Wintersporthalle "Snow Dome" Der Hausberg der Hamburger schließt

Heidegletscher vor dem Aus: Snow Dome in Bispingen schließt im März.

(Foto: dpa)

Der "Snow Dome" in der Lüneburger Heide wurde auch mit Steuergeld gefördert. Nun macht die Wintersporthalle dicht, weil sie für die Investoren nicht wirtschaftlich sei. Niedersachsens Wirtschaftsministerium reagiert überrascht und verwundert - und bestellt die Betreiber zum Rapport. Doch die sagen den Termin ab.

Von Kristina Läsker

Von Hamburg nach Bispingen, so würden es die Hamburger sagen, kann man fast spucken. Es sind ja nur 34 Minuten mit dem Auto. Das weiß Jakob Falkner ganz genau. Weil er die Strecke Hunderte Male gefahren ist. "Das ist wirklich nicht weit", sagt der Manager aus Tirol. Doch die Hamburger führen diese Strecke nicht gern. "Gefühlt ist es zu weit weg." Obwohl sie so begeisterte Skifahrer sind. So begeistert, dass sie sogar an zwei Wochen Frühjahrsferien festhalten, um endlich wieder in die Berge zu kommen. Falkner aber verzweifelt an diesen Hamburgern langsam.

Vor sieben Jahren hat der Mann, der daheim in Sölden so etwas wie der König des Ötztals ist, den Norddeutschen eine Wintersporthalle gebaut. Den "Snow Dome" bei Bispingen, 35 Meter hoch, mitten im Flachland. Dieser Hamburger Hausberg liegt direkt an der Autobahn A7, dem Express gen Alpen. Doch sie lieben ihn nicht, diesen Hausberg. Jedenfalls so wenig, dass Falkner und die anderen Investoren - "alles Freunde aus Sölden" - jetzt wieder aussteigen.

Am Dienstag erfuhren die Mitarbeiter bei einer Betriebsversammlung, dass der "Snow Dome" schon Ende März dicht machen wird. Für die 137 Festangestellten und gut 100 Saisonkräfte war es ein Schock. Auch Geschäftsführer José Fernandes hat es kalt erwischt. Noch vor drei Wochen hatte er einen Termin bei der Förderbank von Niedersachsen. Bei dem Gespräch in Hannover ging es um Kredite für den Ausbau der Hotelanlage.

Die Geldmaschine mutierte zum Verlustbringer

Neue Kredite? Plötzliche Schließung? Wie passt das zusammen? "Die Anlage war nicht wirtschaftlich", sagt Falkner. Mit Liften kennt er sich aus, er führt die Bergbahnen Sölden GmbH. Doch diese Halle in Bispingen habe seit Start im Oktober 2006 nur Verluste gemacht, sagt Falkner. Dabei hatten sich die Männer aus dem Süden so viel Schönes ausgedacht für die dröge Nordheide. Es gibt eine 300 Meter lange blaue Skipiste, einen Sessel-Lift und sogar einen Freestyle-Park für Snowboarder.

Das lockte auch Leute an. 500.000 Besucher sollen im jüngsten Geschäftsjahr in Bispingen gewesen sein, viele Familien und Jüngere. Doch die Besucher, so heißt es, hätten wohl nicht genügend Geld ausgegeben. Statt eine Tageskarte von 35 Euro zu lösen, wollten viele bloß mal schauen. Oder Kaffee und Kuchen in der "Ötztaler Stube" trinken, um dann einen Blick auf die Verrückten zu werfen, die mitten im Grünen im Sommer in voller Montur gen Halle stapften. Was als Geldmaschine für eine Tiroler Gang gedacht war, mutierte zum Verlustbringer.

Etwa 35 Millionen hätten die Eigentümer allein am Anfang in die Anlagen gesteckt, sagt Falkner. Und sie warfen dem Geld noch einige Millionen hinterher. Vor der Halle entstand eine feste Wasserwelle für Surfer, ein Skater-Park und eine Siedlung zum Übernachten. Das sollte Sommergäste anziehen. Aber das Geld floss nicht zurück. Erst entpuppten sich die Touristen als zu knausrig, dann stiegen die Energiekosten gewaltig, und nun stehen noch teure Reparaturen an.

Der Winterspaß kommt auch die Steuerzahler teuer

Kühlanlage, Lift und Beschneiungsanlage müssten saniert werden, sagt Falkner. Tatsächlich ist der Hausberg seit dem Start nie mehr abgetaut worden. Die Halle ist jeden Tag in Betrieb. Von morgens bis abends. Winters wie Sommers. Anders als ein Skigebiet wie Sölden, wo die Bergbahnen nur wenige Monate laufen und dann alles ausgiebig gewartet werden kann. Doch es bleibt unklar, wieso die Investoren diesen Dauerbetrieb unterschätzen konnten.

Nicht nur die Österreicher kommt der Winterspaß in der Heide teuer. Auch die Steuerzahler in Niedersachsen leiden unter dem Debakel. Gut 5,3 Millionen Euro sind in das Projekt geflossen, das für die schwarz-gelbe Regierung in Hannover einst ein "touristischer Leuchtturm" werden sollte. Ein Magnet für Heidebesucher. Die Geldgeber aus den Alpen wurden mit 3,6 Millionen Euro gefördert. Etwa 1,7 Millionen Euro flossen in die Verkehrs-Infrastruktur in Bispingen.

Im Wirtschaftsministerium in Hannover rätseln sie nun, wie sich die Investoren nur so haben verkalkulieren können. "Wir sind verwundert", sagte ein Sprecher des neuen Wirtschaftsministers Olaf Lies (SPD). Sie finden es auch merkwürdig, dass die Investoren so plötzlich das Aus verkünden, ohne vorher gemeinsam über eine Rettung nachzudenken. Und so haben sie "Snow Dome"-Chef Fernandes und Investor Falkner für Donnerstagnachmittag ins Ministerium zitiert - zum Rapport. "Wir wollen keine Investitionsruine", sagt der Sprecher.

Was die Politiker ärgert: Mitte 2012 ist eine Bindefrist für die Landesgelder ausgelaufen. Wenn der "Snow Dome" nun dicht macht, wären die Millionen futsch. Auch Falkner scheint zu ahnen, dass das Ärger geben kann. Ins Ministerium nach Hannover wollte er dennoch nicht reisen, er hatte wichtigeren Besuch in Sölden: Ein Termin mit Betreibern amerikanischer Skigebiete stand an. Am Telefon beteuert er, dass die letzte Entscheidung über den "Snow Dome" noch nicht gefallen sei - man suche nach Investoren, die übernehmen wollten: "Wir lassen uns alle Wege offen."