Die Swatch-Gruppe legt die Glashütter Uhrenmarke Union neu auf - für all jene, die nicht zu viel Geld für mechanische Uhren ausgeben wollen.
Nick Hayek ist ein begnadeter Selbstdarsteller. Genüsslich eine Zigarre paffend, präsentiert der Chef der Swatch-Group im per Gesetz zur raucherfreien Zone erklärten feinem Dresdner Hotel Taschenbergpalais die neueste Interpretation von Qualität und Ästhetik des weltweit größten Herstellers von Zeitmessern. Was da aus Hayeks Rauch auftaucht, heißt Averin, Belisar, Viro und Seris - allesamt exklusive mechanische Uhren der Marke Union Glashütte/SA, die der Schweizer Konzern nun wiederbeleben will.
(© Foto: oH)
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Aus gutem Grund. Die weltweit ungebrochene starke Nachfrage nach Luxusuhren hat Swatch im vergangenen Jahr erstmalig zu mehr als einer Milliarde Franken (645 Millionen Euro) Reingewinn verholfen. Mit seinen Edelmarken Breguet, Omega, Blancpain, Glashütte Original, Rado, Longines und Tissot ist der Konzern bereits gut auf diesem Wachstumsmarkt positioniert.
Jetzt aber wollen die Schweizer mit den drei neuen Produktlinien für Herren und der Seris-Kollektion für Damen auch den nicht ganz so solventen Liebhabern mechanischer Uhren ein Angebot machen. "Wir zielen mit den vier Produktlinien auf das mittlere Preissegment zwischen 1000 und 3000 Euro", sagt Hayek. Dort sei die Nachfrage nach mechanischen Uhren besonders groß.
Gesamte Modellpalette
Auf Uhren, die alles haben, was sie präzise und schön machen, aber nichts, was sie teuer machen, setzte schon der Kaufmann Johannes Dürrstein, als er 1893 die Glashütter Uhrenfabrik Union gründete.
Nach diesem Konzept fertigte die zur vorvergangenen Jahrhundertwende auf 40 Mitarbeiter angewachsene Manufaktur von der einfachen Taschenuhr bis zum Tourbillon die gesamte Modellpalette mechanischer Uhren jener Zeit in der schon damals weltweit anerkannten Glashütter Qualität.
Anfang der fünfziger Jahre wurden alle noch existierenden Glashütter Uhrenbetriebe zum Uhrenkombinat VEB Glashütter Uhrenbetriebe (GUB) zusammengefasst. Nach der Wende begann eine neue Ära in der sächsischen Uhrmacherstadt. Reprivatisierung, Aus- und Neugründungen begründeten den Mythos Glashütte neu.
Lange & Söhne, heute in Besitz des Schweizer Uhrenkonzerns Richemont, und Glashütte Original (Swatch) haben Weltruf. Hinzu kommen kleine Manufakturen wie Nomos und Mühle. Seit kurzem auch der renommierte Juwelier Wempe, der nun ebenfalls in Glashütte mechanische Uhren montieren lässt.
Union aber geriet in Vergessenheit, weil Swatch nach Übernahme der Glashütter Uhrenbetriebe im Jahre 2000 sein Hauptaugenmerk auf die exklusive Marke Glashütte Original legte. Zwischenzeitlich verschwand die Marke fast ganz vom Markt, jetzt soll sie wiederbelebt werden.
Die Reanimation will sich Swatch "mehrere Millionen Euro" kosten lassen, teilt der Konzernchef mit. "Wir brauchen Union, die Produktionskapazitäten für Glashütte Original sind durch die weltweit große Nachfrage nach Luxusuhren komplett ausgelastet."
Hayek zufolge werden durch die Wiederbelebung der Uhrenmarke bis zu 100 neue Arbeitsplätze in Glashütte entstehen. Das sei notwendig, weil man garantieren wolle, dass mindestens 50 Prozent der Wertschöpfung am Uhrwerk vor Ort geleistet wird. Schließlich sei nur dann die Herkunftsbezeichnung Glashütte rechtlich sicher.
"Wir verwenden für die neuen Union-Produktlinien Werke unserer Konzerntochter Eta, die dann mit in Glashütte gefertigten Komponenten veredelt werden."
Deutsche Uhren haben nach Hayeks Schätzungen ungefähr fünf Prozent Anteil am deutschen Uhrenmarkt, der in dem für Union vorgesehenen Segment nach seinen Angaben knapp eine Milliarde Euro schwer ist. Swatch wird darum auch die neuen Modelle zunächst nur in Deutschland und Österreich vertreiben.
"Wir fangen mit 80 Verkaufspartnern an, steigern dann nach erfolgreichen Einstieg auf 120 und langfristig auf 200 Läden", blickt Hayek voraus. Erfolg für die Marke Union heißt Verkauf von mindestens 60 bis 80 Uhren pro Shop und Jahr.
Hayek hat keinen Zweifel daran, dass diese Zielmarke "bald" erreicht und Union zunächst mit einer Umsatzgröße im "zweistelligen Millionenbereich" in die Swatch-Bilanz eingehen wird. "Ab dieser Größenordnung sind wir rentabel", sagt der Konzernchef und zieht dabei an seiner Zigarre, als gelte es mit einem kräftigen Rauchsignal den Neuanfang von Union zu starten.
(SZ vom 07.04.2008/hgn)
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