelegenheiten "Neoliberale" und "Marktideologen". Doch nun, in der Krise, gibt es einen neuen Grundton: Demonstranten wollen "den Kapitalismus abwracken", Finanzminister Peer Steinbrück klagt über "maßlosen Kapitalismus" und Oskar Lafontaine erklärt, das Wort Kapitalismus gebe "einfach die gesellschaftlichen Machtverhältnisse" wieder. Nicht nur am linken und rechten Rand, auch in der Mitte der Gesellschaft wächst das Gefühl, dass der Kapitalismus schuld an der Wirtschaftskatastrophe ist. Er steht unter Anklage und "ficht seinen Prozess vor Richtern aus, die das Todesurteil bereits in der Tasche haben", wie der Ökonom Josef Schumpeter vor gut sechzig Jahren schrieb. Das alles sollte misstrauisch machen.
Erst kürzlich skandierten in Berlin und Frankfurt am Main Tausende gegen Staatshilfen für angeschlagene Banken. (© Foto: ddp)
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Eine humane Wirtschaftsordnung
Wilhelm Röpke, einer der Väter der Sozialen Marktwirtschaft in Deutschland, sprach einst vom "Maskenfest der Ideologien" und vermutete handfeste wirtschaftliche oder politische Interessen dahinter, wenn er derart hochtrabende Begriffe hörte. "Kapitalismus" ist jedenfalls so vieldeutig, dass jeder hineinpacken kann, was ihm gerade gefällt. Und gerade das macht den Begriff so gefährlich. Man kann damit den amerikanischen und den britischen Wirtschaftsstil vom kontinentaleuropäischen abgrenzen, man kann aber auch unterstellen, es gebe irgendeine Alternative zur Marktwirtschaft, wobei der Empörungsgehalt des Wortes einen der Pflicht enthebt, diese Alternative zu benennen.
Vieldeutig war der "Kapitalismus", seit es ihn gibt. Erfunden von dem schillernden französischen Staatssozialisten Louis Blanc, spielte der Begriff zu Beginn der Arbeiterbewegung nur eine untergeordnete Rolle. Karl Marx und Friedrich Engels schrieben über die "Bourgeoisie", das "bürgerliche Eigentum", den "Kapitalisten" und die "kapitalistische Produktionsweise", kaum aber über den "Kapitalismus" selbst.
Richtig populär wurde der Begriff, zumindest in Deutschland, nicht durch einen Linken, sondern durch den konservativen Ökonomen Werner Sombart. In dessen 1902 erschienenem Standardwerk war der "moderne Kapitalismus" zunächst lediglich eine wissenschaftliche Kategorie, die Beschreibung eines Wirtschaftssystems, das durch "Erwerbsprinzip und ökonomische Rationalität" gekennzeichnet war.
Sombart war aber ein zutiefst widersprüchlicher Mann; anfänglich sympathisierte er mit der Sozialdemokratie, bewegte sich dann jedoch weit nach rechts, wurde antisemitisch, antiwestlich und zum Anhänger des Nationalsozialismus. Entsprechend mutierte sein "Kapitalismus" von einem wissenschaftlichen Begriff zur ressentimentgeladenen Floskel, zum Gegenmodell der "Volksgemeinschaft". Seither ist der Begriff in Deutschland vergiftet, auch wenn dies heute kaum jemand wahrhaben möchte.
Jedenfalls stand am Anfang der Sozialen Marktwirtschaft und des westdeutschen Wirtschaftswunders der bewusste Bruch mit der Kapitalismus-Kritik im Sinne Sombarts. Walter Eucken, das Haupt der Freiburger Schule der Nationalökonomie, wollte das "Maskenfest der Ideologien" beenden und eine "erfahrungsmäßig basierte Wirtschaftspolitik" begründen. Er war überzeugt, dass die liberale Wirtschaftsordnung die einzig denkbare humane ist. Die Liberalen des ausgehenden 19. Jahrhunderts hatten seiner Meinung nach versagt, aber nicht weil sie an die Marktwirtschaft glaubten, sondern weil sie nicht dafür gesorgt hatten, dass sie funktionierte. Es wäre heute höchste Zeit, an Eucken anzuknüpfen und zu einem rationalen, "erfahrungsbasierten" Diskurs über Wirtschaftspolitik zurückzukehren.
Dies zu fordern bedeutet nicht, die globale Krise kleinzureden, ganz im Gegenteil. Die Lage der Weltwirtschaft ist extrem bedrohlich und sie wird es auf lange Zeit hinaus auch noch bleiben.
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Umstrittenes Anti-Piraterie-Abkommen
Früher bekamen die Leibeigenen Almosen, um zu unterstreichen, wie gut die Herrschaft es mit ihnen meint.
Die Almosen des Kapitalismus sind in den Zockerdschungel geraten und jetzt müssen schöne die Erinnerungen herhalten, welch schöne Oasen diese unmenschliche Wüste der Selbstbereicherung doch hat.
Der Glaube hilft uns weiter - dorthin, wo wir glauben. Da haben wir zunächst zu entscheiden, woran wir glauben wollen. Die Vorschläge der Profiteure sind da eindeutig. Verdienen darf, wer genug hat. Da wollen sie ja auch hin.
Aber wollen sie uns alle mitnehmen - schwer zu glauben.
Zitat:"Der Globalisierungsschub, der nach dem Fall der Berliner Mauer einsetzte, bleibt das zentrale ökonomische Ereignis dieser Epoche, es wird die jetzige Krise überdauern - und das ist ein Segen für Hunderte von Millionen Menschen"
Na da werden sich aber die Hunderte von Millionen Menschen, denen es AUFGRUND der neoliberalen Globalisierung viel schlechter geht, aber freuen, wenn sie das hören.
Das Wort Globalisierung ist nichts anderes als der Raubtierkapitalismus in einem anderen Gewand - nur eben weltweit.
Wie man aber das Kind nennt ist doch sekundär. Der Markt, ob national oder international, braucht durchsetzbare Richtlinien und Regeln. Der Markt braucht eine klare und strenge Trennung von denjenigen die im Markt mitspielen und denjenigen, die die Richtlinien und Regeln festsetzen.
Kapitalismus hätte funktionieren können, wenn Habgier Grenzen hätte.
Rüdiger Janson
Grundsätzlich sind alle -ismen (Marx-, Lenin-, Kommun-, Nationalsozial-, etc., und auch Kapital-) abzulehnen, weil diese dogmatisch und damit gefährlich sind.
Nunmehr zu retten ist somit nicht irgendein Kapitalismus sondern die soziale Marktwirtschaft in Deutschland. Die soziale Marktwirtschaft nach Ludwig Erhard hat überhaupt nichts mit dem globalistisch-liberalistischen Kapitalismus zu tun, der sich seit ungefähr 1994 breitgemacht hat und nun Millionen von Menschen bedrückt.
Die Idee, die Märkte würden sich im Sinne von Adam Smiths unsichtbarer Hand weltweit von selber regeln und die Staaten könnten -ja müssten- sich so weit wie möglich zurückziehen, ist grandios gescheitert: Die Länder Korea, Taiwan, China, in denen sich der Staat intensiv in die Wirtschaft einmischt und protektionistisch agiert (vor allem China), sind höchst erfolgreich. Wo der Staat sich zurückgezogen hat (Deutschland, GB, USA) wirkt sich die Krise ungedämpft voll aus.
Die ungeregelte Globalisierung nach 1994 hat sich auch nicht als Segen für Hunderte von Millionen Menschen herausgestellt sondern nur als Segen für eine kleine weltweite Oligarchie von Begüterten. Davor gab es z.B. bei uns kaum Bettler, nun sind diese allgegenwärtig; es gab viel weniger notleidende Familien, keine Amokläufe und weniger Familiendramen. Dies sind Auswirkungen des unerträglichen, steigenden Druckes, den die Globalisierungsgewinnler auf die Mittel- und Unterschicht ausüben, um ihren Reichtum weiter ungehemmt zu vermehren und möglichst wenig an die Allgemeinheit abgeben zu müssen.
Die Idee, die Verhältnisse nun durch weltweite Regulierung bessern zu wollen, ist eine Fiktion: China, Korea und Taiwan schützen und subventionieren ihre Industrien seit Jahren schon erfolgreich mit Milliardenaufwand, nun auch die USA und Frankreich.
Alle, außer Deutschland, scheren sich bisher nicht um irgendwelche Regeln und werden das auch in Zukunft nicht tun. Der Protektionismus ist keine Versuchung sondern er ist schon lange da, und je protektionistischer das Land, desto erfolgreicher ist es.
Daher bleibt auch Deutschland kurzfristig nichts anderes übrig, als in dieser Situation gezielt ihren Industrien finanziell über die Talsohle zu helfen -wie es die asiatischen Länder schon lange erfolgreich machen.
Sonst haben wir hier in Deutschland in kurzer Zeit De-Industrialisierung und wirkliche Massenarbeitslosigkeit und weitere Verarmung von Millionen.
@Ruediger Kalupner
Sie meinten: "Ihr Breitbandmodell ist evolutionstheorie-los und konkurrenzlos gegenüber dem Evolutionsprozess-eigenen Exodusprojekt - und damit gar nicht diskussionswürdig."
An diesem Satz sollten Sie über 3 Dinge nachdenken.
1. Es heißt Bandbreitenmodell und nicht Breitbandmodell. Daß Sie nicht einmal den Namen schreiben können, läßt darauf schließen, daß Sie es nicht gelesen und trotzdem eine knallharte Meinung haben.
2. Wie soll ich es höflich formulieren? Vielleicht so: Tragen Sie ihre Wortakrobatik doch einmal 100 Testpersonen in einer Fußgängerzone vor. Lassen Sie sich anschließend von ihren Testpersonen wiederholen (oder gar erklären), was Sie Ihnen soeben erklärten. Ich schätze, daß kein Einziger auch nur erahnt, was Ihre Worte zu bedeuten haben. Herr K., ich meine es ja nur gut mit Ihnen und weise Sie in aller Höflichkeit darauf hin, daß Sie mindestens ein gigantisches Kommunikationsproblem haben, wenn niemand versteht, was Sie sagen. Auch die Textmasse Ihrer Homepage ist gelinde gesagt nicht nutzerfreundlich. Wollen Sie denn nicht verstanden werden?
3. Soso. Das Bandbreitenmodell ist gar nicht diskussionswürdig. Abgesehen von dieser extrem unhöflichen Attitüde gegenüber Andersdenkenden: Können Sie das ganz konkret und mit Worten begründen, die jeder Leser halbwegs gebildete Leser versteht?
Ihre 4 TINA-Punkte sind auch kurios. Schon der "There-Is-No-Alternative"-Anspruch wirkt gelinde gesagt unsympathisch. Geht es nicht eine Nummer kleiner? Darf man Ihr was-auch-immer denn nicht einmal diskutieren?
Und auch bei diesen 4 Punkten habe ich bis auf den 3. keinen einzigen auch nur ansatzweise verstanden. Was ist denn nun ein "EPIKUR-Lohn"? Was wollen Sie uns mit "Steuerungssystemtheorie des Evolutionsprozesses" sagen? Was hat es mit "Angela Merkel und die Frage nach ihrem CHARTA-Hintergrundwissen" auf sich?
Neugierige und höfliche Grüße
Paging