Wirtschaft in der Krise Japan rutscht in die Rezession

  • Japans Wirtschaft ist im dritten Quartal überraschend um 0,4 Prozent geschrumpft.
  • Der Rückschlag wirkt sich auf die Börse in Tokio aus: Der Nikkei-Index sackte ab.
  • Die Regierung denkt nun darüber nach, die anstehende Erhöhung des Mehrwertsteuersatzes auszusetzen.

Minus statt Plus

Die Hoffnungen auf eine Konjunkturerholung in Japan haben sich zerschlagen. Im dritten Quartal schrumpfte die drittgrößte Volkswirtschaft der Welt überraschend um 0,4 Prozent, wie die Regierung in Tokio mitteilte. Experten waren dagegen von einem Zuwachs um 0,5 Prozent im Vergleich zum Vorquartal ausgegangen.

Investoren reagierten auf die Zahlen verschreckt: Der Nikkei-Index sank um 1,5 Prozent. Der Yen fiel im Vergleich zum US-Dollar auf den tiefsten Stand seit sieben Jahren. Die japanische Wirtschaft kämpft noch immer damit, dass die Mehrwertsteuer im April angehoben wurde. Deswegen sank die Wirtschaftsleistung bereits im Frühjahr um 1,9 Prozent. Bei einem Rückgang auch im folgenden Quartal sprechen Experten von einer Rezession.

Was die Regierung plant

Für die Regierung von Ministerpräsident Shinzo Abe ist die Nachricht ein Rückschlag. Ein Vertrauter Abes sagte, dass der Regierungschef die zweite Stufe der Mehrwertsteuererhöhung wohl verschieben wolle. Außerdem könnte er Wahlen vorziehen, um mehr Rückhalt für seine Politik zu bekommen.

Die Mehrwertsteuer wurde im April von fünf auf acht Prozent angehoben und sollte eigentlich im Oktober 2015 auf zehn Prozent steigen. Die Entscheidung steht japanischen Medienberichten zufolge in dieser Woche an.

Wirtschaftsminister Akira Amari kündigte außerdem an, die Konjunktur mit neuen Maßnahmen zu stützen. Die Wahrscheinlichkeit dafür sei "sehr hoch". Eine Möglichkeit sei, Geringverdienern zu helfen.

Woher die Probleme kommen

Japan steckt seit Jahren in der Krise. Erst Ende Oktober verkündete die japanische Zentralbank, 80 Billionen Yen, etwa 570 Milliarden Euro, in die Wirtschaft pumpen zu wollen - jährlich. Das Problem: Die Geldpolitk half bislang vor allem der Börse, schwächte jedoch den Yen - was zwar eigentlich den Exportfirmen helfen sollte, tatsächlich aber Verbrauchern schadet. So hatte die durchschnittliche japanische Familie spürbar weniger in der Haushaltskasse als vor zwei Jahren. Ein Grund dafür ist, dass die Preise schneller steigen als die Löhne und damit die Kaufkraft der Japaner verringern. Selbst wenn sie wollten, können sie derzeit nicht mehr konsumieren.

Abe hatte die Regierung im Dezember 2012 übernommen mit dem Versprechen, durch die nach ihm benannte Politik - "Abenomics" - die Wirtschaft wieder in Schwung zu bringen - und zwar mit einem Mix aus einer extrem lockeren Geldpolitik, Reformen und Mehrausgaben. Damit sollte die seit Jahren anhaltende Deflation - ein für die Wirtschaft schädlicher Preisverfall auf breiter Front - beendet werden. Was bislang allerdings fehlt, sind die dringend benötigten Strukturreformen.