Wirtschaft an Weihnachten Die Kirchen trauen der Wirtschaft nicht

Interessanterweise sind die Kirchen selbst ja nicht unökonomisch - wie sollten sie denn auch? Der Vatikan ist ein Weltkonzern, die Evangelische Kirche in Deutschland ein Großunternehmen. Jeder Bischof weiß, dass seine Organisation nicht weit kommt, wenn sie wirtschaftliche Zusammenhänge außer Acht lässt, wenn sie nicht effizient wirtschaftet. Aber so ganz wollen sich die Kirchenmenschen denn doch nicht der Wirtschaft ergeben, sie trauen ihr nicht, ob sie nicht womöglich die reine christliche Lehre verunreinigt.

Dabei ist ausgerechnet der wichtigste Protagonist des christlichen Glaubens, Jesus von Nazareth, längst (auch) eine wirtschaftliche Größe. Bekannt und hierzulande zu Recht verschrien ist der Jesus-Kitsch, wie er in den Vereinigten Staaten groß in Mode ist. Bibleman als Superman, regalweise Erbauungsbücher in den Buchhandlungen, und Hollywood lässt sich bei Gelegenheit auch nicht lumpen - das muss ja nicht sein. Aber zwischen einer kommerziellen Verirrung und der deutschen Prüderie wäre viel Platz für Kompromisse.

Jesus als Marke, das ist seit mehr als 2000 Jahren ein Erfolgsmodell wie kaum ein anderes. Man darf schon fragen, warum die Kirche diese Kraft nicht mehr nutzt und sich Anleihen in der Welt der Unternehmen holt. Es ist ja nicht so, dass nicht Bedarf wäre an klugen Konzepten, die Anziehungskraft der Kirchen schwindet ja sichtlich. Aber die Männer und Frauen der Kirche ergeben sich bestenfalls widerwillig der Betriebswirtschaftslehre, und eigentlich bleibt ihnen in der Mehrheit diese Welt fremd. Und spätestens an Weihnachten mögen sie dann wieder sein, was sie doch eigentlich sind: Menschen und Seelsorger. Dann also, auf den weihnachtlichen Kanzeln, stehen nicht mehr die Manager, die Controller, die Marketingchefs der Kirche, sondern die (Gut-)Menschen, und sie sparen neben der Betriebswirtschaft auch gleich die Volkswirtschaft aus.

Aber gerade wer Weihnachten zum Nachdenken nutzen will, wer jenseits des Alltags die großen Fragen debattieren will, wer über das Leid in der Welt reden will, der darf die Wirtschaft nicht außer Acht lassen. Sondern sollte das Tor weit aufmachen und die Ökonomie rein lassen. Sie wird gebraucht. Auch an Weihnachten.